Schlag nach bei Shakespeare

Bangkok verändert sich stetig, wie die meisten Metropolen. Mal zum Besseren, mal zum Schlechten – beides liegt im Auge des Betrachters. Nach wie vor aber gilt für Thailands Hauptstadt: Hinter jeder Ecke lauert eine Überraschung oder ein ungewöhnlicher Zeitgenosse.

Mit Shakespeare zum Beispiel hatte ich nicht gerechnet. Mag der Mann auch lange tot sein – er ist noch immer präsent. Und das fern der Heimat. Denn William erkannte früh eine ewige Wahrheit: Die ganze Welt ist eine Bühne.

Vorhang auf: Das „PlayHaus“ gibt es seit 2015. Gelegen an der Thonglor Road (Sukhumvit Rd. 55, BTS-Station Thonglor), zwischen den Nebenstraßen Soi 9 und 11, hinter dem Friseurladen Chalachol. Eine ideale Lage. Denn die Thonglor wuchs in den letzten Jahren zu Bangkoks Partyzentrum. Mit hochwertigen Clubs, Restaurants, Bars und den entsprechenden Preisen.

Gegenüber vom Hotel ist die „Wine Republic“ zu Hause, nur wenige Meter weiter ruft das „Iron Fairies„. Die „Eisen-Elfen“, eine von vielen Kreationen des australischen Gastro-Designers Ashley Sutton, locken  allabendlich mit hervorragender Livemusik.

 

 

Kleine Lobby, große Oper

 

Toilette mit Wappen

 

Die Hauptrolle spielt immer noch der Gast

Die Stadt der Engel hat manch himmlischen Schlafplatz im Angebot. Die großen Ketten, die Luxusherbergen machen sich breiter noch als zuvor in Bangkok. Hoch ragen sie hinauf in den Himmel über der Stadt. Und überschatten so verborgene Juwelen.

Boutiquehotels wollen sich mit Charme, Design und Preis von den Branchenriesen absetzen. Manche Konzepte versanden dabei in Effekthascherei. Andere überzeugen durch Substanz und Liebe zum Detail.

Beim Einchecken im PlayHaus bekam ich ein Buch in die Hand gedrückt, das sich als hohl entpuppte – als Box für Zimmerschlüssel, wichtige Informationen, WiFi-Passwort und Kugelschreiber.

Man sieht: Die Hauptrolle bleibt dem Gast. Dafür sorgen schon die Menschen, die sich hier um das Wohl der Gäste kümmern. Dazu gehört oft auch eine kleine Führung durchs Haus; angesichts der üppigen Optik greifen alle wie ferngesteuert zu Handy oder Kamera: It`s Instagram Time!

Spielplan auf vier Ebenen

Von außen sieht das Hotel einem Theater am New Yorker Broadway zum Verwechseln ähnlich. Die Themen für die einzelnen Stockwerke sind denn auch nach US-Musicals benannt: Romeo und Julia, Mary Poppins, Aladdin. Ich durfte bei Aladdin übernachten.

Mein Aladdin-Zimmer, Hotel PlayHaus, Bangkok

Viel Platz ist hier nicht. Für zwei Personen, die gerade Streit haben, könnte es eng werden. Jeder Gast tut gut daran, sich auf ein Leben aus dem Koffer einzurichten – Stange und Bügel hängen in der Luft und reichen nur fürs Nötigste. Doch wenn die Inszenierung so gelungen ausfällt wie hier, schränke ich mich gerne ein – für ein Kammerspiel reicht`s.

Die thailändische Note

Im obersten Stockwerk sehen wir dann doch: Wir sind in Bangkok. Im „Big Mango“ und nicht im „Big Apple“. „Four Reigns“ heißt das Thema; es sagt dem Fremden wenig bis nichts. Das 1953 erschienene Buch von Kukrit Pramoj gilt in Thailand als literarisches Meisterwerk. Die Geschichte einer Familie in den Wirren und Wechseln der jüngeren Landesgeschichte wurde 1991 mit großem Erfolg vom thailändischen Fernsehen adaptiert.

Wie wir wissen, spielen sich die wahren Dramen hinter der Bühne ab. Die Cocktailbar „Backstage“ im Erdgeschoss unweit der Rezeption ist an vielen Abenden gut gefüllt. Von Tragödien hört man selten, von Komödien schon öfter, auch von Romanzen wird gemunkelt – manchmal wächst zusammen, was sich Stunden vorher nicht einmal kannte.

Die Backstage Bar

Mit drei offiziellen Hotel-Sternen scheint mir das „Playhaus“ eher unter Wert beurteilt. Die Zimmer kosten je nach Saison zwischen 1300 und 1800 Baht, das nenne ich ein gutes Verhältnis von Leistung und Preis.

Fotos: Faszination Fernost/Bernd Linnhoff, Homepage PlayHaus