Übernachten zum Wohl der Kunst

„Tanz der Hexen“ – I Ketut Budiana, ca. 1986

Agung Rai, rechts (Foto: ARMA Bali)

Wir haben die Schwarmintelligenz auf Tripadvisor, Facebook und Co. ignoriert, sind allen Bewertungen mit Erfolg aus dem Weg gegangen und haben einfach gebucht. Das fällt natürlich leichter, wenn man in Thailand wohnt und nach Bali nur dreieinhalb Flugstunden braucht. Da kann man, wie wir, auch mal in der Nebensaison für eine Woche rüberfliegen, das ist dann kein Jahresurlaub, in dem alles klappen muss. 

Wir haben uns sauwohl gefühlt im ARMA Museum & Resort und gut geschlafen sowieso. Wir schliefen den Schlaf der Gerechten keineswegs uneigennützig, sondern im Dienste der Kunst – das Hotel finanziert zu Teilen das Museum. ARMA bedeutet Agung Rai Museum of Arts; der Namensgeber hat da einen gelungenen Doppelpass hingelegt zwischen Profit und Kreativität.

Für umgerechnet etwa 70 Euro pro Nacht buchten wir im neuen Trakt den „Wisma Seni Superior Room“, die kleinste aller Einheiten im Resort; es gibt größere Zimmer, und es gibt private Villen.

ARMA Museum&Resort (Foto Faszination Fernost/B. Linnhoff)

Für alle Kategorien gilt: sie sind eingebettet in eine großzügige balinesische Oase, in viele Schattierungen von Grün, eine stolze Truppe mythischer Figuren und lokale Architektur.

Fotos: Faszination Fernost/B. Linnhoff, Kesorn Chaisan

Dass fünf Tage in dieser Umgebung einfach zu kurz waren, lag auch an den unfassbar freundlichen MitarbeiterInnen in den beiden Restaurants, an der Rezeption, im Fahrdienst und im Spa.

Fotos: Faszination Fernost/B. Linnhoff, Kesorn Chaisan

Bali hat viel zu bieten, doch diesmal wollten wir uns vor allem erholen. Kein Besichtigungsprogramm, aber jeden Tag Massage. Gut essen, aber nicht zuviel. Was uns nicht immer gelang. Ein bisschen Flanieren im Zentrum Ubuds; das Städtchen war schon Teil unserer Hochzeitsreise 2017. Ubud war gut besucht in diesem April, aber noch weit entfernt von der Hektik des Augusts. Im Getümmel der Hochsaison hätten wir unsere kanadischen Freunde Josh und Niall womöglich verpasst. So aber trafen wir sie in ungewohnter Umgebung – in den Wochen zuvor waren sie in Chiang Mai Stammgäste in der Bar meiner Frau Toey.

ARMA Museum & Resort – man achte auf die Reihenfolge: Erst kommt das Museum, dann die Hotelanlage. Die Kombination gefiel mir, als ich im Internet nach einer Unterkunft in oder nahe Ubud suchte. Es zieht mich immer wieder in diese kleine Stadt mit soviel großer Kunst.

Ein Tag im Museum

Bild: „Elefant“, I Wayan Pendet, ca. 1990; Foto: Faszination Fernost/B. Linnhoff

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Es gibt Ranglisten, in denen das ARMA unter allen Museen Ubuds den Spitzenplatz einnimmt. Ob berechtigt, kann ich nicht beurteilen. Was ich sagen kann: Der Besuch lohnt! Gründer Agung Rai besuchte schon als kleiner Junge die Workshops balinesischer Maler, seither „ist Kunst ein Teil meines Wesens“. Die Größe des Museums und die Zahl der Exponate überraschte uns. Quantität sagt noch nichts über Qualität – hier findet sich beides. An den Wänden hängen die Werke der berühmtesten Pinsel der Insel; vertreten sind alle Generationen und Stile.

Was mir auffiel: Ganz selten nur sahen wir individuelle Porträts. Meist wimmelt es von Menschen. Kein Wunder, denn fast immer zeigen die Motive den dörflichen Alltag, hinduistische Prozessionen oder Begräbniszeremonien.

