Dritter Tag der selbstverordneten Quarantäne

Seit dem 19. März führe ich Tagebuch unter dem Eindruck des Coronavirus und seiner Folgen in Thailand, Deutschland und der Welt. Es sind meine persönlichen, völlig subjektiven Gedanken zu einem Thema, das in diesen Wochen jeden beschäftigt.

Sie trotzen dem Virus

Mein Bruder ist in meiner Heimatstadt Hamm seit Urzeiten Abonnent des „Westfälischen Anzeiger“. Nun fiel ihm auf, dass die Zeitung nach wie vor täglich und kommentarlos Gruppenbilder veröffentlicht, wie sie zu allen Zeiten wichtig für die Leser-Blatt-Bindung einer Lokalzeitung waren.

Nun belegen sie, dass sich auch in dieser Zeit immer noch Gruppen zum Miteinander treffen. In der Bildunterschrift zum Titelbild meines Tagebucheintrags heißt es zu Anfang:

„20 Jahre hat es gedauert, bis sich der Entlassjahrgang 1974 der Albert-Schweitzer-Schule wieder traf. … Der Einladung in die Gaststätte Tingelhoff waren 16 der Ehemaligen gefolgt. Sie trotzten dem Coronavirus.“

Sind das die Helden des Alltags?

Leben in zwei Ländern

Das Beispiel zeigt, dass ich kommunikativ in zwei Ländern lebe. Dank der digitalisierten Kommunikation bleibe ich auch in Fernost in Echtzeit bei allen „deutschen“ Themen auf Ballhöhe. Parallel informiere ich mich über das Geschehen in Thailand, das deutlich mehr Einfluss auf meinen Alltag hat.

Koh Phangan 1994 (Foto Faszination Fenost/B. Linnhoff)

1994, bei meiner ersten Reise nach Thailand, war das noch ganz anders. In den vier Wochen auf Koh Samui, Koh Phangan und Koh Tao habe ich zweimal bei meiner Familie angerufen, nach der Ankunft („Bin gut angekommen“) und nach zwei Wochen („Geht mir gut“) – die Minute Oversea Call kostete in den Shops etwa 4,50 Mark. Für den Rest meines Aufentaltes galt: Die Welt kann draußenbleiben. Und das tat sie dann auch.

Heute surfe ich – hauptsächlich wegen Corona natürlich – den ganzen Tag in deutschen und Thaimedien, meist mit einer Prise „Guardian“ und „New York Times“. Abends vor dem Schlafen lese ich derzeit das Buch „Das Gewicht der Worte“ von Pascal Mercier, das in London und Triest spielt. Bei Büchern neige ich dazu, mich sehr in jede Geschichte zu vertiefen. So spaziere ich mit dem Autor im Moment durch London und Triest. Wenn ich dann morgens wach werde, weiß ich manchmal nicht, wo ich bin. Bis ich mich sortiert habe.

Einige Schlagzeilen heute

Thailand meldet 89 neue Fälle (Tagesrekord), nun 411 insgesamt – der/das Virus nimmt nun auch hier Fahrt auf, über die Dunkelziffer kann man nur spekulieren.   

Bangkoks Einkaufszentren schließen ab dem morgigen Sonntag

Malaysia nähert sich der Zahl von 1200 Fällen

Heute in Chiang Mai

In Chiang Mai beklagen sich inzwischen einige Thais über das Verhalten junger Touristen aus dem westlichen Ausland. In einem Restaurant wurde das Personal von den Gästen nicht nur ausgelacht, weil es Abstand halten wollte – die Männer zogen die Kellnerinnen an den Händen und husteten in ihre Richtung, ohne Maske natürlich.

Das alles fällt auf die hier lebenden Farangs (weiße Ausländer) zurück, da wird kein Unterschied gemacht. Zwei Millionen Thailänder könnten allein im Tourismussektor schon bald ohne Arbeit und Lohn sein. Farangs sind nicht bei allen Thais willkommen, das beschissene Verhalten einiger Touristen bestätigt sie nur.  

Chiang Mai Zentrum heute (Foto B. Linnhoff)

Wir wohnen im Zentrum Chiang Mais und sehen: Die Zahl der Fußgänger tendiert gegen Null, der Straßenverkehr bewegt sich nach wie vor auf fast normalem Niveau.

HOFFNUNG?

In den Drogerien fragen die Menschen verstärkt nach dem Medikament „Avigan“, über das im Thai-TV berichtet wurde, weil es im Kampf gegen Covid-19 wirksam sein soll. Thailands Regierung soll es in noch überschaubaren Mengen eingekauft haben, wie der informative, aber leider miserabel übersetzte Bericht im „Wochenblitz“ schildert:

In der Nikkei Asian Review klingt es zum selben Thema reservierter:

TOKYO — An antiviral drug developed in Japan has suddenly drawn global attention after Chinese medical authorities suggested it was effective in treating the new coronavirus.
 
Behind Avigan’s rise is a 30-year struggle marked by twists and turns. That history may be both a blessing and a curse for its producer, Toyama Chemical, as it joins the race for a cure to end the pandemic.
 
While the drug has undergone extensive research and testing, it remains unclear if it reduces the virus when given to humans.