Dschungel, Meer, Pool, Schwein mit Bart und…

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…ein freundliches Gesicht: Der Mix macht`s

Paradies. Ein großes Wort, ein hoher Anspruch. Doch noch immer gibt es paradiesische Flecken auf dieser Erde, wo selbst ein Kurzurlaub zum erfüllten Traum wird. Gaya Island ist so ein Flecken.

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Im Juni 2011 stand ich am Fenster meines Zimmers im Gaya Centre Hotel in Kota Kinabalu und schaute auf eine kleine Insel, gar nicht weit entfernt, doch im Dunst des späten Nachmittags nur als Umriss zu erkennen. Da muss ich hin, das wusste ich im selben Augenblick, ohne es begründen zu können. Zwei Jahre später begegnete ich diesem natürlichen Kleinod in einem asiatischen Reisemagazin. Titel der Story: The Jungle Book – das Dschungelbuch.

Es dauert einige Jahre, dann reise ich endlich hin, zusammen mit meiner Freundin Toey. Kleines Gepäck, große Erwartungen; wir sind beide reif für die Insel im südchinesischen Meer. Gaya Island. Das größte Eiland von fünfen im Turku Abdul Rahman Marine Park; zehn Bootsminuten entfernt von Kota Kinabalu, Hauptstadt der Provinz Sabah im malaysischen Teil von Borneo.

Eine Adresse, die selbst mir logistischen Aufwand abfordert, obwohl ich in Thailand lebe, Malaysias Nachbar im Norden. Air Asia trägt uns von Chiang Mai über Kuala Lumpur nach Kota Kinabalu – schneller geht es nicht und dauert doch fast einen Tag.

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 Willkommen auf Pulau Gaya

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Foto: Faszination Fernost/B. Linnhoff

Es ist nicht ruhig hier – es ist still

In den ersten Minuten im Gaya Island Resort haben wir die Kakophonie unseres lärmenden thailändischen Alltags noch im Ohr und seine wuselige Hektik in den Organen. Das Meer vor Augen und den Regenwald im Nacken, schauen wir uns irritiert an: Es ist nicht ruhig auf Gaya Island – es ist still. Akklimatisieren heißt für uns, das innere Tempo zu reduzieren, die Stille auszuhalten – und die Schönheit um uns herum.

Fotos Faszination Fernost/B. Linnhoff

Eine Massage im Spa Village hilft beim Runterschalten. Luxuriös-einfaches Ambiente, erlesene Zutaten, heilende Hände. Aus einem vielversprechenden Menü wählen wir die simpleren Spielarten. Toey entscheidet sich für Urutan Pribumi, eine Massage, inspiriert von uralten Heilmethoden und dem kulturellen Reichtum diverser ethnischer Gruppen. Ich mag es noch eine Spur sanfter: Die balinesische Massage variiert zwischen Akkupressur, rollenden Bewegungen und Percussion – ein Begriff, den ich vor der Massage nur mit Musik verbinden kann. Danach auch.

Fotos Faszination Fernost/B. Linnhoff, Homepage Gaya island Resort

Versteht sich, dass das Spa Village in seinem Wellness-Angebot neben Meditation und Yoga komplette Entspannungspakete offeriert. Für den Mann zum Beispiel das „Papakang“, die „Odyssee der sieben Brüder“. Für mich kein Thema, ich habe nur zwei, und die sind sesshaft. Aber ich will schon wissen, was mir entgeht.

– Körperpeeling mit Regenbogen-Reis, Kaffee, Tongkat Ali und Zimt

– Maske mit Avocado und Kokosnuss

– Urutan Pribumi (siehe oben)

– Körpermassage mit Reisbeuteln

– Gesichtsmassage mit Honig und Avocado-Samen.

Amen.

Bleibt die Frage: Wer oder was ist Tongkat Ali? Googeln ergibt: Ein Extrakt aus dem Urwaldbaum Eurycoma longifolia Jack. Regt die Testosteronproduktion an, steigert die Energie, gilt als Potenzmittel und ist in der Bodybuilder-Branche als Longjack bekannt und beliebt. Im Spa Village, so erklärt man mir später mit verhaltenem Ernst, dosiere man Tongkat Ali als Gel so sensibel, dass Tote auf keinen Fall wieder auferstehen können.

