Chinesen lieben Vogelnester

In der Gomantong-Höhle 30 km südlich von Sandakan ernten schwindelfreie Malaien Nester der Salangan-Schwalben ab. Ein schwieriger Job, aber ein lohnender. Geerntet wird nur zweimal im Jahr, um die Art zu erhalten. Die Chinesen bezahlen Preise im fünfstelligen Euro-Bereich für ein Kilo der Eier, die Schwalbennestersuppen erst zur Delikatesse machen. Solche Kostbarkeiten wecken Begehrlichkeiten. So müssen Männer Nacht für Nacht in luftiger Höhe und schmalen Hütten außerhalb der Höhle übernachten, um Räuber abzuschrecken, die von außen direkt zu den Eiern vorstoßen wollen.

Zwei große Höhlen bilden das Höhlensystem von Gomantong: Die besser zugängliche Simud Hitam („schwarze Höhle“), die wir besuchten, und die größere, etwas oberhalb liegende Simud Putih („weiße Höhle“). In Simud Hitam dominieren die Gelege der Schwarznestsalangane, in Simud Putih die der Weißnestsalangane. In beiden Höhlen zusammen brüten etwa 1,5 Millionen Schwalben – in der Nachbarschaft von ebensovielen Fledermäusen.

Nach dem Besuch der Höhle fuhren wir zurück nach Sandakan und aßen zu Mittag im Agnes-Keith-Haus, einem Museum hoch über Stadt. Die nächste Station hieß Selingan, eine der Schildkröteninseln zwischen Malaysia und den Philippinen, mit dem Speedboot eine Stunde Fahrt von Sandakan entfernt.

Auf Selingan gibt es ein einziges Hotel. Nur kleine Besuchergruppen dürfen in den einfachen Bungalows übernachten und maximal eine Nacht. Was auf anderen Inseln die Atmosphäre bestimmt, ist hier untersagt: Abendliche oder nächtliche Spaziergänge am Strand, hell leuchtende Taschenlampen, Lagerfeuer, Tanz und Musik.

Die Frauen und Männer auf Selingan nehmen die Touristen als aller Welt als notwendiges Übel hin. Schließlich finanzieren die Gäste die Forschungsstation zum Schutz der seltenen Grün- und Hawksbill-Wasserschildkröten, die im Schutz der Dunkelheit am Strand ihre Eier ablegen. Diese werden von den Rangern auf einer Art Plantage im Sand vergraben, mit einem kleinen Drahtgeflecht geschützt, so dass tierische Eierdiebe ratlos wieder abziehen. Nach dem Schlüpfen werden die kleinen Racker von den Rangern zum Strand getragen, dort robben sie ins salzige Wasser der Sulu-See, machen ihren Freischwimmer und kämpfen erst einmal nur ums Überleben.

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Rückfahrt nach Sandakan