Tour de Vielfalt – Glück in Kandy

Pinnawala, Sri Lanka (Photo B. Linnhoff/Faszination Fernost)

Pinnawala, Sri Lanka (Foto B. Linnhoff/Faszination Fernost)

6. Tag: Polonnaruwa – Geschichte open air

Am Nachmittag streifen wir durch die historischen Stätten des Weltkulturerbes von Polonnaruwa. Begehen die große Geschichte einer kleinen Stadt (knapp 16 000 Einwohner).

Wo immer wir auch auftauchen, Sri Lankas Jugend ist schon da. Ganz in Weiß und in Mengen. Der Februar ist der Monat der Schulausflüge, damit der Nachwuchs das kulturgeschichtliche Erbe aus eigener Anschauung erlebt.

An allen historischen Schauplätzen, die wir in diesen zwei Wochen besuchen, fällt uns die hohe Zahl der einheimischen Erwachsenen auf. Auch für sie bleibt die Vergangenheit lebendig.

Gal Vihara, Polonnaruwa, a rock temple from te 12th century (Photo B. Linnhoff/Faszination Fernost)

Gal Vihara, Polonnaruwa, ein Felsentempel aus dem 12. Jahrhundert (Foto: B. Linnhoff/Faszination Fernost)

Unser Hotel „Sudu Araliya“ liegt an den Ufern des „Parakrama-Meers“. König Parakramabahu I. erbaute diese Anlage aus insgesamt fünf Becken und sicherte so die Reis-Bewässerung auch während der Trockenzeit. Im 12. Jahrhundert und lange darüber hinaus galt der Stausee als Weltwunder.

7. Tag: Von Polonnaruwa nach Wasgamuwa

Ganesh, der Gott der Reisenden und der Schreiber, hier in Mahagoni (Foto: B. Linnhoff/Faszination Fernost)

Vor der Abfahrt zum Wasgamuwa-Nationalpark halten wir bei „Nishanta Woodcarving„. Nach eigener Bezeichnung eine Kunstgalerie für Holzschnitzereien, Masken, Bilder. Natürlich wünscht sich dieser Laden kauffreudige Touristen; bei größeren Objekten wird auch per Schiff nach Hause geliefert. Obwohl wir den Kunsthandwerkern beim Schnitzen auf die Finger schauen, können wir die Qualität der Arbeiten und der Hölzer nur schwer beurteilen.

Ein schwarzer Buddha (Ebenholz) ruft nach mir, er soll 1400 Euro kosten. Das ist schon mal eine Ansage, muss aber nicht das letzte Wort sein. Und doch ist es die Preispolitik, die diesem Unternehmen den Titel „Touristenfalle“ eingetragen hat. „Kaufen Sie woanders, aber zu einem Bruchteil des Preises“, rät „Marco M“ aus Braga/Portugal auf Tripadvisor.

Positiv bewerten die Kunden die Qualität der Objekte und eine entspannte Atmosphäre ohne Kaufdruck.

Heia Safari im Nationalpark

Am Nachmittag sehen wir diverse tierische Bewohner des Wasgamuwa-Nationalparks. Marabus, wilde Büffel, Pfauen sowieso. Wir sehen erstaunlich viele einheimische Besucher. Elefanten sehen wir nicht. Als wüssten sie, dass es erst am Tag darauf ganz wesentlich um ihr Schicksal geht.

Gadja Safari Lodge, Wasgamuwa, Sri Lanka (Photo B. Linnhoff/Faszination Fernost)

Gadja Safari Lodge, Wasgamuwa, Sri Lanka (Foto: B. Linnhoff/Faszination Fernost)

So muss eine Unterkunft aussehen vor den Toren eines Nationalparks, in Rufweite wilder Tiere. Die Gadja Safari Lodge gibt es noch nicht lange, doch an ihrem Erfolg zweifeln wir nicht.

8. Tag: Wasgamuwa

Es ist einer jener Tage, die sich für immer einbrennen. Majestätische Landschaften, lebendige Natur, neue Einsichten.

5.30 h morgens im Wasgamuwa-Nationalpark im Zentrum Sri Lankas. Eben hat es noch geregnet, doch nun lichten sich die Wolken. Wir steigen einen Hügel hinauf, der uns vorkommt wie ein Berg.

Landscape, Wasgamuwa National Park, Sri Lanka (Photo: B. Linnhoff/Faszination Fernost)

Landschaft, Wasgamuwa Nationalpark, Sri Lanka (Foto: B. Linnhoff/Faszination Fernost)

Wir gehen über schwarz-graues Gestein, eine Mischung aus Granit, Laterit und Quarz – eine Mischung, die auch kurz nach dem Regen zwar nass ist, aber nicht rutschig.

