Mal gucken, was die Makaken machen

Tierbeobachtung ist morgens! Aufstehen 5 Uhr. Wir wollen erleben, wenn der Ceylon-Hutaffe in den Bäumen vom elfstündigen Schlaf erwacht und zu Boden geht.

Seit 50 (in Worten: fünfzig) Jahren beobachtet Wolf Dittus die Hutaffen, eine Makaken-Art. Sie haben sich an ihn gewöhnt, wovon auch wir profitieren. Die Affen lassen sich weder von uns stören noch von gelegentlichem Motorenlärm. Ihr turbulenter Alltag spielt auf kulturhistorischem Gelände. In der „Heiligen Stadt“ Polonnaruwa, in den Ruinen der einstigen Kapitale Ceylons, heute Weltkulturerbe der Unesco.

Uns Kulturbanausen aber erinnert die Szenerie vor allem ans Dschungelbuch.

Seit 50 Jahren auf den Spuren der Makaken: Wolf Dittus, 2. v. l. (Foto: B. Linnhoff/Faszination Fernost)

Dittus verfolgte bisher das Leben von mehr als 4500 Affen von der Geburt bis zum Tod. Grundlage der intensivsten Langzeitstudie, die je von Primaten erstellt wurde. Eine ähnlich lange gibt es nur vom Hanuman-Languren. Der wiederum teilt sich den Lebensraum mit den Hutaffen, so dass der Autor der Studie kein anderer sein kann als – Wolf Dittus. Hier hat ein Biologe und Verhaltensforscher seine Bestimmung gefunden; Führungen wie die mit uns zählen zu den Ausnahmen seines fokussierten Gelehrtenlebens.

Foto: Claude Hambeck/Faszination Fernost

1943 in Berlin geboren, des Krieges wegen schnell in den sicheren Schwarzwald gebracht, verschlug es Dittus als jungen Mann erst nach Kanada und dann nach Sri Lanka. Da Makaken nicht so attraktiv ausschauen wie Schimpansen oder Berggorillas, forschte Dittus im Gegensatz zu Jane Goodall und Diane Fossey unter der öffentlichen Wahrnehmungsschwelle. Die Experten aber stellen ihn auf eine Stufe mit den berühmten Kolleginnen. 

Hanuman-Langur (Alle Languren-Fotos: Claude Hambeck/Faszination Fernost)

Seine Informationen und Beobachtungen serviert uns Dittus an diesem Morgen mit oft lakonischem Humor. Schließlich lädt er uns in sein Haus; seine ceylonesische Frau empfängt uns mit Tee, Gebäck und strahlendem Lächeln. Zum Abschluss zeigen uns die Dittus` den Film „Monkey Kingdom“ von Disneynature (2015, 81 Minuten).

Gedreht über drei Jahre in Polonnaruwa – dort, wo wir gerade Makaken gucken waren; Kosten des Films: 15 Millionen US-Dollar. Als „Das Reich der Affen“ gibt es den Streifen inzwischen auch in der deutschsprachigen Version auf DVD/Blu-Ray.

„Als Biologe“, sagt Wolf Dittus, der die Dreharbeiten in „seinem“ Reich als Berater begleitete, „wünscht man sich ja etwas mehr Realismus. Aber Disney ist nun mal Disney.“ So steht am Ende eine Mischung aus Doku und Spielfilm. Eine Geschichte, die es in dieser Form in der Natur nie gäbe. Wir lassen uns dennoch verzaubern von anrühenden Bildern – schaut euch den Trailer an! Und dazu die Szenen rund um die Dreharbeiten, in denen kurz auch Wolf Dittus und Jane Goodall auftauchen.

Beitragsbild: Claude Hambeck

Videos: Bernd Linnhoff, Youtube (2)

Fotos: Claude Hambeck (6), B. Linnhoff (1)