Ausgabe 13: Auf ins Jahr der Booster-Impfungen – Prostitution? In Thailand? – Touristen mit vollen Taschen – Myanmars Militär: Die Macht der Gewohnheit – Gute Vorsätze? Auf keinen Fall!

Liebe Freunde, Weggefährtinnen und Südostasienfans,

2022, so hat Thailands Premierminister Prayut prophezeit, wird das Jahr der Booster-Impfungen. So haben wir jetzt doch etwas, auf das wir uns freuen können.

Was soll der General Premier auch sagen? Er weiß ja auch nicht mehr als jedes andere Genie. Die Mutante Omikron erschien in einem Moment, als die Welt wieder einmal Hoffnung schöpfte, das Ende der Pandemie könnte in Sicht sein. Es sind die immer wieder enttäuschten Hoffnungen, die uns mürbe gemacht haben.

Und das Magazin Economist fragt: Was wäre, wenn wir uns schon in der neuen Normalität befänden?

Illustration: Luca d`Urbino

Notizen aus dem Land des Lächelns

Immerhin scheint Thailand, schaut man auf die Infektionszahlen in Europa, in diesen Tagen ein nicht nur sonniger, sondern auch vergleichsweise sicherer Ort zu sein. Und gewohnt unterhaltsam.

Es gibt Anzeichen dafür, dass die thailändische Polizei möglicherweise unter Umständen bereit sein könnte zuzugestehen, dass es im Land Prostitution gibt. Gegen die will sie nun vorgehen. Obwohl die meisten Razzien bisher keinerlei Anzeichen dafür entdecken konnten. Was niemanden überraschte. Schließlich ist Prostitution hier verboten, also gibt es sie nicht. Der Sprecher der Polizei, so berichtete jüngst der Wochenblitz, benutzte den Ausdruck ​“sathan borikan”. Einen Begriff für Massageläden und Orte, an denen “Pay for Play” stattfindet. Das Wort Prostitution fiel also nicht, aber man nähert sich an.

Der Kampf gegen die Prostitution dürfte ähnlich erfolgreich sein wie die Verlegung der überirdischen Stromleitungen Bangkoks unter den Asphalt. Ein Projekt, vom Bangkoker Gouverneur vor zwei Jahren angekündigt. Dazu eine aktuelle Aufnahme aus dem Stadtteil Bang Rak (links).

Wieder einmal im Fokus: Der Qualitätstourist

“Thailand braucht qualitativ hochwertige Touristen”, sagt Yut­thasak Supha­sorn, Chef der thailändis­chen Touris­mus­be­hörde TAT. Kein neues Thema, aber perfekt platziert in einer Zeit, in der das Land jeden Gast braucht. Der Qualitätstourist hat nach Vorstellung der thailändischen Touristiker die Taschen voller Geld und leert sie bereitwillig nach der Ankunft.

Nicht mehr tabu: Thailands Parlament debattiert über die Legalisierung von Spielkasinos. Nach der Covid-Krise mit ihren Belastungen braucht das Land Geld. Die Spielsucht der Asiaten/Thailänder Spielsucht scheint da eine sichere Wette. Das befürchten auch größere Teile der Bevölkerung, die das Vorhaben ablehnen. Einen eigenwilligen Beitrag zur Diskussion lieferte Chada Thaiseth, Abgeordneter der Bhumjaithai Partei, mit seinem Verweis auf die chinesische Glücksspiel-Enklave Macau: “Dort haben die Leute die Wahl zwischen Kirchen, Moscheen und Casinos.”

Finnland vorn: Im globalen Glücks-Ranking belegt das skandinavische Land 2021 erneut den ersten Platz. Einige Analysen stellten einen Zusammenhang her zwischen der Platzierung und dem Fakt, dass Finnland zu den Ländern mit der weltweit geringsten Korruption zählt. Thailand rangiert auf Platz 54. In der Glückstabelle.

Bangkok Post: Roger “Crutch” Crutchley, Jahrzehnte lang Redakteur und nun Kolumnist, hat in seiner Jahresbilanz den Begriff Alter neu definiert: “Wenn man ohne Sex leben kann, aber nicht ohne Brille.”

Myanmars Militär: Die Macht der Gewohnheit

Foto: dpa

Es gibt aktuell viele Orte der Inhumanität auf der Welt, mir liegt Thailands westlicher Nachbar am nächsten. Zum Jahresende geht Myanmars Militärregime wieder zu Massakern an der Zivilbevölkerung über. Beim letzten wurden auch Frauen und Kinder bei lebendigem Leib verbrannt.

Yangon 2015 (Foto Faszination Fernost/B. Linnhoff)

Als ich das Bild in Yangon aufgenommen habe, symbolisierten die wieder erlaubten Presseerzeugnisse für mich eine unaufhaltsame demokratische Entwicklung in Myanmar. Doch jede Demokratie hat es schwer, wenn die Waffen in den Händen ihrer Gegner sind. Viele Flüchtlinge verstecken sich nun im Dschungel, andere flüchten in die Nachbarländer, doch willkommen sind sie weder in Indien noch in Thailand.

Der Lebensgefahr zum Trotz kämpfen die Burmesen weiter gegen die brutalen Machthaber. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Frauen des Landes, gewürdigt in einer Fotoausstellung in Bangkok Anfang Dezember.

Die tödliche Neujahswoche hat begonnen

Über Neujahr kehren die meisten Thais aus Bangkok und anderen größeren Städten zurück in ihre Heimatprovinzen. Meist mit dem eigenen Auto. An den ersten drei Tagen wurden 151 Verkehrstote und 1320 Verletzte gemeldet. Zu schnelles Fahren und Trunkenheit am Steuer bleiben die häufigsten Unfallursachen. Da Appelle an die Vernunft stets ins Leere laufen, beschränkt sich das Verkehrsschild rechts auf Schadensbegrenzung: Mao Khap Cha – Wenn schon betrunken, fahrt langsam.

Wir alle sind vorsichtig geworden in den letzten beiden Jahren und empfangen 2022 mit der gebotenen Skepsis. Ich habe mich dazu entschieden, einmal ganz ohne gute Vorsätzte ins neue Jahr zu gehen. Bin gespannt, wie sich zwölf Monate ohne schlechtes Gewissen anfühlen.

Ein gesundes, friedfertiges und leichteres Jahr 2022 wünscht aus Chiang Mai

Khun Ben