Die Resteverwertung des Schöpfers

Zahlreiche Mythen und Legenden sind fest im kollektiven Bewusstsein der Bevölkerung verankert, und ihren Schutz nehmen die Bhutaner ernst. Das Film- und Fotografierverbot in den Tempeln basiert nicht auf religiösen Gründen – die Menschen sind fest davon überzeugt, dass tausendfache Ausbeutung durch Abbildung den Figuren, Skulpturen und Wandmalereien Kraft raubt und Magie.

In der buddhistischen Tradition ist das Mandala – wörtlich übersetzt „Kreis“ oder „Punkt“ – ein zentrales Meditationselement. Mandalas bilden den Palast einer Gottheit ab, vor allem das Universum. Die Zeichnung eines Mandalas erfolgt nach bestimmten Regeln, jedes Detail hat eine symbolische Bedeutung.

Timphus Minizoo verdankt seine Existenz einem einzigen Tier, dem Nationaltier allerdings. Kopf eines Gottes, Körper einer Kuh: Der Takin. Je nach Laune der Biologen Gnuziege genannt oder Rindergämse oder Ziegenantilope. Wie soll das Tier da eine stabile Identität entwickeln? Für den Schriftsteller Tex Rabinowitz war der Takin Liebe auf den ersten Blick: „Unter ästhetischen Gesichtspunkten sieht dieses Tier neben keinem attraktiv aus, außer vielleicht neben Warzenschwein oder Pillhuhn. Um es auf den Punkt zu bringen: Eine Resteverwertung des Schöpfers.“

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