Ab in den Dschungel

Foto Faszination Fernost/B. Linnhoff

Am Morgen nach der ersten Nacht sind wir früh auf den Beinen – eine Dschungelwanderung durch den Jahrhunderte alten Regenwald reizt uns stärker als langes Ausschlafen. Hier eine Pflanze, die offene Wunden heilt. Dort ein Gewächs, dessen Blätter gegen Malaria helfen sollen – sie schmecken bitterer als ein Fernet Branca.

Langschwanz-Makaken, Nashornvögel, Warane, große und kleine Geckos, fliegende Eichhörnchen, Spinnen und Wildschweine mit Bart. 21 Schlangen-Arten, 18 Sorten Eidechsen. Längst nicht alle dieser Ureinwohner bekommen wir zu sehen, wir sind ja nicht im Zoo. Aber alle scheinen uns sagen zu wollen, dass sie auch gut ohne unseren Besuch auskämen.

Fotos Faszination Fernost/B. Linnhoff

Nehmen wir die Depardieus unter unseren evolutionären Verwandten, die Nasenaffen. Der Gast entdeckt sie auf Gaya Island nur dann, wenn sie mal die Konzentration schleifen lassen. Einst wurden diese unfreiwillig lustigen Gesellen vom Menschen gejagt, erklärt uns Guide und Biologe Jamie. Das sitzt den Affen immer noch unter der Haut; sie riechen (was sonst?) und sehen den einstigen Feind auf hundert Meter Entfernung. Und gehen in Deckung.

(Mehr Glück hatten wir bei einem früheren Besuch, im weiter östlichen Teil des Bundesstaates Sabah, am Kinabatangan River).

Der beklagenswerte Mangel an sichtbaren Proboscis Monkeys auf Gaya Island beflügelt allein die Souvenirproduzenten – sie vermarkten mehr oder minder originell eine Spezies, die es nur auf Borneo gibt.

Fotos Faszination Fernost/B. Linnhoff

Der Weg ist nicht das Ziel, sondern steil

Villen im Gaya Island Resort (Foto Faszination Fernost/B. Linnhoff)

Das Gaya Island Resort gibt es erst seit 2012, die Insel selbst schon ein wenig länger – sie wurde bei der letzten Eiszeit vom Festland getrennt. Vom Meer aus gesehen, wollen die Villen der Anlage so wenig Aufhebens wie möglich von sich machen.

Fotos Faszination Fernost/B. Linnhoff

Oft auf Betonstelzen über Mangroven errichtet, von hohen Flügelfruchtbäumen umstellt, sind sie so weit in die natürliche Umgebung integriert, wie das bei zweistöckigen Häusern möglich ist. Auch in den Zimmern verweist die Mischung aus zeitgenössischem Minimalismus und Malaysia-Stil darauf, dass an diesem Ort der wahre Luxus draußen zu finden ist.

Fotos Faszination Fernost/B. Linnhoff

Von der Lobby, vom Strand, vom 40m-Pool windet sich ein asphaltierter Weg hoch zu den Villen. Doch dieser Weg ist nicht das Ziel. Sondern steil und je nach Position der Villa lang. Wir empfehlen bei Buchung die Nr. 814, sie liegt noch am günstigsten.

Foto Faszination Fenrost/B. Linnhoff

Wir logieren in der Nummer 828. Was immer dann ins Gewicht fällt, wenn wir des Nachts vom Restaurant Fishermans` Cove heimkehren (Kerzenlicht, Meeresfrüchte, Wein unterm Sternenhimmel, Blick aufs Meer. Und – hatte ich es schon erwähnt? – Meeresfrüchte und Wein).

So dreimal täglich kehren wir bergan zurück zur Unterkunft. Das erspart uns den Besuch im Fitnesscenter, den wir allerdings eh nicht eingeplant hatten.

Ob wir zugenommen haben? Trotz des Steilhangs? In gerade mal fünf Tagen? Selbstverständlich.

Die größten Schätze können schwimmen

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Ein Meerespark in Rufweite deutet an, dass sich die Attraktionen hier nicht nur im Dschungel tummeln, sondern auch unter Wasser. Die Korallengärten nahe der Nachbarinsel Sapi zählen zu den lebendigsten, vielfältigsten Tauch- und Schnorchelrevieren der Welt. 40 Euro kostet der Ausflug dorthin. Doch selbst das Hausriff vorm Resort bleibt uns versagt, es regnet oft oder sieht zumindest danach aus.

