Borneos Natur: Bedroht

Unser Flug (ca. 350 km) von Kota Kinabalu ins kleine Sandakan im Nordosten Sabahs war ein Flug in Borneos bedrohte Natur. Wenn`s regnet, wird`s glitschig: Auf der anschließenden zweieinhalbstündigen Fahrt mit dem Van sahen wir ein Auto im Graben, mit einem Salto hatte es sich gerade von der schlüpfrigen Straße verabschiedet. Ein Bild, das unseren Fahrer und Führer Jeffrey nicht weiter beeindruckte; er neigt von Haus aus zu bedächtiger Fahrt.

Die 15-minütige Bootsfahrt von Sukau am Ufer des Kinabatangan zur Lodge stimmte uns auf das Borneo ein, das wir seit unserer Jugend im Kopf hatten: Eine Insel im Indonesischen Archipel, die berühmt war für undurchdringlichen Dschungel und eine geradezu tierische Artenvielfalt.

Auch für die Kopfjäger vom Stamm der Dayaks war Borneo berühmt und berüchtigt. Gefährlicher für das touristische Geschäft aber sind heute die Profitjäger und ihre riesigen Palmöl-Plantagen, mit denen sie den Tieren Borneos, den Orang-Utans, Elefanten, Nashörnern, Vögeln, Fröschen den Lebensraum rauben. Malaysia ist inzwischen größter Palmöl-Exporteur der Welt. Und wenn du nun auf diesen Staat schimpfen willst oder auf die Produzenten, denk an deine eigene Rolle in diesem Milliarden-Business. Denn Palmöl ist in unserem Haushalt und unserer Nahrung fast allgegenwärtig: in Nutella, Snickers, der Knorr-Tomatensuppe, in Ariel-Waschmitteln, Milka-Schokolade etc.

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Hang on, Disco, hang on (Foto: B. Linnhoff/Faszination Fernost)

Wir kennen sie als Nasenaffen, Proboscis Monkeys werden sie im Englischen genannt. Es gibt sie nur auf Borneo.  Auch unsere Lodge trug den Namen dieser Tiere, die aussehen, als seien sie Gérard Depardieu aus dem Rucksack gesprungen.

Wir wohnten also in der Proboscis-Lodge am Ufer des Kinabatangan, abgeschieden, ungewohnt ruhig, mit viel Zeit und kaum äußerer Ablenkung. Disco fürchtete zunächst, dass uns die Zeit zwischen den Flusstouren lang werden könnte, ehe er sich in die Hängematte legte und zu den Mahlzeiten geweckt werden musste.

Zweimal am Tag fuhren wir nun über den Fluss und in seine Seitenarme, am frühen Morgen und am späten Nachmittag. Der Dschungel ist kein Zoo, die Tiere erscheinen nicht auf Bestellung. Doch wir machten reichlich Beute. Mit den Augen.

Und seit diesen Tagen auf Borneo wissen wir auch, wie es aussieht, wenn Nasenaffen angeben.

Fotos: Faszination Fernost/B. Linnhoff+Uwe Wojatzek

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So sieht es aus, sagen die Ranger, wenn der Nasenaffe angibt (Foto: B. Linnhoff/Faszination Fernost)