Protz mag der Drachenkönig nicht

Keine Ahnung, ob die Zentren des staatlichen und religiösen Lebens auch in anderen Ländern unter einem Dach vereint sind – in Bhutan jedenfalls residieren sie Tür an Tür. In den Dzongs, den Klosterburgen, die einst auch Trutzburgen waren gegen einfallende Tibeter.

Am Ufer des Wangchu in Timphu liegt ein beeindruckender Gebäudekomplex. 1641 errichtet, wurde der Tashichho Dzong 1962 durch den damaligen König Jigme Dorji Wangchuk nach historischem Vorbild restauriert und ausgebaut. Zu dieser Zeit löste Timphu Punakha als Hauptstadt ab. Der Tashichho Dzong beherbergt heute Regierung, Thronsaal des Königs, wertvolle Heiligtümer Bhutans sowie den Sommersitz der nationalen Mönchsverwaltung. Da König Jigme Khesar Namgyel Wangchuck jegliche Art von Protz ablehnt, wohnt er mit seiner Gemahlin nicht im „Palast“, sondern in einem vergleichsweise kleinen Haus in der Nachbarschaft.

Geheiratet hat der Drachenkönig die 21-jährige Pilotentochter Jetsun Pema 2011 allerdings in der ehemaligen Kapitale Punakha, dem heiligsten Ort des Landes, in der dortigen Klosterburg. Es ist die zweitälteste im Land, gebaut 1637; hier liegt Bhutans Gründer begraben, Shabdrung Ngawang Namgyel. Der zweite Name des Punakha Dzongs lautet Pungthang Dewachen Phodrang, „Palast des großen Glücks“. Ein gutes Omen für das junge Brautpaar.

Der Punakha Dzong hat festliche Zeremonien erlebt und auch diverse Katastrophen: Vier verheerende Brände, ein Erdbeben, zahllose Überschwemmungen. Denn das Kloster liegt an der Vereinigung zweier Flüsse: Pochu (Männlich) und Mochu (weiblich). Nach jedem Desaster fanden sich Unternehmer, Handwerker und Künstler zur Restaurierung ein. Sie arbeiteten, wenn man das bei einem buddhistischen Bauwerk sagen darf, für Gotteslohn, also umsonst. Aber nur im engeren Sinn, denn Ihr Einsatz dammelte reichlich gutes Karma an. Zugleich wurde der Dzong zum eindrucksvollen Schaufenster für die Fähigkeiten der edlen Helfer, die in der Folge mit privaten Aufträgen belohnt wurden.

Die Brücke, die heute über den Mochu, den „weiblichen Fluss“ also, zum Eingang des Dzongs führt, wurde von der deutschen Gesellschaft Pro Bhutan mit Spendenmitteln finanziert, gebaut und vom deutschen Botschafter Harald N. Nestroy 2008 eröffnet.

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