Phom Penh: Der Parcours des Schreckens

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Die einzelnen Stationen des Parcours liegen vor uns in fast vollkommener Stille. Wäre da nicht die Musik, die aus einem Lautsprecher kommt, aufgehängt am Ast eines Baumes. Es ist, so sagt uns ein Schild, der „Magic Tree“. Die Musik, die wir hören, wurde immer dann gespielt, wenn die Schreie der Sterbenden übertönt werden sollten. Per Lastwagen alle drei Wochen angeliefert, exekutierten die Roten Khmer hier etwa 17 000 Landsleute. In Choeung Ek, einem Obstgarten.

Mit Eisenstangen, Äxten, Hämmern, Spaten: Munition fürs barmherzige Erschießen war zu teuer.

Die Roten Khmer, die die Befehle der Ideologen um Pol Pot umsetzten, waren im Schnitt 15 Jahre alt.

Mehr als 300 „Killing Fields“ gab es in der Ägide der Roten Khmer (1975 – 1979) im ganzen Land. Choeung Ek ist der bekannteste dieser Todesflecken, ca. 17 km südwestlich der Hauptstadt Phnom Penh. Aus der Hauptstadt, aus dem Foltergefängnis Tuol Sleng, auch S 21 genannt, kamen die meisten Opfer.

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Und sehen Sie hier die Schädel von erwachsenen kambodschanischen Frauen, zwischen 40 und 60 Jahre alt: Hinter den Acrylglaswänden der Stupa von Choeung Ek, errichtet 1988 zum Gedenken an die Opfer, schauen wir auf mehr als 8000 Totenschädel. Säuberlich getrennt nach Alter und Geschlecht. Wie die Nazis, so waren auch die Roten Khmer Buchhalter des Todes.

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Ich bin von Station zu Station gewandert, unbegleitet, dem eigenen, wild wuchernden Vorstellungsvermögen ausgeliefert. Der sachliche Ton der erklärenden Schilder, die Knochenreste, die Überbleibsel von Kleidungsstücken, der unspektakuläre Weg durch die Mulden und Hügel der Massengräber: Das alles lässt der Phantasie mehr Raum als erwünscht. Noch immer spült die Regenzeit alljährlich Knochenteile und Reste von Kleidungsstücken aus der Erde.

Ein Baum ist ein Baum ist ein Baum

Schön wär`s. „Killing Tree“ – das ist in Choeung Ek der Todesbaum, an dem die jungen Roten Khmer Kleinkinder  totschlugen. Wenn sie sie nicht spielerisch in die Luft warfen und aufs Bajonett spießten. In Anwesenheit der Mütter, falls möglich.

Die meisten Besucher in Choeung Ek buchen die sorgfältig konzipierte Audiotour. Überlebende erzählen, wie sie dem sicheren Tod entgingen. Und der einstige Wachmann und Henker von Choeung Ek, Him Huy, beschreibt sehr sachlich einige der ausgesuchten Techniken, mit denen er damals Unschuldige und wehrlose Frauen und Kinder umbrachte.

Das nahe Museum zeigt Bilder und Informationen zu einigen Menschen, die in Choeung Ek effizient wirkten. Aber auch zu Pol Pot und Genossen, den Führern der Roten Khmer. Fotos von der ersten und zweiten Ehefrau des Bruders Nummer Eins, Bilder der Tochter Pol Pots. Bilder und Gesichter, die das ganz normale Familienleben eines Anstifters zum Masenmord zeigen. Er habe seine Frauen und Kinder stets gut behandelt, heißt es.

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Im März 2014 heiratete Pol Pots Tochter Sar Patchata, 26, ihren Lebensgefährten Sy Vicheka. Der Ort der Trauung, das kleine Dorf Kbal Spean, war einst eine Hochburg der Roten Khmer. Luxusautos säumten die Landstraße, viele der alten Kader nutzten die Gelegenheit zum Kameradschaftstreffen, zur Erinnerung an die alten Zeiten: Weißt Du noch?

Der Weg von Phnom Penh zum Killing Field Choeung Ek: Auf dem Monireth Boulevard in südwestlicher Richtung heraus aus der Stadt, der weitere Weg zur Gedenkstätte ist gut ausgeschildert. Remorks, wie die Tuk-Tuks hier genannt werden, kosten inklusive Fahrer etwa zehn Dollar, wobei die Fahrer zunächst zwischen 15 und 20 Dollar verlangen. Der Eintrittspreis beträgt fünf Dollar (einschl. Audiotour), geöffnet ist Choeung Ek von 7.30 bis 17.30.

Teil 1: Das brutale Erbe der Roten Khmer

Buch_Kinder_der_Killing_Fields„Die Kinder der Killing Fields“: Dies ist der Titel eines bewegenden und kenntnisreichen Buches von Erich Follath, erschienen im März 2009 und zwischenzeitlich einmal aktualisiert. Der Spiegel-Autor schildert „Kambodschas Weg vom Terrorland zum Touristenparadies“.

The Killing Fields – Schreiendes Land (Originaltitel: The Killing Fields) ist ein mit drei Oscars ausgezeichneter britischer Spielfilm aus dem Jahr 1984. Er basiert auf der wahren Geschichte der Freundschaft eines Kambodschaners mit einem amerikanischen Journalisten während der Herrschaft der Roten Khmer in Kambodscha.