Ein marodes Zollhaus wird Luxushotel

 

Foto Faszination Fernost/B. Linnhoff

 

Wenn Abrissbirne und Schaufelbagger Profit versprechen, werden historische Schätzchen in Thailands Hauptstadt humorlos plattgewalzt. Die Zeugen des alten Bangkok haben einen schweren Stand. Nichts gegen Profit – es sei denn, er ist das einzige Argument und tauscht kulturelle Preziosen gegen ein weiteres gesichtsloses Hotel, ein noch höheres Condominium, ein noch tolleres Einkaufszentrum. 

Altes gilt vielen Asiaten als überholt und rückständig. Nach den Vorstellungen von Premierminister Prayut soll Bangkok werden wie Singapur, so sauber, so modern. Weiß er, dass Singapur viel Mühe, Kosten und Gespür für Geschichte investiert, um die erhaltenswerten Zeugen der Vergangenheit zu konservieren?

Lichtblicke gibt es auch in Bangkok. Es regiert nicht nur der stumpfe Geschäftssinn. „The Old Custom House“, das alte Zollamt, steht seit 130 Jahren am Ostufer des Flusses Chao Praya, ein paar Schritte entfernt vom berühmten Hotel Mandarin Oriental.

Gebaut wurde die Zollstation in der Ära des Königs Rama V. Er regierte von 1868 bis zu seinem Tod 1910 und wird als König Chulalongkorn von der Bevölkerung noch heute sehr verehrt. Sein Bild hängt in vielen Wohnungen und Läden. In seiner Ägide öffnete sich Siam der Moderne, dem Westen und damit auch der westlichen Architektur. Das Zollhaus, erbaut im Palladianischen Stil, geht zurück auf den Venedig-stämmigen Architekten Andrea Palladio.

Schon 1954 wechselte die Zollbehörde in ein neues Hauptquartier im Stadtteil Klong Toey. Das alte Gebäude beherbergte erst die Marinepolizei und danach die Feuerwehr des Stadtteils Bang Rak, ehe es immer mehr verfiel. Thailands Finanzministerium, Eigentümer der Immobilie, schloss einen Vertrag mit dem Investor U City. Der will den alten Bau renovieren und in ein Luxushotel umwandeln. Zuvor jedoch soll das Fine Arts Department alle Details über Baumaterialien, Architektur und Design des Ursprungsgebäudes zusammentragen. Dann kann es in alter Pracht und Frische auferstehen – als geschichtsträchtige Hülle und Bühne für ein luxuriöses Hotel. Die Beteiligten lassen sich Zeit – das Hotel soll 2025 eröffnet werden.

Ein Mix aus historischer Architektur und neuem Verwendungszweck – ist das die Zukunft für die kränkelnden Zeugen der Vergangenheit? Es gibt genügend Thais, Expats und Touristen, denen das Bangkok von einst am Herzen liegt. Zumindest optisch.

Im Schatten der Moderne: Die alte Zollstation verfällt (Foto Faszination Fernost/B. Linnhoff)