Ausgabe 17: Ein kleines Monster – Die Delfine sind rosa: Entspannte Tage in Khanom – Unsterblich auf Facebook – Die Nacht von Sevilla

Liebe Freunde, WeggefährtInnen und Südostasienfans,

lange bevor ich 2008 nach Thailand auswanderte, las ich die Geschichte von einem Jungen, der sich in der Nähe eines thailändischen Dorfes verlaufen hatte. Ein Mädchen fand ihn; auf dem Weg ins Dorf schrie der Junge plötzlich vor Schmerzen. Drei Tage lang lag er nahezu bewusstlos im Haus des Mädchens, ehe er langsam wieder ins Leben zurückfand.

Er war von einem Skolopender gebissen worden, einem Hundertfüßer. Ihr Gift kann Acetylcholin, Serotonin und Histamin enthalten, bestimmte Arten produzieren sogar Blausäure. Für Erwachsene ist das Gift normalerweise selten lebensbedrohlich, aber äußerst schmerzhaft; es gab allerdings auch schon Todesfälle. Die Krabbeltiere sind äußerst aggressiv und nicht nur draußen zu finden, sondern auch in Küchen oder Schlafzimmern.

Ich habe hin und wieder von diesem kleinen, bis zu zwanzig Zentimeter langen Monster geträumt. In der Nähe unseres Bungalows im Khanom Hill Resort habe ich nun einen Takaarp, wie er auf Thai heißt, live gesehen (Bild).

Wenig später, meine Frau Toey und ich lehnten gerade entspannt am Beckenrand des Swimming Pools, entdeckte unsere Freundin Lai den Hundertfüßer erneut. Wenige Zentimeter von unseren Hinterköpfen entfernt, auf dem Weg zu uns oder ins Wasser. Es gibt nämlich eine Art, die schwimmen kann und das auch tut. Toey schoss aus dem Becken und schlug das Tier mit einem Badeschlappen tot. Nun inspiziere ich jeden Abend unsere Betten und am Morgen das Wasser und das Geschehen am Beckenrand.

Destination Khanom

Chinesisches Neujahrsfest in Chiang Mai (Foto Faszination Fernost/B. Linnhoff)

Wenige Tage nach dem chinesischen Neujahrsfest flogen wir mit unseren Freunden Lai und Niall von Chiang Mai in den Süden Thailands. Khanom war unser Ziel. Ein 13000-Einwohner-Städtchen ohne besondere Kennzeichen, doch nördlich und südlich der Stadt reiht sich ein Strand an den anderen, nie überlaufen, gesäumt von Hotelanlagen aller Preisklassen und Restaurants, auf Meeresfrüchte spezialisiert, wen wundert`s.

Vom Strand aus ist Koh Samui mit bloßem Auge zu sehen, und vor der Küste sieht man mit etwas Glück die hier beheimateten Rosa Delfine. ZUmindest als Skulpturen sind sie allgegenwärtig und immer noch deutlich häufiger als Touristen.

Auch in Thailand gibt es schon seit Jahren keine absolute Wettersicherheit mehr; für Mitte Februar ist das Wetter in Khanom erstaunlich unbeständig, mal scheint die Sonne, mal ist es bewölkt und ab und an regnet es gar. Dann wirken selbst die Strände trist. Doch wir kamen, um Abstand vom Alltag zu gewinnen, und das klappt bei jedem Wetter.

Keineswegs trist ist es im Khanom Hill Resort, wo die Pool-Villa mit Meerblick gerade um die 2500 Baht kostet, Frühstück im Strandrestaurant inklusive. In den ersten Tagen waren wir die einzigen Gäste in der gesamten Anlage, das hat sie nicht verdient. Die meisten Thailand-Touristen bevorzugen in diesen Tagen die bekannteren Ziele.

Unsterblich auf Facebook

John Gaitens

Man kann Gutes über Facebook sagen oder das Netzwerk und seine geschäftlichen Aktivitäten kritisieren. Fest steht: Auf dieser Plattform ist jedes Mitglied unsterblich. Am 7. Februar erinnerte mich Facebook: Gratuliere John Gaitens zum Geburtstag. Das hätte ich gerne getan. Doch unser Freund John ist im September 2021 gestorben. So konnten wir dem feinen Kerl zwar nicht gratulieren, aber sehr wohl an ihn denken.



Wir schalten um zum Fußball: Die Nacht von Sevilla

Klaus Fischer, 3:3 (Foto: Imagegroup)

Mein Freund Alex schenkte mir „Die Nacht von Sevilla“. Stephan Klemm, Historiker und Redakteur beim Kölner Stadt-Anzeiger, hat einem einzigen Fußballspiel ein ganzes Buch gewidmet: Dem WM-Halbfinale von 1982 zwischen Deutschland und Frankreich. Ein historisches Match, ein Mythos. Als Berichterstatter für die Deutsche Presse-Agentur saß ich an jenem 8. Juli 1982 auf der Tribüne des Estadio Ramón Sánchez Pizjuán.

Vorweg: Das Buch ist saugut recherchiert. Rund um die deutsche Mannschaft haben ich erwartungsgemäß wenig Neues erfahren. Schießlich war ich, abgesehen vom Vorbereitungs-Trainingslager am Schluchsee, dort war mein dpa-Kollege Heinz Reudenbach – ganz nah dran am deutschen Team. Wir wohnten in Gijón und Madrid unter einem Dach. Keine gesunde Situation für Journaille und Mannschaft, nicht nur bei dieser WM.

Ich bin kein Nostalgiker. Aber natürlich stiegen beim Lesen viele Erinnerungen hoch. Über die unfassbare Dramatik hinaus – die deutsche Mannschaft lag in der Verlängerung bereits 1:3 zurück und schaffte noch das 3:3 und das Elfmeterschießen, den entscheidenden Strafstoß verwandelte Horst Hrubesch – war es ein herausragendes Fußballspiel. Überschattet vom Zusamenprall des deutschen Torhüters Toni Schumacher mit dem Franzosen Battiston. Die großartigen Spieler um Michel Platini haben die Nacht von Sevilla, das konnte ich Stephan Klemms Gesprächen mit den Protagonisten entnehmen, bis heute nicht verkraftet.

Nach der WM reiste ich mit dem PKW von Madrid zurück nach Hause. An der spanischen Grenze zu Frankreich hätte mir der französische Zöllner am liebsten mitten auf die Zwölf gehauen. Ich übernachtete in Poitiers. Es war der 14. Juli, französischer Nationalfeiertag, Volksfest. ich war hungrig und durstig. Mein Schul-Französisch litt unter einem schweren deutschen Akzent.

Ein Spiel, ein Buch – Stephan Klemm, Die Nacht von Sevilla, Hardcover, 24,90 Euro, Verlag Eriks Buchregal.

Die heutige Post aus Thailand endet mit dem Bild rechts: Der amerikanische Traum in der russischen Version.

Herzliche Grüße aus Khanom,

bis die Tage,

Khun Ben