Immer der Reihe nach: Namen auf Bali

Wenn Eltern ihr Kind beim Namen nennen, spielt das Wohl der Sprösslinge selten eine Rolle. Nehmen wir den kleinen Don Armani Karl-Heinz: Diesen Namen haben die zuständigen Beamten in Deutschland jüngst offiziell abgesegnet. Der arme Kerl weint schon jetzt ins Kopfkissen, weil er ahnt: sein Weg wird kein leichter sein.

Ob Stadt, Land oder Fluss – in einigen Ländern ist bei der Namensgebung inzwischen alles erlaubt, was das spätere Leben der Nachkommen definitiv versauen könnte. Nicht so auf Bali. Dort regieren Tradition und Pragmatismus.

Komang Masseurin Ubud

Komang, meine Masseurin – das dritte Kind ihrer Eltern

Die Geburtsfolge legt die Namen für die ersten vier Kinder fest, unabhängig vom Geschlecht. Es gibt Unterschiede in der balinesischen Namensvorgabe, die auf Kastenzugehörigkeit, regionale Traditionen oder Sprachunterschiede zwischen Nord- und Südinsel zurückgehen. In der Regel aber werden folgende Namen verwendet:

Der oder die Erstgeborene heißt „Wayan („Der/die Älteste) oder „Gede“ oder „Putu“, das zweite Kind „Made“ („In der Mitte“) oder „Nengah“, das dritte „Nyoman“ (Der/die Jüngste) oder „Komang“ und das vierte „Ketut“. Bei Jungen wird dem Namen ein „I“ vorangesetzt, den Mädchen ein „Ni“. Drei Kinder gelten als ideal, weswegen Ketut manchmal auch mit „Der/die Ungewollte“ übersetzt wird.

Mit dem fünften kleinen Racker beginnt der Zyklus von vorn. Wundere dich also nicht, wenn dir auf der Insel zum siebten Mal ein „Wayan“ begegnet. Kann ja nicht jeder „Brooklyn“ heißen wie Beckhams Filius oder „North West“ wie das Kind von Kim Kardashian und Rapper Kanye West. Zum Glück (für die Tochter) sind die Eltern nicht verheiratet, sonst hieße die Kleine offiziell North West West.

Coco Wayan und Made, seine Frau

Nach unserem Scooter-Ausflug ins Zentrum Balis kehren wir nach Ubud zurück und beziehen zwei der Bungalows des Resorts Han Snel Siti Bungalows. Anschließend schwingen wir uns wieder in den Sattel und erkunden die Nachbarschaft. Denn nur ein, zwei Kilometer nördlich der Jalan Raya (auf Deutsch: Hauptstraße) landet man schon wieder in der Natur.

Dort treffen wir unseren ganz persönlichen Wayan, der aussieht wie ein Wiedergänger des englischen Zehnkämpfers Daley Thompson. Doch ein Holzschild verweist auf ein anderes Metier: Coco Wayan ist Bio-Bauer, spezialisiert auf den organischen Anbau von Kokosnüssen. Und weil es so viele Wayans gibt auf Bali, heißt dieser hier zielführend Coco Wayan.

Unter dem Schild sitzt, in einem T-Shirt von Calvin Klein, Wayans Frau Made. In ihrer Familie also der zweite Sprössling oder vielleicht doch der sechste, wir wagen nicht zu fragen. Stattdessen halten wir uns an die Empfehlung von Bali-Kennern, Einheimische freundlich, aber direkt anzusprechen – die Balinesen lieben es, sich mit ihren Gästen zu unterhalten.

So erklärt uns Wayan in ausgezeichnetem Englisch, warum er für Balis Zukunft darauf hofft, dass die Farmer wieder zum organischen Anbau zurückkehren, ohne Pestizide und Kunstdünger: „Die Zahl der Touristen steigt und steigt. Für viele Inselbewohner ist die Verlockung natürlich groß, möglichst schnell Profit daraus zu schlagen. Doch genauso groß ist die Gefahr, auf Dauer das zu zerstören, was Bali für Touristen so reizvoll macht.“

Kokosnüsse sind zwar Cocos Spezialität, doch sein biologisch angebautes Portfolio offeriert Vielfalt: baas barak (roter Reis), Kakao, Zimt, Chili, Sojabohnen. So decken wir uns organisch ein wenig ein und verlassen das freundliche Paar nach einer lehrreichen Stunde.  Bei unserem Abschied entdecken wir dann ein Schild „House for Sale“ – zu gerne würden wir irgendwann erfahren, wie lange es dauert, ein Haus zu verkaufen, welches man nur mit nassen Füßen erreicht.

Bali Haus zu verkaufen

House for Sale

Bali ist wie kaum ein anderes Fleckchen Erde gesegnet mit Hotels, die Komfort und Design derart einfühlsam mit der lokalen Topographie  kombinieren. Doch es müssen nicht fünf Sterne sein, um die Reize der Insel auch in der Unterkunft zu genießen. Der tropische Garten vom Han Snel Siti Bungalow schafft es mit seinen acht einfach eingerichteten balinesischen Bungalows nicht auf die vorderen Plätzen der einschlägigen Rankings. Wir aber haben uns in diesem tropischen Garten von der ersten bis zur letzten Sekunde wie zu Hause gefühlt.

Unschlagbares Preis-/Leistungsverhältnis, nur fünf Gehminuten vom Zentrum Ubuds entfernt, ergänzt durch das in der kleinen Anlage liegende, ausgezeichnete italienische Restaurant Il Giardino.

Fotos: B. Linnhoff, Uwe „Disco“ Wojatzek

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