Titel: „Ekadsa Rdura“ (2015); Maler: I Wayan Mardiana; Motiv: Religiöse Zeremonie am Penataran Agung Besakih Tempel, beheimatet auf einem Hang des Mount Agung

In den Bildern spiegelt sich Balis Alltag wider mit all seinen religiösen Riten; in dieser Welt zählt nicht das Individuum, nur die Gemeinschaft.

So sieht es aus, wenn die Götter sauer sind am Mount Agung. Drei Tage nach unserem Museumsbesuch räusperte sich der aktive Vulkan mal wieder vernehmlich.

Manchmal blickten wir erzürnten Gottheiten direkt ins Antlitz. Götter sind auf Bali in allen Erscheinungen präsent: in Steinen, Bäumen, Tieren, Dolchen. Mit ihrem Ruf eines spirituellen Zentrums lockt die Insel Sinnsucher aus allen Ecken des Planeten an. Menschen, die ihre Balance finden wollen in einer Welt, die genau das nicht ist: im Gleichgewicht. Grundgedanke aller Rituale auf Bali ist, so Wikipedia, „stets die Wiederherstellung der gestörten Harmonie innerhalb der universalen Polarität“ – die aber wird in Ostasiens Religionen nicht als Gegensatz empfunden, sondern als einander ergänzend.

Bild: I Ketut Sadia/ARMA Museum – Foto: Faszination Fernost/B. Linnhoff (es scheint nicht so einfach zu sein, ein gerade hängendes Bild auch gerade zu fotografieren)

Wer sich Balis Ngurah Rai Airport erstmals aus der Luft nähert, fragt sich beim Anflug schon, ob er vielleicht doch im Meer landen wird und nicht auf festem Boden. Am 13. April 2013 verfehlte ein Jet der Lion Air tatsächlich die Landebahn, rutschte ins Wasser und brach dort auseinander. Ein Unglück mit Verletzten, aber glücklicherweise ohne Tote, das den Künstler I Ketut Sadia gleichwohl inspirierte. Katastrophen haben es I Ketut Sadia offenbar angetan. Auch der Titanic hat er ein Werk gewidmet, im Format 84,5 mal 131 Zentimeter.

 

Im Gefolge der niederländischen Kolonialherren, die lange in Indonesien herrschten, kamen vorwiegend holländische Künstler nach Bali, fasziniert von den Menschen und der Üppigkeit der Tropen: Rudolph Bonnet, Arie Smit, Willem Dooijewaard, Willem Hofker, Han Snel. Einige von ihnen blieben und nahmen später die indonesische Staatsbürgerschaft an. Ihre Bilder aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts zeigen im ARMA Bali als Paradies und Sehnsuchtsort. Dieser Mythos hat sich so gut erhalten, dass die Insel heute mit den Folgen von Übertourismus kämpft.

Walter Spies – Bild 1: Blick von der Höhe – Bild 3: Iseh im Morgenlicht

Foto: Faszination Fernost/B. Linnhoff

Die meisten Zugereisten kreisten um das Zentrum Walter Spies. Agung Rai bescheinigt dem Deutschen, ein Visionär gewesen zu sein, ein Brückenbauer zwischen der westlichen und der balinesischen Kultur. Vor hundert Jahren war es Spies, der Bali der Welt bekannt machte und Prominente wie Charlie Chaplin anlockte.

Über die Jahre wurde ARMA zu einem international anerkannten Aushängeschild der bildenden und darstellenden Kunst nicht nur Balis, sondern von ganz Indonesien. Ständige und temporäre Ausstellungen, eine eigene Bühne für Theateraufführungen, Seminare, Workshops und Konferenzen ergeben in der Summe ein quicklebendiges, reichhaltiges kulturelles Angebot. Das meiste davon ist im Zimmerpreis des Hotels enthalten. Wie gesagt: Wer hier übernachtet, schläft für die Kunst.

 

Foto: Faszination Fernost/B. Linnhoff

About ARMA

Gut essen wollten wir, und so landeten wir hier:

Essen in Ubud: Vegane Eiscreme und blutige Steaks

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