Eine kleine, aber feine Adresse

Im Bett mit John Lennon hätte natürlich auch gepasst, aber da hätte Yoko Ono womöglich ihre Rechte reklamiert. Es geht ja auch in erster Linie um das „Beat“, eine kleine, aber feine Adresse, die das inflationäre Hotelangebot Bangkoks um eine individuelle Note bereichert.

Foto Faszination Fernost/B. Linnhoff

Gesehen hatte ich die Beat-Werbung an der Skytrain-Station Phra Kanong, buchen wollte ich meinen ersten Besuch im Netz. Dort lockte eine typisch thailändische Promotion: „Buchen Sie zwei Nächte, zahlen Sie eine.“ Direkt daneben: „Mindestbuchung drei Nächte.“ Ich habe es versucht, doch meine Buchung schlug fehl. Und bei telefonischer Buchung gab es keine Promotion. Meine Rate blieb also die normale für drei Nächte: 2300 Baht pro Nacht.

 

Minimalismus

Das Beat bietet, so die Eigenwerbung, „A start in the art of Bangkok“. Für Design und Mobiliar der Zimmer durften sechs einschlägig bekannte Bangkok-Künstler kreativ werden: Lolay, p7ven, Oh Futon, Jeep Kongdechakul, Suntur und der inzwischen verstorbene, enorm populäre Mamafaka.

Auch in Asien setzen immer mehr Hotels auf Kunst als Stil- und Lockmittel. Der Mix im Beat ist wild. An einer Wand im Erdgeschoss, da hängen sie, die alten Bekannten: Magritte, Dalí, die Surrealisten, auch ein ins Entsetzliche verfremdeter Andy Warhol als Patron der Pop-art.

Auf den Sofas im Erdgeschoss Kissen mit Edelstein-Motiven. Die Kunstform des Minimalismus dominiert die Zimmer, in seiner reinsten Form: Im Kühlschrank. Den muss der Gast schon selbst füllen.

 

Bereits vor 30 Jahren ließ der „Teufelhof“ in Basel seine sieben Zimmer von verschiedenen Künstlern gestalten. Ein Konzept, das nun Trend zu werden scheint. An den Zimmerwänden des „Beat“ treffen wir einen bärtigen John Lennon, viel Wald und auch Gemüse, den anonymen Easy Rider, Comicfiguren und mehr. Dazu am Boden jeweils eine echte Gitarre.

Thailands Hauptstadt erfindet sich jeden Tag neu. Von offizieller Stadtplanung und behördlichen Vorgaben ungestört, sprießen Ideen und Bauten. Mal hier, mal da. Hinter dem Beat hotel steht sogar ein Konzept der Investoren: Art and Lifestyle in the W-District, so heißt es nun mal.

Foto Faszination Fernost/B. Linnhoff

Eine überschaubare Nachbarschaft von Galerien, Graffitis, Bruchbuden. Mit einem kleinen Nachtmarkt im Zentrum, dessen Ausschänke und Garküchen tags anmuten wie ein Containerdorf und allabendlich, nun freundlicher wirkend, ein munteres Publikum begrüßen, Thais und Farangs gleichermaßen.

Das alles spielt etwa 100 Meter von der Skytrain-/BTS-Station Phra Kanong entfernt; der W-District beginnt unmittelbar an der Sukhumvit Road und ist wenige Schritte weiter schon eine kleine, lebendige, aber eher leise Welt für sich.

Wer gerne in künstlerisch angehauchter Umgebung Quartier bucht, sollte seine Erwartungen an praktische Dinge wie Service etwas niedriger hängen. Auf Hüfthöhe etwa. Der Stab im Beat Hotel ist freundlich, keine Abstriche. Doch der Gesamteindruck litt ein wenig unter der schwankenden Internetverbindung und einem im Preis enthaltenen Frühstücksangebot, das für mich kein Grund war, im optisch einladenden Restaurant „Metropol“ nach Nahrung zu graben.

Es dauerte 20 Minuten, bis ein „für sofort“ zugesagtes Taxi für die Fahrt zum Flughafen gefunden war – in Rufweite der Sukhumvit, wo ein signifikanter Teil der 70 000 Bangkok-Taxis  24 Stunden am Tag mit Suchscheinwerfern nach Kunden Ausschau hält. Zum Bezahlen der Hotelrechnung sollte man für alle Fälle Bargeld bereithalten, die schmale Maschine für die Kreditkartenabbuchung verweigerte bei meinem Besuch manchmal den Dienst. Zusammen ergab das in meinem Fall vor meinem Rückflug nach Chiang Mai einen Zeitdruck, der nicht nötig war.

Mein Problem aber löste sich in der Luft auf: Das Flugzeug hatte Verspätung.

Fotos: Faszination Fernost/B. Linnhoff, Homepage des Hotels (2)