So begnügen wir uns mit der Theorie und bilden uns weiter in der Kategorie „Unnützes Wissen“. Zum Thema „Findet Nemo“ sind wir jetzt fit. Nemo, so wurde uns zugetragen, ist nämlich ein Hermaphrodit. Alle Clownfische sind in ihrer Jugend Maienblüte männlichen Geschlechts. Nur die Stärksten und Größten wechseln danach in die weibliche Version; der Ehemann bleibt stets die kleinere Nummer. Falls der Mutti allerdings etwas zustößt, mutiert der Ehemann inerhalb von zwei Monaten zum Frauchen. Außer im Film.

Privatstrand mit Wildschwein

Foto Faszination Fernost/B. Linnhoff

Als die Sonne nach Tagen endlich ihre Zurückhaltung ablegt, haben wir gerade noch Zeit, den Privatstrand unseres Resorts auf Tavajun Island zu besuchen – es lohnt sich. Nicht nur, weil wir dort Makaken sehen, das Wildschwein mit Bart und eine Rettungsstation für Meeresschildkröten.

Fotos Faszination Fernost/B. Linnhoff

Wir haben im Gaya Island Resort ein perfektes Beispiel für die Herausforderung erlebt, die Schönheiten und Schätze der Natur zugleich zu teilen und und mit dem Profit zu schützen. Ein identisches Ziel verfolgt in unmittelbarer Nachbarschaft das Gayana Eco Resort – 52 Villen auf Stelzen im Wasser, teils mit Glasfußboden und freiem Blick auf die Unterwasserwelt. Was die Gäste dort sehen, können sie im angeschlossenen Marine Ecology Research Center mit wissenschaftlichen Infos unterfüttern.

Gayana Eco Resort (Foto Faszination Fernost/B. Linnhoff)

Der Berg ist böse

Zum Abschied schauen wir von unserem Balkon auf den Mount Kinabalu. Auch bei Sonnenschein verhüllt er noch immer sein Haupt. Wenige Wochen vor unserer Reise erschütterte ein heftiges Erdbeben den Berg. Tags zuvor hatten zehn Touristen auf dem höchsten Gipfel Südostasiens Nackt-Selfies geschossen. Für Malaysias Regierung war klar, dass diese Respektlosigkeit die Geister des Berges nachhaltig verärgerte. 18 Menschen starben beim Beben, auf dem Weg zum Gipfel oder zurück. Die Einheimischen brachten Büffelopfer, um den unruhigen Riesen zu besänftigen.

Mount Kinabalu
Mount Kinabalu (Foto: Faszination Fernost/B. Linnhoff)

Tipps zur Reise nach Borneo

Beste Reisezeit: Wo Regenwald gedeiht, regnet es ganzjährig. So war es auch bei uns in den ersten Juli-Tagen, ehe die Sonne dominierte. Die regenschwächeren Monate von Februar bis September bleiben die beste Reisezeit für Ost-Malaysia. Das Klima ist tropisch mit Temperaturen von 29 bis 33 Grad am Tag und 23 bis 25 Grad in der Nacht. Deutsche, Österreicher, Schweizer benötigen kein Visum, der Reisepass muss bei der Einreise noch sechs Monate gültig sein.

Ein paar Worte zur Fluggesellschaft Air Asia

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Now Everybody Can Fly!

Ist der malaysische Billigflieger eher ein Luftfrachtunternehmen, das nebenbei auch Passagiere transportier? Den Profit generiert die Firma eher durch äußerst komplexe Regeln zum Thema Gepäck. Nur wer nackt reist, kommt in den Genuss der zunächst verführerisch blinkenden Ticketpreise. Jedes weitere Kilo kostet.

Nie habe ich rund um einen Flug ein größeres Chaos erlebt als zum Start unserer Rückreise. Terminal 2 des Airports Kota Kinabalu, zu klein und deutlich in die Jahre gekommen, beherbergt exklusiv Air Asia. Gepäckkontrolle, Warteschlangen, Einchecken: Die ultimative Definition von Tohuwabohu. Keine Organisation, keine Struktur. Auch wenn es wie ein Widerspruch klingt: Nur dem kompetenten und unfassbar geduldigen Personal am Schalter war es zu verdanken, dass jeder Passagier irgendwann zu „seinem“ Flugzeug fand.

Gaya Island Resort
Abschied nach fünf denkwürdigen Tagen (Foto: Faszination Fernost/B. Linnhoff)

Fotos: B. Linnhoff, Kesorn Chaisan, Lifestyle Asia (2), Gaya Island Resort (2), Gayana Eco Resort (1),  Explore Life Lah! (1)

Zum Abschluss: Das Gaya Island Resort in einem kurzen Video.