… und ein Drache im Vogelpark

Meine Frau schaute mich an, als wollte sie mich zum Vertrauensarzt schicken. „Was steht morgen“, hatte sie mich gefragt. „Frühstück mit Orang-Utans“, hatte ich wahrheitsgemäß geantwortet. „Gut, dass ich schon liege“, sagte sie.

Wir konnten nicht endgültig klären, ob ein gemeinsames Mahl mit Affen Flitterwochen bereichert. Es ging gegen Mitternacht, wir lagen in unserem Bett im Puri Saron Hotel Madangan. Nach der Unterkunft in Denpasar erneut eine umstrittene Wahl.

Schön gelegen zwar mit Blick auf Reisfelder und Dschungel, aber einsam; kein Internetempfang und 25 km weg vom nächsten Strand. Die von mir online gebuchte Herberge wurde gerade komplett renoviert, was auf den entsprechenden Buchungsplattformen höflich verschwiegen wurde. Wir waren die einzigen Gäste. Auch ein kühles Bintang-Bier milderte die gespenstische Atmosphäre beim Abendessen nicht.

Zu Gast in Balis Zoo: Jacky gönnt mir ein Zoovenir

Bali Zoo (Photo: B. Linnhoff/Faszination Fernost)

Bali Zoo (Foto: B. Linnhoff/Faszination Fernost)

Sechs Uhr morgens wurden wir abgeholt. Ich war durch eine Promotion-Aktion auf das außergewöhnliche Frühstück gestoßen, mit diesem Bild: Familie Mustermann, beäugt von einem unserer nahen Verwandten, der Rest wendet sich ab mit Grausen.

Dem Frühstück sah ich mit gemischten Erwartungen entgegen. In meiner Kindheit haben Zoos meine Faszination für Tiere maßgeblich geprägt. Auch deshalb halte ich Tiergärten nicht für eine überflüssige Einrichtung. Die Qualität eines Zoos zu beurteilen, ist für jeden Außenstehenden schwer. Erst recht in Asien.

Tiere in Zoos, Tiere in Interaktion mit Menschen – sensible Themen, emotionale Themen. Tiere fressen Futter, Tiere kosten Geld, Tiere müssen beschäftigt werden. Wir würde das nun aussehen in der Realität des Bali-Zoos? Würden sich die Affen zum Affen machen?

Die Realität sah natürlich anders aus als die Werbung. Zum Fototermin mit Touris waren zwei junge Orang-Utans zugegen. Einer nestelte mit Erfolg an der Bluse einer Britin, die mit einem erfreuten „Amazing!“ reagierte. Danach entfernte sich der Affe in Richtung Wiese, um mit seinem Pfleger herumzutollen. Er hatte genug gesehen.

Die Affen zeigten, wenn ihnen der Betrieb auf den Keks ging. Meine Frau weckte beim Jungtier nahe unserem Tisch Neugierde, während ich mimisch mit diversen Formen der Ablehnung leben musste. Dass mir der Halbstarke auch noch den Mittelfinger zeigte, schreibe ich seiner Jugend zu.

Kommentare anderer Gäste zum Frühstück mit Orang-Utans auf der Facebook-Seite des Zoos.

Binturong im Bali-Zoo (Foto: B. Linnhoff/Faszination Fernost)

Binturong (Foto: B. Linnhoff/Faszination Fernost)

Balis Zoo zählt zu den jüngsten weltweit. Der heutige Direktor Anak Agung Gde Putra gründete ihn 1996 mit eigenem Geld und drei Tieren auf drei Hektar Fläche: Einem Hirsch, einem Helmkasuar und einem Orang-Utan. Heute sehen die Besucher auf mittlerweile neun Hektar 350 Arten, die zum größten Teil in Indonesien heimisch sind. Auch gefährdete Spezies wie den Binturong oder Marderbär – eine Schleichkatze.

Zum Ende unseres Rundgangs begegnete ich Jacky. Eine imposante Erscheinung, ein schönes Tier. Das fast 40-jährige Orang-Männchen ist berühmt und berüchtigt dafür, seine Gäste mit Futter oder Kot zu verscheuchen. Ihm lag gar nichts daran, dass ich ihm beim Frühstück zuschaute. So gönnte er mir einen Wurf mit der Banane. Mein persönliches Zoovenir. Von Kot blieb ich verschont, und doch wurde meine Kamera etwas unruhig, wie das Video zeigt.

Bali Zoo (Photo: B. Linnhoff/Faszination Fernost)

Ein bisschen Spaß muss sein (Foto: B. Linnhoff/Faszination Fernost)

Bali Bird Park  – eine Runde Natur

Der Elefant ist Thailands Nationaltier. Was nichts daran ändert, dass er massiv geschützt werden muss. Der Bali-Star ist das Maskottchen der Insel. Was nichts daran ändert, dass er vom Aussterben bedroht ist. Rodung der Wälder und illegaler Tierhandel gefährden den Vogel wie so viele andere Arten auch.

1000 Vögel, 250 Arten, ein schöner Tag in der Natur: Damit wirbt der Bali Bird Park für sich und seine Schützlinge. Laut Homepage hat sich der Vogelpark Schutz, Pflege und Zucht der Vögel ins Stammbuch geschrieben.

 

Einen Drachen hatte ich dort nicht erwartet. Seit langem schon steht die Reise zu den Komodo-Waranen auf meiner Wunschliste. Nun habe ich zumindest mal einen in natura gesehen. In einem Vogelpark und schlafend. Da ist noch Luft nach oben.

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