Tag 5 der selbstverordneten Quarantäne

Seit dem 19. März führe ich Tagebuch unter dem Eindruck des Coronavirus und seiner Folgen in Thailand, Deutschland und der Welt. Es sind meine persönlichen, völlig subjektiven Gedanken zu einem Thema, das in diesen Wochen jeden beschäftigt.

Neue Fälle in Thailand: 122 – Gesamt: 721

Vorboten der Wirtschaftskrise? In meinem Spam-Ordner häufen sich die Angebote für günstige Kredite, ein Anbieter stellte Beratung im Fall des Bankrotts in Aussicht – für US-Amerikaner.

Eine neue Stufe der Virus-Verbreitung

Thailand hat bei der Verbreitung des Coronavirus eine neue Stufe gezündet. Das Virus fährt nun Bus. Die Nachricht macht mir Angst.

Laut Pol Gen Aswin Khwanmuang, Gouverneur der Stadt Bangkok, war der Verkehr raus aus Bangkok am Wochenende zehn Mal stärker als üblich. 90 Prozent der abreisenden Menschen, so der Gouverneur, seien Wanderarbeiter aus den Nachbarländern gewesen, weil die   die Schließung ihrer Grenzübergänge angekündigt hätten.

Wie hoch der Anteil der Migranten wirklich war, bleibt für mich offen. Jedenfalls haben am Wochenende etwa 80000 Menschen gestern Bangkok vom Mor Chit Bus Terminal im Chatuchak-Bezirk verlassen. Mit der Schließung der meisten Geschäfte haben sie Job und Einkommen verloren. Viele ArbeiterInnen fallen in die Kategorie „informal workers“, die ohne verlässliche Verträge auf monatlicher Basis angeheuert werden. Damit entfällt die Chance, Lohnfortzahlung oder Kompensation fordern zu können.   

Foto: Bangkok Post

Nun reist das Virus auf vier Rädern in die Nachbarländer und in alle Regionen Thailands. Der Aufforderung „Abstand halten“ ist beim Warten, Einsteigen oder Sitzen schwer Folge zu leisten. Man darf davon ausgehen, dass kaum einer der Passagiere getestet wurde.

Bei ihren Familien, in ihren Heimatprovinzen fühlen sich die Joblosen verständlicherweise besser aufgehoben als in der teuren Hauptstadt. Das Leben auf dem Land ist nicht nur preiswerter, sondern auch entspannter. Und Mitte April steht Songkran an, das thailändische Neujahrsfest. Ein Anlass, der traditionell nicht nur zur beliebten Wasserschlacht genutzt wird, sondern auch zur Familienzusammenführung – Erwachsene, die in Bangkok arbeiten, sehen ihre Kinder wieder, Kinder ihre Eltern.

Wir groß ist da die Hoffnung, dass die Menschen auf Distanz gehen?

Getting the message right

Thailands Regierung ist nicht die einzige, der vorgeworfen wird, viel zu spät und unentschlossen auf die potenziellen Gefahren des Virus reagiert zu haben. Vor allem aber ließ sie die klare und transparente Information der Öffentlichkeit vermissen. In ihrer Kommunikation haben Regierung und Stadtverwaltung Bangkok mit oft vagen, teils einander sogar widersprechenden Aus- und Ansagen für Unruhe in der Bevölkerung gesorgt – „Flip-Flop-Kommunikation“ wird das hier genannt. Und da nichts darauf hindeutet, dass sich die Art der Kommunikation künftig ändert und da für die meisten Beobachter weder Plan noch Strategie zu erkennen sind, befürchte ich mit steigenden Fallzahlen (nicht zu verhindern) auch eine weiter wachsende Beunruhigung der Menschen in Thailand.  

Der Alltag in Chiang Mai,…

…wird, soweit wir das von unserem kleinen Balkon aus beurteilen können, immer stiller. Das fällt in einem lauten Land wie Thailand besonders auf. Die Einheimischen reagieren mit zunehmendem Unverständnis auf die verbliebenen Touristen, die ohne Maske herumlaufen und daher als Risikogrupe angesehen werden. Dabei ist es völlig unerheblich, ob die Maske vor einer Ansteckung schützt oder nicht. Die Thais zeigen mit dem Tragen der Maske, dass sie die Bedrohung ernst nehmen – ein Verzicht auf den Schutz gilt als Beleg für Sorglosigkeit gegenüber den Mitmenschen.

Ein paar News von heute

Mein Freund Stefan Wagner hat einen Beitrag ins Netz gestellt, der stringente Maßnahmen im Umgang der Menschen wissenschaftlich zu untermauern versucht:

„Nachdem ich das gelesen habe, bin ich von der sozialen  Isolation überzeugt.“

Thailands Gesundheitsminister hat einem TV-Kanal aus Singapur ein Interview gewährt, bei dessen Inhalt jeder Kommentar überflüssig ist. Die Journalistin, die ihn interviewte, stellte ihm nachhakend die Fragen, die in Thailand niemand so direkt zu stellen wagt.

Wer in der Öffentlichkeit raucht, muss mit 5000 Euro Strafe rechnen – das Verhalten soll eine größere Ansteckungsefahr mit dem Virus beinhalten.  

Offensichtlich hat ein Italien-Rückkehrer einige Thais angesteckt. Nun behauptet ein erfahrener Arzt, dass die italieinische Variante des Virus achtmal gefährlicher sei als die thailändische.

Zu guter Letzt: Aus China verlautet, dass die Chinesen ab April wieder verreisen wollen. Die Frage ist, wohin?