Solidarität im Netz – stornierte Flüge

Teflon Thailand – nichts blieb bislang kleben am Ruf des Landes. Flughafenbesetzung, Straßenkämpfe, Tote, Demonstrationen, Militärcoup: Nichts konnte das Vertrauen der internationalen Travellergemeinde erschüttern, nie verloren die Urlauber vor allem Bangkok aus den Augen.

Voller Vertrauen kehrten sie immer wieder zurück in die hedonistische Metropole am Chao Praya Fluss, um das Gefühl der Unbeschwertheit zu genießen, das jeder Besucher mit Bangkok, mit Thailand verbindet.

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16,4 Millionen Gäste zählte Bangkok im letzten Jahr laut MasterCard-Studie – nur London registrierte weltweit mehr Besucher. Unbeschwert genießen kann nur, wer sich sicher fühlt. Doch wer fühlt sich noch sicher nach 20 Toten und 125 Verletzten am Montag, nach einem durch puren Zufall gescheiterten Anschlag am Dienstag, als eine weitere Bombe nicht zwischen den Menschen am Sathorn Pier detonierte, sondern ins Wasser fiel?

Wer kann sich sicher fühlen, ehe auch nur ansatzweise zu deuten ist, wer hinter den Anschlägen steht? Wer weiß schon, ob die beiden Attentate die letzten waren? Am heutigen Nachmittag gab es eine weitere Sperrung der Verkehrshauptschlagader Sukhumvit Road. An der BTS-Station Nana fanden und untersuchten Spezialisten einen verdächtigen Gegenstand, ehe es Entwarnung gab.

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Wer immer für die bisherigen Anschläge verantwortlich war, das wesentliche Ziel des Terrors ist bereits erreicht: Chaos sähen, Angst schüren – bis zu Panik und Paranoia ist es dann nicht mehr weit.

In den sozialen Medien, auf Facebook, Twitter, Instagram wächst derweil trotzige Solidarität mit dem Königreich, mit der Hauptstadt. „Wir kommen wieder“, heißt es so oder ähnlich, „wir lassen uns von Terroristen nicht vorschreiben, wohin wir reisen!“ „Bk – the Insider`s Guide to Bangkok“ nennt gleich fünfzig neue Gründe, die Stadt zu lieben. Ein rührender Versuch – doch zum Scheitern verurteilt.

Denn an diesem Tag, so die ernüchternde Nachricht, wurden 20 Prozent der nach Bangkok und anderen Zielen gebuchten Reisen storniert oder zu anderen Destinationen umgebucht, vor allem von Japanern und Chinesen. Zeitgleich fällt der Wert der thailändischen Währung Baht. Das haben sich die Touristen schon länger gewünscht, doch nicht aus den aktuellen Gründen.

Teflon Thailand? Die Anschläge trafen ein wirtschaftlich schwächelndes und sozial wie politisch gespaltenes Land. Wie schwer die Lage derzeit einzuschätzen ist, beleuchtet ein Bericht in der FAZ: Inferno in der Engelsstadt.

Ende offen.

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Fotos: Faszination Fernost/B. Linnhoff, itv, Bangkok Post, BBC