Nie gehört, aber passt: Ein Boutique Guesthouse

 

Foto Faszination Fernost/B. Linnhoff

An den Zimmertüren hängen Vorhängeschlösser, gegen 20 Uhr schließt sich das Gitter am Eingang. Ich bekomme zwei Schlüssel in die Hand gedrückt, sie öffnen mir das Gitter am Abend und meine Suite Nr. 1 (1350 Baht), wo ich meinen Rucksack in thai-chinesische Architektur bette. Sauber und geräumig, das Zimmer gefällt mir. Über eine Holzleiter kann ich gar ein Zwischengeschoss erklimmen und mich dort auf einer Liege zur Ruhe betten oder lesen – die eigentliche Schlafstatt steht unten.  

Nicht nur die alten chinesischen Fliesen im Bad und das Waschbecken aus Porzellan vermitteln einen Old School Charme, dem ich allzu gerne erliege. Noch besser würde es mir gefallen, wenn die Internetverbindung stärker, schneller und verlässlicher wäre – manchmal braucht man halt das Netz.

Gutes Timing des Fotografen: leere Hauptstraße bei Nacht (Foto: Homepage 103 Bed and Brews)

Nachts ist es zuweilen laut, denn das 103 Bed and Brews liegt zwar weit genug entfernt vom Neonglanz und Lärm der Yaowarat Road, aber direkt an der Hauptstraße Rama IV. Immerhin: Die Meeresfrüchte der Yaowarat Road – und damit meine ich nicht die immer noch erhältliche Haifischflossen-Suppe – sind gerade mal 250 Meter entfernt, nicht zuviel für preiswertes Streetfood vom Feinsten.

Zwei Zimmer und zwei Suiten

Es gibt nur zwei Zimmer und zwei Suiten in der Unterkunft, die von Marketingexperten, nie um ein Etikett verlegen, als „Boutique Guesthouse“ klassifiziert wird. Der Begriff ist nicht einmal falsch. Denn das Haus ist ein Schätzchen, gebaut im späten 19. Jahrhundert und von einem chinesischen Kaufmann bewohnt, der mit traditionellen chinesischen Kräutern handelte und diese an Landsleute in der Nachbarschaft verkaufte.  

Heute heißen die Eigentümer Ray McDonald und Athip Nana; sie haben einiges an Arbeit in die Immobilie gesteckt. Viele Originalteile mussten neu besorgt werden, um „mit limitiertem Budget etwas vom alten Glanz zurückzubringen“.

Foto B. Linnhoff

Das Café im Erdgeschoss mit der rot leuchtenden chinesischen Weihestätte wird von freundlichen jungen Leuten geführt und überwiegend von jungen Einheimischen besucht. Da ich mitten in der Woche zu Gast war, verpasste ich die Livemusik, die laut Homepage samstags und sonntags geboten wird. Das „Brews“ im Namen des Hotels verweist auf die Kaffee-Spezialität des Hauses: Cold Brew aus Arabica-Bohnen.

Als Heiß-Trinker musste ich mich erst einmal schlau machen über das Trend-Gesöff: Im Vergleich zur herkömmlichen Zubereitung mit Heißwasser wird bei Cold Brew kaltes Wasser verwendet. Das Ergebnis ist für Kaffeegenießer eine willkommene Abwechslung zu heißem Filterkaffee und bleibt gekühlt bis zu zwei Wochen haltbar. Cold Brew enthält zudem weniger Säuren und Bitterstoffe.

Wasserlöcher in der Nachbarschaft

In der Nachbarschaft der Soi Nana in Chinatown, nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Soi und ihrem Bar-Rondell nahe der Sukhumvit Road, sind einige Shophäuser (unten das Geschäft, oben die Wohnung) inzwischen zu hippen Cafés oder Bars mutiert. Was immer hip meint: Optisch passen auch diese Bars in diese Umgebung.

El Chiringuito (Foto B. Linnhoff)

Das gilt auch für El Chiringuito, eine gerade mal zwölf Meter vom Hotel entfernte spanische Tapas Bar, die so auch in Barcelona stehen könnte. Folglich gibt es hier croquetas und bocadillos und tortillas und andere especialidades – okay, das ist nun nicht direkt thai-chinesische Gastronomie. Andererseits: Der Eigentümer des Chiringuito ist Thai, hat sechs Jahre in Spanien gelebt und ist mit einer Spanierin verheiratet.

Soi Nana (Foto B. Linnhoff)