„Vergiss den Planeten, rette deinen Garten“

Colin Cotterill, Schriftsteller

Zurück zur Natur: Das ist nirgends einfacher als im Norden Thailands. Im Winter blühen dort die Pflanzen, die auf gemäßigte Temperaturen angewiesen sind. Deshalb feiert der Königliche Park Rajapruek nahe Chiang Mai sein alljährliches Flora Festival im Dezember und Januar. Auf 800 000 Quadratmetern präsentieren dreißig Länder ihre landestypischen Blumensorten. Doch der Besuch lohnt sich übers ganze Jahr hinweg – stets sind Blumen und Pflanzen aus 21 Ländern zu sehen.

Angesichts der Größe des Geländes entern die meisten Besucher am Eingang einen der zahlreichen Shuttlebusse, die – nach allen Seiten offen – ihre Passagiere in erstaunlicher Frequenz von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit kutschieren. Jede(r) kann jederzeit aus- und wieder zusteigen und so ohne jeden Zeitdruck seine ganz persönlichen Schwerpunkte setzen. 

Dreihundert Arten im Orchideen-Pavillion

Reine Orchideen und hybride Mischformen sehen wir, nur Nicolas Sarkozy könnte sie unterscheiden. Mehr noch: Frankreichs Ex-Präsident soll sogar „sämtliche lateinische Namen für Blumen kennen“, wie seine Frau Carla Bruni dem BBC World Service in einem Interview verriet. Schade, dass wir ihren Gatten angesichts des überbordenden Angebots im Rajapruek-Park nicht testen können.

Fotos: Faszination Fernost/B. Linnhoff

Oft stehen wir vor Schildern, die uns in ihrem Mix aus Englisch und toten Sprachen eher verwirren als informieren (Foto Faszination Fernost/B. Linnhoff)

 

Der „Snapdragon“ heißt auf Deutsch nicht etwa Schnappdrachen, sondern Löwenmäulchen und wird den Wegerichgewächsen zugeordnet. Wem auch sonst? (Foto Faszination Fernost/B. Linnhoff)

Es ist die Mischung aus oft spektakulärer Botanik, thailändischer Architektur und buddhistischen Einsprengseln, die die Besucher in den Royal Park zieht. Und in manchen Momenten daran erinnert, dass es sich vielleicht doch lohnen könnte, die Natur unseres Planeten zu würdigen und zu schützen.

 

König Bhumibol – allgegenwärtig

Foto Faszination Fernost/B. Linnhoff

Der verehrte König Bhumibol (gesprochen: Phumipon) Adulyadej hat in der Provinz Chiang Mai über Jahrzehnte Spuren hinterlassen. Dort und im übrigen Nordthailand initiierte er einen großen Teil seiner mehr als tausend „königlichen Projekte“, von der Einführung neuer Nutzpflanzen über Wasserhaltung und Bewässerung, von der Trockenlegung von Sümpfen bis zur Erhaltung der letzten Regenwälder des Landes. Alle Vorhaben legte er auf Nachhaltigkeit an, viele seiner Methoden werden noch heute angewandt und funktionieren.

 

In Teilen ist der Rajapruek-Park nicht nur permanente Ausstellung, sondern auch Lern- und Forschungszentrum. Großformatige Fotos und eine komplette Galerie erinnern an den 2016 verstorbenen Regenten, auf einigen ist auch sein Sohn zu sehen, der aktuelle König Rama X.

Hochzeitsfotos im Park

Foto: Wedding Studio PopLove

Ebenfalls im Oktober 2016 wanderten wir, meine damals noch künftige Frau Toey und ich, im Park von Motiv zu Motiv – das Wedding Studio „PopLove“ produzierte unsere Hochzeitsfotos. Die werden in Asien deutlich vor der Trauung geschossen, damit sie beim Ereignis schon allen Gästen ins trübe Auge springen können. An die „Session“ im Park erinnern wir uns vor allem wegen der Hitze und wegen unserer Ausgelassenheit. Wir sind beide sonst selten mit fotografischen Resultaten zufrieden; meist fühlen wir uns nicht gut genug getroffen. „Doch, doch“, sagen unsere Freunde dann, „so seht ihr aus.“

 

Der Große Pavillon überragt alles

Der erste und der letzte Blick der Park-Besucher gelten dem Großen Pavillon. Er überragt alle anderen Attraktionen und ist innen wie außen das perfekte Abbild eines buddhistischen Tempels, erbaut in der traditionellen Lanna-Architektur Nordthailands. 

Foto: Pattarapong Chatpattarasill/Bangkok Post

Eintritt: 100 Baht (für Thais), 200 Baht (für Ausländer); für Kinder 70 Baht (Thais) und 150 Baht (Ausländer). Geöffnet täglich von 8 bis 18 Uhr.

The Royal Park Rajapruek

Moo 3, Mae Hia, Chiang Mai (etwa 10 km vom Zentrum entfernt)

Die offizielle Homepage wird in drei Sprachen angeboten: Thai, Englisch, Chinesisch.

Fotos: Faszination Fernost/B. Linnhoff (28), PopLove Wedding Studio Chiang Mai (5), Pattarapong Chatpattarasill/Bangkok Post (1)