Es gibt nur acht Piloten, die den Flughafen von Paro anfliegen dürfen. Warum? Weil sie es können. Der Flughafen liegt in einem engen Tal, umgeben von steilen Hügeln, die letzten zehn Kilometer müssen die Piloten manuell fliegen und auf Sicht. Das ist besonders eindrucksvoll, wenn es auf lange Kilometer keine Sicht gibt, sondern nur dichtes Regengewölk wie in unserem Fall.

Zum Finale geht es, schon im Sinkflug, noch einmal über eine Bergkuppe, dann kippt der Flieger der Druk (Drachen) Air nach rechts weg, um wenig später auf der kurzen Landebahn den Touchdown hinzulegen. Spektakuläre Ankunft in einem spektakulären Land, nach viereinhalb Stunden Flug ab Bangkok inklusive Zwischenlandung im indischen Gawuhati.

Neben dem Rollfeld begrüßten uns der junge König Jigme Khesar Namgyel Wangchuck mit seiner noch jüngeren Gemahlin Jetsun Pema. Ihre Märchenhochzeit entzückte die Untertanen und fand ihr Publikum auch auf YouTube. Bei der Passkontrolle sehen wir, dass Tradition und Lebensfreude hier gut harmonieren. Von oben grüßen die bisherigen fünf Könige, darunter unser alter Spezi Johnnie Walker.

Die Majestäten gehen mit der Zeit, der King und seine wunderschöne Queen posten auf Facebook. Ihr Land hingegen war immer spät dran. Die erste Straße wurde Mitte der sechziger Jahre gebaut. 1974 öffnete sich Bhutan dem Tourismus. Schon zwei Jahre zuvor war ein Deutscher im Königreich unterwegs. Offiziösen Quellen zufolge trat er beim Fotografieren der besseren Perspektive wegen einen Schritt zurück und noch einen, stürzte in den Abgrund und starb.

Reisen im Land des Donnerdrachen

Abgründe tun sich viele auf am Straßenrand (Linksverkehr), die Straßen sind okay, doch die Topografie am Himalaya erzwingt statt der Geraden die Serpentine, und so benötigt man für 60 Kilometer schon mal vier Stunden. Wenn Sangay, unser Führer, alle zwei Jahre zur verehrten Großmutter (92) ins Heimatdorf im Nordosten Bhutans fährt, benötigt er zweieinhalb Tage mit dem Bus und noch einmal fünf Stunden zu Fuß.

Es geht das Gerücht, Bhutan limitiere die Zahl der Reisenden bewusst. Doch die Methode, sich vor allem die Rucksacktouristen vom Hals zu halten, erscheint ein wenig subtiler: Jeder Reisende muss ein Paket buchen und für jeden Tag in diesem schönen Land 250 US-Dollar hinblättern. Langzeiturlauber trifft man daher eher selten. Selektion über den Preis: Wie in einer Nobeldisco – der Eintritt ist frei und offiziell jeder Gast erwünscht, doch das Glas Bier kostet 50 Euro.

All inclusive

In den 250 Dollar sind enthalten: Guide (es gibt auch deutschsprachige Führer), Fahrer, Transport, Hotels, Tickets zu Sehenswürdigkeiten, Vollpension. Und eine Flasche Wasser; den Humor der Bhutaner sollte man nicht unterschätzen. Mit Führer Sangay (27 Jahre, frisch gebackener Vater) und Fahrer Sonam erwischten wir zwei ausgesprochene Frohnaturen, beide leidenschaftlich bemüht und jede Chance nutzend, ihr Land und sich selbst mit einem Augenzwinkern zu präsentieren – wenn wir nicht gerade in Klostern und Dzongs (Klosterburgen) dem Tantra-Buddhismus auf der Spur waren, dessen Werte und Lehren das Leben in Bhutan definieren.

Die Speisen im Reich des Donnerdrachen sind alles andere als exotisch, ausgenommen vielleicht der Pangasius in Käsesauce. Gesund ist Trumpf, Gemüse war unser Fleisch, Saucen blieben die Ausnahme. Erst am letzten Abend stellten wir fest, dass die Küche Bhutans weitaus mehr Varianten bietet als zuvor von uns konsumiert. Wir hätten, so Sangay, auch jederzeit eigene Wünsche anmelden können. Doch welche, wenn man die Optionen der lokalen Speisekarte nicht kennt?

Drei Sterne sind normal, nicht für die Restaurants, aber für die verfügbaren Hotels. Der Standard ist meist ansprechend; Optimierungen sind geplant. Offenbar bietet Bhutan den Besuchern für das hohe Antrittsgeld den erhofften Kick, das besondere Erlebnis: 2008 kamen 27 500 Besucher, 2011 bereits 46 000, und 2012 sollen es gut 55 000 werden. Immer noch eine Marginalie angesichts der zig Millionen, die jährlich in Thailand einfallen. Aber exakt diesen Massentourismus will das Königreich Bhutan auf keinen Fall. Er wäre ein Segen für das Bruttosozialprodukt, doch schädlich für das Bruttonationalglück.

Hotel in der Hauptstadt Timphu: Phuntscho Pelri

Hotel in Punakha: Meri Puensum Resort

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