This is Thailand: Die Kinder Asiens

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Die Thailänder gelten als die Kinder Asiens. Diese Einschätzung ist nicht neu und nicht von mir.

Laut Instagram-Studie gebührt Bangkok der Titel der Welthauptstadt der Selfies, auf denen ein Lächeln zu sehen ist. Nach einer brandaktuellen Umfrage von AIA Group schlafen Thailänder von allen Südostasiaten am wenigsten und verbringen die meiste Zeit im Internet. Die Lebensversicherungsgruppe stellte auch ungesunde Essgewohnheiten bei den Thais fest, wie Essen unter Ablenkung (90%).

Jung und Alt in Thailand beherrschen die komplexe Technologie modernster Smartphones, als seien sie in den Gehäusen aufgewachsen. Ich hingegen bin ein Kind der Nachkriegszeit und für immer ein digital baby.

Mit den heutigen Handys kann man vieles anstellen. Fotos schießen, Videos drehen, auf Facebook posten, Musik hören, Videos anschauen, sogar telefonieren. Und Bomben zünden.

Thailand setzt auf Tourismus

Koh Samet

Die Bomben am thailändischen Muttertag (12. August) an mehreren Orten im Süden Thailands wurden per Handy gezündet. Es gab vier Tote und zahlreiche Verletzte, darunter ausländische Besucher.

Der Tourismus ist in Thailand eine der wenigen florierenden Branchen und produziert deutlich mehr als zehn Prozent des Bruttosozialprodukts. Daher versetzt die Aussicht, den Ruf als sichere Urlaubsdestination und damit Gäste zu verlieren, manche Politiker in einen Zustand nahe der Panik.

Es ist – nicht nur in Thailand – offenbar schwer bis unmöglich, in solchen Momenten die Ruhe zu bewahren und auf Spekulationen zu verzichten. Thai-Premier Prayuth bat heute die Medienvertreter, ihn nicht weiterhin mit Fragen zu den Anschlägen zu löchern. Er fühle sich dann zu sehr unter Druck, sei aber doch auf die Ermittlungen anderer angewiesen.

Ad hoc: Pokémon Go im Einsatz

Was Thailand in einem solchen Moment von anderen Ländern unterscheidet, ist die unbezwingbare Lust, unter Druck aus der Hüfte zu schießen und ad-hoc-Maßnahmen zu verkünden. Damit sind wir bei Tourismus- und Sportministerin Kobkarn Wattanavrangkul.

Als sie von der Militärregierung ins Amt berufen wurde, war sie CEO von Toshiba Thailand. Eine erfahrene Unternehmerin, ihr eilte der Ruf der Unbestechlichkeit voraus, eine ungewöhnliche Frau. Sie studierte Kunst und hat einen Abschluss der Rhode Island School of Design (USA) in Architektur.

Auch als Ministerin für Tourismus pflegt Khun Kobkarn einen kreativen Hang zum Unkonventionellen. Damit meine ich nicht ihr Vorhaben, das Sex-Gewerbe in Thailand ausrotten zu wollen.

Frau Kobkarns aktuelle Sofortmaßnahmen sehen unter anderem vor: Zwei zusätzliche freie Tage im September, die zu einem langen Wochenende genutzt werden können, was in Thailand immer gut ankommt (Update 19. 8.: Die zwei zusätzlichen freien Tage wurden von der Regierung abgelehnt; ein Spiel-, Tanz- und Essfestival in Hua Hin sowie ein einwöchiges Straßenfest in Bangkok im Oktober. Und die intensive Nutzung von Pokémon Go. Habe ich richtig…? Ja.

Die intensive Nutzung von Pokémon Go.

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Foto: Asianews

Dieses Spiel hat in Thailand genauso eingeschlagen wie überall sonst. Auch in meinem Wohnort Chiang Mai schreiten die Menschen auf der Jagd nach den kleinen Biestern in Bündeln durch die Stadt, in ihrer hoch dosierten Konzentration an die Monty-Python-Philosophen des Fußball-Länderspiels Deutschland – Griechenland erinnernd.

Wie soll Pokémon Go nun konkret zum Einsatz kommen? Ich zitiere aus „Der Farang“: „Die Ministerin will den thailändischen Rechteinhaber True Corporation bitten, die Spieler zu populären und sicheren touristischen Zielen im Land zu führen. Dort sollen Thais dann, aber auch Ausländer, auf Monsterjagd gehen. So will Kobkarn das Vertrauen von Urlaubern in das Reiseziel Thailand wieder herstellen.“

Würden Thailands Politiker Europäer fragen (was ausgeschlossen werden kann), welche Maßnahmen das Vertrauen stärken würden, so erhielten sie zur Antwort: „Fangt die Bombenleger und klärt ihre Motive.“ So jedenfalls sieht es ein Kommentator in der Bangkok Post.

Weitere Tourismusmeldungen von heute, die erste passt irgendwie zum Thema:

„Thailand Tip“: „Der Kommandant der Provinzpolizei Phuket, Herr Teeraphol Thipjaroen, warnt alle Pokémon Go Spieler vor dem Spielen in der Öffentlichkeit. Bei Verstößen gegen die Gesetze würden die Beamten auch vor Verhaftungen der Spieler nicht zurückschrecken.“

Ein Wettbewerb der Thailändischen Tourismusbehörde (TAT) für Amateurfotografen wurde abgebrochen. Laut Ausschreibung mussten die Fotos zwischen dem 1. Juni und Ende Juli 2016 in den Provinzen Nan und Phrae aufgenommen werden. Unter den ausgewählten Top 30 Finalisten aber befanden sich, so stellte sich heraus, auch drei Aufnahmen von 2013. Sie stammten von der Website der Tourismusbehörde.

Titelillustration: Citylife Chiang Mai