Interview, Teil 3: Ein neues Konzept muss her

FF: Gilt für Reiseveranstalter – und auch Tierschützer – in vielen Fällen: „Gut gemeint ist nicht gut genug“?

Förster: So weit gehe ich nicht. Manchmal aber denken sie ein Thema nicht zu Ende. Die Veranstalter stellen sich hin und verlangen: ‚Wir wollen keine Kettenhaltung mehr für Elefanten!‘ Hallo?! Soll ich meine Viecher vielleicht in den Pausen frei herum laufen lassen? Peta fordert: ‚Keine Elefanten mehr im Zirkus.‘ Allein in Mitteleuropa gibt es 90 Zirkus-Elefanten – was wird aus denen? Ich nehme die Knarre nicht in die Hand!

Roger Förster und Natalie Pla, Elephant Special Tours, Chiang Mai, Thailand

Natalie Pla und Roger Förster von Elephant Special Tours

Buddha sagt: Der Weg der Mitte ist der Weg der Weisheit. Das trifft auf unsere Camps am ehesten zu. Radikale Forderungen, radikale Umsetzung schaden eher als zu helfen. Wenn ich den asiatischen Elefanten retten will, kann das nur in Kooperation mit Touristen klappen, die – so wie ich und alle unsere Mitarbeiter – von diesen Giganten fasziniert und darüber hinaus bereit sind, für ein elementares Erlebnis auch Geld ausgeben.“

FF: Was können Sie den Veranstaltern in Deutschland, der Schweiz, Australien etc. an alternativen Maßnahmen bieten?

Förster: „Gründet ein Gremium. Lasst Euch von Fachleuten Zusammenhänge erklären. Wir brauchen Standards und Zertifikate, sie sind sogar sehr wichtig. Aber sie müssen von unabhängigen Experten entwickelt werden. Auf diesen Feldern sehe auch ich mich in den nächsten fünf bis zehn Jahren, nachdem mein Sohn Roger nun die Führung der Camps übernommen hat. Ich habe mir in meinem Gebiet Anerkennung erarbeitet und eine natürliche fachliche Autorität. Wir haben das Unternehmen ‚Elephant Vision‘ gegründet, eine Denkfabrik, deren Claim lautet: The Vision is the Mission. Wir wollen Konzepte entwickeln für Elefanten und eine Zukunft mit ihnen.“

Elefanten-Botschafter Bodo Förster

Elefanten-Botschafter Bodo Förster

FF: Ist eine positive Entwicklung überhaupt denkbar?

Förster: Als ich mit meinem Konzept vor 15 Jahren angefangen habe, gab es wie üblich Mahner zuhauf: ‚Das geht so nicht!‘ Erstens saßen die Gäste den Elefanten im Nacken wie Mahouts; zweitens bewegten wir uns in der natürlichen Umgebung der Tiere; drittens begegnete der Mensch dem Tier Auge in Auge, auf Augenhöhe eben. Keiner hat an mich geglaubt. Wir können also Dinge verändern, nur: Gebt uns mehr Zeit!

Nach einer Studie von Richard Lair gab es 1981 11.000 Arbeitselefanten in Thailand, heute gibt es noch 3.500 – dazwischen liegt das Verbot von Holzeinschlag in Thailands Wäldern, das die meisten Tiere arbeitslos machte und in den Tourismus trieb. Aber der Tourismus konnte den wirtschaftlichen Kahlschlag nicht kompensieren. Jetzt haben wir wieder wirtschaftlichen Druck und dazu sozialen. Seit etwa 7000 Jahren läuft der Elefant auch in menschlicher Hand, und nun sollen wir in einer Dekade die Grundlagen ändern. Das geht nicht, auch wenn es Gründe gibt für diesen Wunsch.

Elephant Special Tours

Elephant Special Tours (Foto: Faszination Fernost/B. Linnhoff)

FF: Was können Sie als Betreiber von Elefantencamps zur Verbesserung der Situation beitragen?

Förster: Die Entscheidung, ob wir Elefanten im Tourismus wollen oder nicht, die fällen nicht die Camps – diese Verantwortung wird nur auf uns abgewälzt. Die Entscheidung fällt auch nicht in Deutschland, den USA oder Australien. Die Entscheidung fällt hier, in Asien. Allein in Chiang Mai sind im Jahr vier Millionen Chinesen zu Gast. Sollten die Chinesen Nein sagen zum Elefanten-Tourismus, stirbt das Tier schneller aus als schon jetzt befürchtet.

Aber es stimmt schon: Auch wir als Unternehmer müssen uns zusammensetzen. Wir brauchen ein neues Konzept der Zusammenarbeit, auch als Wettbewerber. Ich verstehe auch nicht, warum manche Camp-Betreiber nur wenig Steuern zahlen und unser Unternehmen 30 Prozent. Vor allem aber ist wichtig, dass wir der Öffentlichkeit und auch unseren Gegnern verständlich machen, dass es uns nicht darum geht, den Elefanten zu bezwingen, sondern mit ihm zu kooperieren. Selbst auf die Gefahr hin, dass der Mensch auch mal verliert oder sein Leben riskiert.

Förster-Interview (1) – Ja zum Elefanten im Tourismus
Förster-Interview (2) – Elefanten in Camps müssen Geld verdienen
Bericht auf SWR2 über den „Elefantenflüsterer in Thailand“
Bodo Jens Förster

Foto: Faszination Fernost/B. Linnhoff