Missionar im Mensch-Elefanten-Konflikt

Auftritt Chintaka Weerasinghe. Projektmanager der Sri Lanka Wildlife Conservation Society. 40 Jahre jung, verheiratet, eine Tochter. Seit 12 Jahren ist er, der eigentlich Wirtschaft studierte, nun in dieser Region tätig. Auf der Suche nach einer Lösung für eine möglichst friedliche Koexistenz zwischen Mensch und Elefant.

In einer ganz speziellen Bergpredigt erklärt uns Chintaka, wie er den Konflikt zwischen Menschen und Elefanten minimieren will: „Wir sehen das gesamte Beziehungsgeflecht. Elefanten und drei Dörfer teilen sich den selben Lebensraum.“

„Wir haben viel versucht. Doch Elektrozäune wurden von den Elefanten einfach niedergerissen. Die Herden“, sagt Chintaka, „sind nicht das Problem. Es sind die Bullen, die Einzelgänger. Sie scheren sich um nichts.“

Im jüngsten Experiment sollen nun ausgerechnet grüne Orangen die Dickhäuter fernhalten. Die mögen den Geruch der Früchte nicht. Die Wildlife Society übernimmt für die Bauern den Vertrieb auf den regionalen Märkten. Denn der Anbau grüner Orangen muss sich für die Farmer lohnen. „Letztlich geht Tierschutz immer über Finanzierbarkeit“, sagt Bodo Förster, „aber es gibt keine allgemeine Lösung. Auch Chintakas Ansätze gelten nur für diese eine Region in Sri Lanka. Ihr seht“, wendet er sich an uns, „wie komplex Tierschutz ist, wenn man ihn zu Ende denkt.“

9. Tag: Das Elefanten-Waisenhaus von Pinnalawa

Baden und Spielen im Elefanten-Waisenhaus von Pinnawala (Foto: B. Linnhoff/Faszination Fernost)

Die Zuschauer entlang des Weges haben Spaß, als die jungen und alten Elefanten die Straße entlang zum Flussbad trotten und wieder zurück in ihr weiträumiges Gehege. Das Elefantenwaisenhaus von Pinnawala, gegründet 1975, ist eine Touristenattraktion. Wäre sie das nicht, stellte sich wieder die Frage: Wer bezahlt das Futter für die verwaisten oder auch verwundeten Elefanten, die hierher kamen, hier leben und nur hier leben können?

Da wir seit einiger Zeit mit Elefantentrainer Bodo Förster unterwegs sind und inzwischen kundiger hinschauen können, fällt uns auf: Manche Tiere scheinen zu fett, manche nicht fit, einige ängstlich in ihren Reaktionen auf die Mahuts. Man kann mit Elefanten auf der Basis von Vertrauen arbeiten oder nach dem Prinzip Angst.

Bodo Förster schließt nicht aus, dass wir in Pinnawala die Zukunft sehen: „Elefanten kosten, Touristen bezahlen, und es gibt keinen individuellen Kontakt. Was mich erstaunt und was mir gefällt: Achtzig Prozent des Publikums sind Einheimische! “

Foto: B. Linnhoff/Faszination Fernost

9. – 11. Tag: Kandy

Photo Claude Hambeck/Faszination Fernost

Foto: Claude Hambeck/Faszination Fernost

500 m hoch gelegen im Zentrum Sri Lankas, 150 000 Einwohner. Kandy war die Hauptstadt des letzten singhalesischen Königreichs vor der Eroberung Ceylons durch die Briten 1815. In der Draufsicht vermittelt der Kandy-See eine Idylle, die der Realität einer geschäftigen und spannungsreichen Stadt nicht standhält.

Der Elefanten-Pfauen-Schmetterlings-Tanz

Traditional dance in Kandy, Sri Lanka (Photo B. Linnhoff/Faszination Fernost)

Trommler beim traditionellen Tanz in Kandy (Foto: B. Linnhoff/Faszination Fernost)

„Dieser traditionelle Tanz zeigt die Bewegungen des Elefanten pfauen schmetterlings um die Gewohnheiten zu demonstrieren.“ So steht es im Programm. Und das ist nur einer von zehn Tänzen am Abend, in denen die Tänzer den nimmermüden Trommlern Eleganz und Geschmeidigkeit entgegensetzen – und ein nimmermüdes Lächeln.

Foto: B. Linnhoff/Faszination Fernost

Sri Dalada Maligawa: Buddhas linker Eckzahn

Trompeter im Zahntempel zu Kandy (Foto: B. Linnhoff/Faszination Fernost)

Sri Lankas Buddhisten reisen nach Kandy, weil leut Überlieferung im „Zahntempel“ der linke Eckzahn Buddhas als Reliquie ruhen soll. Und im Zahn soll die spirituelle Kraft des Erleuchteten gespeichert sein.

Ich war schon 1981 dort und habe den Zahn nicht gesehen. So ist es auch diesmal – die Menschen pilgern in Massen an einem Schrein vorbei, in dem er liegen soll.

