Aus der Puppenkiste in die App

Foto: Faszination Fernost/B. Linnhoff

 

Muminvater, Muminmutter, das Snorkmädchen, der Schnupferich, das Schnüfferl, Hemul, Bisam und Mumin natürlich. Die Muminfamilie – die Älteren werden sich erinnern. Zu schwarz-weißen Fernsehzeiten, lang, lang ist`s her, stapfte die drollige Truppe über mitteleuropäische Bildschirme. In kleiner Serie, immer sonntags. „Die Muminfamilie – Der geheimnisvolle Fund“ hieß eine Folge; „Sturm im Mumin-Tal“ eine andere.

Schauen wir noch einmal kurz zurück. Es war ein sehr heterogener Clan,  der damals die Wohnzimmer besetzte: Freidenker in Hippo-Gestalt enterten unser Wohnzimmer, Abenteurer, Bohemians, gute Taucher und Schwimmer auch. Beeindruckend selbst als Marionetten; die Fäden zog die Augsburger Puppenkiste.

Aber was um Buddhas willen treibt diese seltsame Familie heute, fast sechzig Jahre später, ausgerechnet in Bangkok? Von Augsburg in den ersten Stock des Shopping Centers Mega Bangna – ein weiter Weg. Vielleicht waren die Mumins ja zu Fuß unterwegs, und es hat deshalb so lange gedauert. Zumal sie zuvor noch in Hongkong Station machten, um dort ein Café zu eröffnen.

Foto: Faszination Fernost/B. Linnhoff

Auch in ihrer Filiale in Thailands Hauptstadt sitzen die Mumins ganz selbstverständlich mit ihren Gästen am Tisch. Die Speisekarte bietet Salate, Nudeln, Reisgerichte, Süßes, Desserts, zu recht happigen Preisen oft. Dank intensivem Merchandising ergießen sich viele Mitglieder der Mumin-Sippe in thailändische Familien und finden so eine neue, exotische Heimat.

Moomin Merchandising (Foto: Faszination Fernost/B. Linnhoff)

Die gutmütigen Trolle planten schon global, als es den Begriff Globalisierung noch gar nicht gab. Als Marionetten in Augsburgs Puppenkiste gaben sie nur eines ihrer vielen Gastpiele. Asien aber eroberten sie zuletzt. Bevor sie in Bangkok einfielen, eröffneten sie schon in Hongkong ein Cafè.

Die Hippos entstammen einer alteingesessenen finnischen Dynastie. Erdacht, geschrieben und gezeichnet von der Illustratorin und Schriftstellerin Tove Jansson zwischen 1945 und 1970. Die lustigen Geschichten der Mumins sollten die Menschen ablenken vom Krieg zwischen Finnland und der Sowjetunion. Keiner konnte ahnen, dass die Mumin-Bücher in 44 Sprachen übersetzt und so Finnlands erfolgreichstes Exportprodukt werden würden.

Moomin Cafe Bangkok

Foto: Faszination Fernost/B. Linnhoff

Ich schreibe diese kleine Geschichte während eines Finnair-Fluges von Bangkok via Helsinki nach Düsseldorf. Das Shopping-Magazin bietet eine Mumin-Geschenkbox an. Die Firma Finlayson hat gar eine ganze Seite gebucht und wirbt unter der Überschrift “Auf Reisen mit den Mumins” für den “magischen Mumin-Kulturbeutel” und für eine App mit digitalen Inhalten zum Thema.

Die Mumins bei Finnair (Foto: Faszination Fernost/B. Linnhoff)

Ganz schön clever, der Clan. Aus der Puppenkiste in die App. Damals Kult, heute Kultur im Beutel. So schafft man den Sprung vom analogen ins digitale Zeitalter. Die Mumins – einfach unkaputtbar.

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Auf Reisen mit den Mumins (Foto: Faszination Fernost/B. Linnhoff)

Wer die Mumins in Bangkok besuchen will, findet sie im Einkaufszentrum Mega Bangna