Clover City Center: Welch freundlicher Empfang!

150331_Yangon_Mein_HotelEs ist ein Befehl, keine Frage. „Visa oder Cash!“, sagt das Mädchen. Da stehe ich nun mit meiner MasterCard an der Rezeption im dritten Stock. In eine quirlige Nachbarschaft mit schmalen Häusern gequetscht, muss das Clover City Center Plus ökonomisch umgehen mit dem vorhandenen Raum. Der fehlt für einen Empfang im Erdgeschoss. Dafür liegt das Hotel nahe der Sule Pagoda, also sehr zentral.

Gerade angekommen, bin ich noch nicht ausreichend eingedeckt mit Kyat (sprich: Chat), der burmesischen Währung. „MasterCard is all I have“, sage ich. „Visa oder Cash!” tönt es zurück. Denn die MasterCard-Einlesemaschine ist kaputt.

„Not my problem“, stelle ich fest, „just fix it.“ „Visa oder Cash!“ In diesem Moment poppt eine Kollegin hoch, die zuvor in der Deckung gelauert hat. Ihr Kinn reicht nun gerade über die Tresenkante. Und sie bellt:

„Do you want to be our guest or not?!”

Sule Pagode Yangon

Die Sule-Pagode im Herzen Yangons (Foto: Faszination Fernost/B. Linnhoff)

Neue Jobs, neues Selbstvertrauen

Seit dem Beginn der politischen Reformen 2011 schuf der wirtschaftliche Aufschwung in Myanmars früherer Hauptstadt neue Jobs. Chancen für einst Chancenlose und neues Selbstvertrauen. Ein Selbstvertrauen, das manchmal über die Ufer tritt. Im Licht gewonnener Freiheit nach 50 Jahren Militärdiktatur sonnen sich viele Burmesen in dem angenehmen Gefühl, der stärker werdende Strom ausländischer Gäste sei eine Art Grundrecht und unumkehrbar.

Wer sich für das Reiseziel Burma entscheidet, weiß um den Nachholbedarf an Infrastruktur allüberall. Oft übersteigt die Nachfrage das Angebot, was die Übernachtungspreise beflügelt. Nicht immer stimmt – aus Sicht der Touristen – das Preis/Leistungsverhältnis. Damit können die meisten leben. Unfreundlichkeit hingegen ist nicht das, was sie mit Südostasien verbinden.

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Oft jedoch kaschieren die skeptischen Blicke der Einheimischen eher Unsicherheit. Denn es geht alles zu schnell. Die Öffnung nach außen, die (relative) Freiheit drinnen. Noch fremdeln viele Burmesen im Angesicht der Bleichgesichter aus fernen Ländern.

Was heißt das für uns Reisefreaks, die wir dieses spannende und oft wunderbare Land Myanmar besuchen? Wie bewegen wir uns in Yangon, in diesem dynamischen Organismus mit dröhnendem Herzschlag?

Geht ohne Vorurteile an die Stadt heran, sagen die, die hier leben. Vergesst, was Euer Reiseführer rät, was gerade hip ist oder out. Werft Eure Besichtigungspläne über den Haufen. Lasst Euch auf die Stadt ein. Nehmt Kontakt auf mit den europäischen und asiatischen Expats, die hier arbeiten. Esst burmesisches Essen und sprecht mit den Leuten, auch mit Händen und Füßen, aber: Sprecht!

Und Ihr werdet mit allen Sinnen fühlen: Myanmar ist – so oder so – anders als jedes andere Land auf der Welt.

Cash natürlich!

East Hotel YangonMein verbales Ping-Pong-Duell beim Einchecken endet letztlich pragmatisch. Ich zahle mein Hotelzimmer bei Abreise. Cash. Inzwischen gibt es – zumindest in Yangon – genügend Geldautomaten (ATM). Noch vor drei Jahren musste ich ein präzise kalkuliertes Bündel US-Dollar mitbringen, nagelneu und frisch gebügelt.

Die Stippvisite im März 2015 soll nicht mein letzter Besuch gewesen sein im früheren Rangoon – es gibt noch so viel zu entdecken. Bei der Auswahl des Quartiers werde ich künftig auf Bewährtes zurückgreifen: Das East-Hotel nahe der Sule-Pagode oder das Clover nahe der Shwedagon-Pagode. Freundlicher, kompetenter Service in beiden Häusern, bezahlbare Zimmer im mittleren Segment des Hotelspektrums.

Und nicht vergessen: Asien findet draußen statt.

Update 2. April 2015: Bei City Mart, mit 19 Filialen Myanmars größte Supermarktkette, können die Kunden ab sofort mit Visa Card zahlen. Oder Cash natürlich.