Gefeiert mit beschränkter Haftung

Wenn der Zirkus in der Stadt war, hielt den kleinen Bernd nichts mehr zuhause: Jeden Tag stiefelte er zur Tierschau; er konnte sich nicht satt sehen an den exotischen Gästen. Ganz nah kam er dem Wasserbüffel, der ihm mit seinem rechten Horn nur mal kurz auf die Finger klopfte – die dann ein halbes Jahr taub blieben, was die Handschrift in der Schule um einen Hauch japanischer Kalligraphie bereicherte.

Die meiste Zeit, Stunden oft, stand der kleine Bernd bei den Elefanten. Half beim Füttern, schaute den Riesen zu. Da wuchs eine Liebe, die ein Leben lang anhielt und mit der Übersiedlung nach Thailand neu beflügelt wurde.

Verehrt und begehrt

Viele Tierarten kämpfen ums Überleben, doch nur beim Elefanten ist der Grat zwischen Verehrung und Lebensgefahr so schmal. Ein prächtiges Beispiel dafür, wie Menschen lavieren können zwischen Liebe und Habgier, der „Kernenergie des Bösen“, wie sie einmal genannt wurde.

World Elephant Day

Der Elefant trug Menschen in den Krieg, heute trägt er Touristen durch den Wald. Er ist Thailands Nationaltier, dem im März ein nationaler Feiertag gewidmet wird. Und am heutigen Tag genießt der größte Landsäuger sogar globale Wertschätzung: Denn am 12. August ist Weltelefantentag.

Ein einziger Tag nur, der daran erinnert, dass Elefanten gejagt, gewildert, getötet werden. „Niemand liebt die Elefanten mehr als wir“, sagen viele Thais. Doch Tierschützer brandmarken Thailand als Asiens Drehkreuz für Tierschmuggel, Elfenbein inbegriffen. Verehrung hier, Hilfe beim Aussterben dort. In Thailand muss man Widersprüche aushalten können. Schärfere Gesetze sind geplant, doch hier wie andernorts sind Gesetze nicht immer identisch mit ihrer Anwendung.

Elementare Erfahrung

Elephant kissIn Thailand, in meiner zweiten Heimat war ich den Elefanten näher denn je, Vorteil Auswanderer. Rund um meinen Wohnort Chiang Mai gibt es viele Möglichkeiten zu Begegnungen auf Augenhöhe. Eine alte Liebe, wieder so frisch wie einst.  Wie in allen Beziehungen, so gab es allerdings auch in diesem Fall Höhen und Tiefen. Mal ein Kuss, mal haben wir uns auseinandergelebt. Nähe und Distanz, das alte Thema.

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Bei Bodo Jens Förster, einem der besten Elefantentrainer der Welt, lernte ich das Handwerk der Mahouts, auf Anfängerniveau. Wie einige meiner deutschen Freunde auch. Für sie, für mich war es ein elementares Erlebnis.

Wir wissen nun, was Förster meint, wenn er sagt: „Wir Menschen sind nicht die Krone der Schöpfung. Wir können vom Elefanten sogar lernen, was die Welt eigentlich im Innersten zusammenhält: Grundvertrauen.“

Elefanten und Touristen

Unter Veranstaltern, Tierschützern und Reisenden tobt seit einiger Zeit die oft hoch emotionale Diskussion darüber, ob der Elefant noch Platz hat im Tourismus-Geschäft. Viele Veranstalter haben dieses Angebot komplett gestrichen; manche wider besseres Wissen. Doch politische Korrektheit ist fürs Image heute wichtiger als pragmatische Vernunft. Tierschutzorganisationen wie PETA argumentieren leider mit Schaum vor dem Mund, ohne ihren Forderungen halbwegs sinnvolle Lösungsansätze zur Seite zu stellen.

Bodo Jens Förster beurteilt die aktuelle Lage aus der Sicht eines Experten und Elefantenbotschafters:

Elefanten im Tourismus – ja oder nein?