Gelassen und stolz

Drei Viertel der Bevölkerung Bhutans gehören zum tibetischen Völkerkreis. Im westlichen Hochland, der von uns besuchten Region, leben die Ngalongs, die im Mittelalter aus Tibet einwanderten. Auch die Königsfamilie entstammt dieser Schicht. Die Lebenserwartung der Bhutaner beträgt 68 Jahre. Ein für Asien ungewöhnlicher Wert und Indiz für hohe Lebensqualität trotz materiell bescheidenen Standards.

Reisenden begegnen die Bhutaner mit der Gelassenheit derer, die stolz sind auf ihre Heimat. Und tief verankert in einer Spiritualität, die innere Ruhe schenkt und Orientierung. Von ihren Gästen erwarten sie die selbstverständliche Achtung ihrer Werte und Riten.

Für uns war alles neu. Reiseführer und Reportagen können helfen, auf ein unbekanntes Land vorzubereiten – im Fall Bhutan gelingt das schwerlich. Umso wichtiger wird das eigene, sinnliche Erleben.

Respekt und lebendiges Interesse führt schnell zum intensiven Austausch zwischen Gästen und Einheimischen. Sangay und Sonam brachten uns ihre Heimat so kenntnisreich nahe, so selbstbewusst und verschmitzt, dass wir schon nach wenigen Metern Fahrt wussten: Hier werden wir uns wohl fühlen, die Woche wird informativ, unterhaltsam und heiter. Genauso war es dann auch.

Kühe tragen ihre Haut zu Markte

Wie überall in Asien, so ist auch in Bhutan jeder Markt Kraft- und Kommunikationszentrum. Die Tische und die Decken am Boden scheinen so reich gedeckt wie in den Nachbarländern, das Szenario jedoch wirkt ruhiger, sauberer, strukturierter. Selbst die Kühe tragen ihre Haut freiwillig zu Markte – selbstbewusst mischen sie sich unter die Konsumenten.

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