Am Morgen des 11. März besteigen wir den Zug nach Nuwara Eliya. Exakt zwei Stunden später brechen in Kandy massive Unruhen aus zwischen Buddhisten und Muslimen. In den Tagen darauf verkündet Sri Lankas Regierung den Ausnahmezustand; u. a. werden alle sozialen Medien für eine Woche vom Netz genommen. Denn auch Facebook spielte eine Rolle bei diesen Unruhen, wie die New York Times beleuchtete.

11. bis 16. Tag: Von Kandy nach Weligama

Mit dem Zug nach Nuwara Eliya

Foto: Claude Hambeck/Faszination Fernost

Eine Zugfahrt ist in Sri Lanka immer zu empfehlen, als Schaufenster in betörende Natur. Unsere Damen allerdings konzentrieren sich auf den Schaffner in schmucker Uniform und coolem Schuhwerk.

Teatime: Klein-England im Hochland

Teatime in Nuwara Eliya (Photo Faszination Fernost/C. Hambeck)

Teepflückerinnen nahe Nuwara Eliya (Foto: Claude Hambeck/Faszination Fernost)

Knapp 2000 m hoch gelegen und angenehm kühl, war die Kleinstadt Nuwara Eliya einst Rückzugsort für britische Kolonialbeamte. Die „Stadt des Lichts“ liegt inmitten von Teeplantagen und bewahrt ihr koloniales Erbe mit musealer Sorgfalt.

Die Elefanten von Udawalawe

The elephants of Udawalawe (Photo Faszination Fernost/B. Linnhoff)

Foto: B. Linnhoff/Faszination Fernost

Die Fahrt von unserem Hotel Nil Diya Mankata zum Nationalpark von Udawalawe dauert nur ein paar Minuten, zur Einstimmung wartet schon vorher ein recht kräftiger Bulle am Rand des Weges. „Er steht immer hier“, sagt unser Guide Udaya, „als wolle er die Touristen begrüßen.“

Foto: B. Linnhoff/Faszination Fernost

Im Park erleben wir völlig entspannte Elefanten und sind ganz nah dran. Es ist einer dieser Momente, die eine Ahnung vom Paradies vorgaukeln – von einem Paradies, in dem eine friedliche Koexistenz von Mensch und Tier möglich scheint. Gäbe es genügend Lebensraum und Nahrung für alle.

Foto: B. Linnhoff/Faszination Fernost

Kein Tier haben wir in Sri Lanka so oft gesehen wie den eitlen Pfau. Gefolgt von Waranen und Eisvögeln. Auch der Park von Udawalawe hat viel mehr zu bieten als Elefanten – Adler zum Beispiel.

Sinharaja: In der Hitze des Regenwaldes

Sinharaja-Nationalpark Sri Lanka (Foto Claude Hambeck/Faszination Fernost)

Es ist heiß, als wir am drittletzten Tag am Sinharaja Nationalpark ankommen, einem der letzten großen zusammenhängenden Waldgebiete Sri Lankas. Tiefland-Regenwald und seit 1988 UNESCO-Weltnaturerbe. Wir werden vor Blutegeln gewarnt, doch mir reicht schon die Hitze, um auf die Wanderung im Park zu verzichten. Kleine Wasserschlangen liegen schon am Eingang auf Lotusblättern. Besonders beeindruckt hat mich die bombastische Toilette.

Sinharaja Nationalpark, Toilette (Foto: B. Linnhoff/Faszination Fernost)

Weligama – Verregnete Wale zum Abschied

Ja wo schwimmen sie denn? (Foto: Claude Hambeck/Faszination Fernost)

Heftiger Regen vor der Küste Weligamas im Südwesten Sri Lankas. Dort schmetterte 2004 der Tsunami an Land; Sri Lanka beklagte etwa 36 000 Tote. Wer mag sich da über heftigen Regen beklagen? Auch wenn das Wetter besser sein könnte, um Wale zu finden und zu beobachten.

Abschied nach 16 denkwürdigen Tagen

Hotel 22 Weligambay (Foto: B. Linnhoff/Faszination Fernost)

„Twenty-Two Weligambay“ heißt das letzte Hotel auf unserer Tour. Als wir zum Abschied Dank sagen an Bodo Förster und Elephant Special Tours, scheint wieder die Sonne. Auch für unseren Führer Udaya, der seit Tagen in ständiger Sorge lebte um Frau und Kinder im unruhigen Kandy. Sie sind wohlauf.

Video: Bernd Linnhoff; Musik: Srilanka matha BNS

Fotos: Bernd Linnhoff (93), Claude Hambeck (16), Homepage Hotel Nil Diya Mankata (2)

Weitere Links zum Thema Sri Lanka:

Asiens kleines Wunder (Teil1)
Sri Lanka: Ein Wolf im Reich der Affen