Alles nur heiße Luft?

Im Himmel über Bagan

Wie oft schon haben uns diese Fotos den Kopf verdreht gen Osten, nach Myanmar – die Schatten der Ballons auf den Tempeln von Bagan, im Licht der aufgehenden Sonne. „Da muss ich hin“, murmelte mein Bruder Walter stets. Und dann waren wir da.

350 US-Dollar pro Person kostet das Abenteuer „Balloons over Bagan“ inzwischen – ein ansehnlicher Betrag für eine Stunde heißer Luft. 16 Menschen passen in den Korb – plus Fahrer. Die Saison ist kurz: Nur von Ende Oktober bis Anfang April lässt Burmas Wetter Ballonfahrten zu. Einen gelungenen Sonnenaufgang aber kann niemand garantieren.

Um fünf Uhr morgens werden wir abgeholt, es ist frisch und der Drang zu gähnen größer als die Vorfreude. Mit jedem Schuss Helium in die zunächst recht schlapp darnieder liegenden Ballons wachsen Respekt und Anspannung.

 

Realität schlägt Vorstellungskraft

Mir fehlt die Gabe, die nächsten siebzig Minuten in ihrer Intensität und Vollkommenheit adäquat zu schildern. Die Erinnerung daran aber wird nie auch nur verblassen. Wir steigen langsam und stetig, der Korb lässt allen Platz für prächtige Sicht, 16 Menschen fotografieren, nehmen Videos auf, lassen die Kameras sinken, schweigen; einige kämpfen mit den Tränen, erfolglos meist.

 

In unserer Ära der Bilderschwemme fehlt selbst gelungenen Fotos meist die Dimension der Gefühle. Betrachten heißt nicht: Erleben. Erst recht, wenn die Realität jede Vorstellungskraft übertrifft. Nichts gegen Facebook, nichts gegen Instagram, Pinterest oder Youtube – aber das Leben findet erst einmal draußen statt.

Unsere Busse folgen den Ballos mit Mühe unten auf einer Sandpiste – denn wechselnde Winde treiben die Ballons auch mal in Regionen abseits der angepeilten Ziele. Mit diesen Bussen, die Sitze dünn gepolstert, die Federung hart, kurvten einst Englands Kolonialherren durchs Land; in den Zwanzigern des letzten Jahrhunderts, als ein gewisser George Orwell in dieser Region als Polizeioffizier diente, den Dienst quittierte und als Schriftsteller seine „Tage in Burma“ beschrieb – ein Buch, dessen deutsche Ausgabe ich neben dem Ananda-Tempel von Bagan entdeckte.

Einer unserer Ballons wird tatsächlich vom Winde verweht; auf uns hingegen warten nach sanfter Punktlandung fröhliche Souvenirhändler und ein Sektfrühstück. Gelobt sei der gute Wille, aber dafür wir sind noch nicht bereit. Auch heiße Luft kann satt machen, über den magischen Tempeln, im Himmel über Bagan.

 

Fotos: Faszination Fernost/Bernd und Walter Linnhoff, Balloons over Bagan (2)

Die dramatische Vorgeschichte:

Last minute: Blaues Auge in Yangon