Überraschung zum Geburtstag

Es war ein Geburtstagsgeschenk und eine große Freude. Gerade mal fünf Jahre waren vergangen, seit Heribert und Angelika ihren Thailand-Besuch avisierten. Und nun – zack – waren sie da. Freund Heri kommt in seinem Job genug herum, ansonsten zieht es ihn nicht in die Ferne. Angelika hingegen will sich die Welt anschauen, und wenn es der Terminkalender erlaubt, schaut Heri eben mit.

Fußball verbindet uns, seit wir schnell laufen konnten. Wir waren Gegner bei unserem ersten Spiel bei den Senioren, die Kickstiefel glänzten noch durchgehend schwarz, die Älteren werden sich erinnern. Heri rannte bei der DJK Gütersloh die rechte Außenbahn rauf und runter, ich die linke bei der Hammer SpVgg. Vielleicht sind wir uns an der Mittellinie mal begegnet, aber kennengelernt haben wir uns erst später. Beide waren wir Stürmer. Das Match endete torlos, wir hätten es als Zeichen nehmen können.

Heribert (ganz links) und der Autor (ganz rechts) im Kreis der Uni-Mannschaft Münster

Später studierten wir zusammen an der Uni Münster. Bis heute weist mein Ex-Kommilitone auch ungefragt darauf hin, dass er meine immerhin zwei Semester nicht als Studium im eigentlichen Sinne betrachtet. In der Uni-Mannschaft spielten wir zusammen, in diversen Klubs gegeneinander. Irgendwann wussten wir definitiv: Für ganz oben reicht es nicht. So investierten wir unsere Energie alternativ: Heri als Lehrer, Trainer und schließlich Manager; ich als Sportjournalist. So begegneten wir uns auch später beruflich immer wieder.

Mit gutem Auge hatte Heribert die attraktive Angelika schon sehr früh vom ostwestfälischen Markt gefischt, „eine für ihn sicherlich gute Entscheidung“, sagt Geli mit dem ihr eigenen strahlenden Lachen. Heris feines Lächeln lässt nicht erkennen, ob er dieses Fazit für zu einseitig hält.

Der Trip: Pattaya, Koh Samet, Bangkok

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Gerrit und Heri

Nun also Thailand, im November 2013. Pattaya hieß die erste Station. Jenes einstige Fischerdorf am Golf von Siam, das in wenigen Dekaden zur „Sin City“ heranwuchs. Eine der Oasen der Stadt heißt Thai Garden Resort. Dort residieren Gerrit Niehaus und seine Frau Anselma. Ihr Hotel wird regelmäßig ausgezeichnet. Von Bewertungsportalen wie Holidaycheck oder vom thailändischen Tourismus-Ministerium, welches dem Thai Garden Resort die begehrten Vier Sterne verlieh.

Gerrit Niehaus ist einer der engsten Freunde Reiner Calmunds und sein Leben lang der Frankfurter Eintracht zugetan; einst als Gönner, als Verwaltungsratsmitglied und immer als Fan. Also genoss er den Besuch aus der hessischen Fußball-Hauptstadt sehr.

 

Von Pattaya nach Koh Samet ist es nicht weit. Wer im weißen Sand dieser beliebten Insel nicht entspannen kann, lernt es nicht mehr.

Auf Samet feierten wir das Lichterfest Loi Krathong und zugleich die fast 50-jährige Beziehung von Angelika und Heri. O holde Eintracht. Der Begriff mag verstaubt klingen, wurde aber mit zeitgenössischer Zuneigung bestätigt.

Zum Abschluss Bangkok

Aus Sicht der Thailand-Debütanten bot die Hauptstadt erneut eine komplett andere Facette des Königreichs. Bei einer Dinner-Fahrt auf dem Chao Praya aßen wir mit Freunden zu Abend. Am nächsten Tag knatterten Angelika und Heri mit dem Longtailboot durch die Klongs (Kanäle) und bekamen so eine leise Ahnung vom alten Bangkok. Den Abschluss bildeten Wat Arun, Wat Phra Kaeo sowie der Königspalast – Landmarken der reichen Kultur Siams.

„Eine ungewöhnliche und beeindruckende Reise“, fand Angelika, „so intensiv konnte ich noch keine andere Kultur erleben. Loi Krathong auf Samet hat mich besonders berührt; die Freundlichkeit der Thais, gepaart mit einem bewegenden Fest. Sensationell fand ich die Sirocco-Bar im 63. Stock des Lebua-Hotels. Aber den Gegensatz zwischen dem allgegenwärtigen Luxus – auch in unserem Hotel – und den Eindrücken auf der Fahrt durch die Klongs muss ich erst noch sacken lassen.“

Angesichts dieser Bilanz überraschte es mich ein wenig, dass Heribert mich nach neun intensiven Tagen und Gesprächen „im Namen unserer gemeinsamen Freunde“ aufforderte, aus meiner Wahlheimat nach Deutschland zurückzukehren. Damit traf er meinen einzig wunden Punkt, selbst nach fünf wunderbaren Jahren in Thailand: Meine Freunde leben fast ausnahmslos in der alten Heimat.

So erbat ich mir eine Sekunde Bedenkzeit und sagte: Auf keinen Fall.

Fotos: Angelika Bruchhagen, Bernd Linnhoff