This is Thailand: Lächeln auch unter Kriegsrecht

Thailand übernimmt gerne Gutes und besitzt dann die originäre Qualität, aus dem Fremden einen eigenen Markenartikel zu machen. Das „Land des Lächelns“ ist eigentlich Japan; auch das Tuk-Tuk kommt aus Nippon. „Thai Smile“ aber ist durch und durch Thailand – die Visitenkarte des Königreichs.

Eine Visitenkarte allerdings mit unterschiedlichen Prägungen. Die Thais kennen mindestens 13 verschiedene Arten zu lächeln – es heißt, sie haben ein Lächeln für jedes Gefühl. Manchmal lächeln die Siamesen, um ihren Zorn zu kaschieren. Vorsicht ist geboten vor dem entschuldigenden, dem „trockenen Lächeln“, „yim haeng“ auf Thai –  geboren aus Verlegenheit, wenn sie Fehler gemacht haben und Gesichtsverlust fürchten.

Meist aber formen Lippen und Augen lächelnd eine Botschaft der Sympathie, der Wärme, des Willkommens. Doch woher rühren Selbstvertruen und Selbstzufriedenheit der Thais, die in ein so bezauberndes Lächeln münden? Das selbst unter Militärjunta und Kriegsrecht unerschütterlich bleibt!

Usnisa Sukhsvasti, Redakteurin der Bangkok Post, beantwortet diese Frage. Sie gewährt damit auch Einblick in die Seele Thailands. Überschrift ihrer Kolumne: Luck is created, not found – Glück wird nicht gefunden, sondern erschaffen. Hier also auszugsweise das Statement der Post-Autorin; in der Übersetzung habe ich mich bemüht, möglichst nahe am Original zu bleiben:

„Mein tägliches Stöbern auf Facebook führte mich zu einem chinesischen Medienbericht, der Thailand als eines der glücklichsten Länder der Welt  bezeichnet. Die Gründe für Thai Smile, das Lächeln der Thais, sind demnach folgende:

1. Die Fülle an Nahrungsmitteln, jederzeit und überall zum Verzehr bereit.

2. Die Fülle an natürlichen Ressourcen.

3. Nicht in einer Erdbebenzone gelegen.

4. Nicht in der direkten Einflugschneise von Taifunen.

5. Nie vom Westen kolonisiert.

6. Unbesiegt in beiden Weltkriegen.

7. Schmelztiegel aller Nationalitäten und Relgionen in einem einzigen Land. Frei wie kein anderes Land der Welt.

8. Umsorgt von einem hart arbeitenden Monarch mit über 3000 Entwicklungsprojekten, um das Leben seines Volkes zu verbessern.

9. Der Buddhismus ist zu größerer Blüte gelangt als anderswo in der Welt, dank dem König als höchstem Schutzherrn.

Ich fand diese Begründungen ziemlich interessant. Es stimmt letztlich, dass die größere Erdbebengefahr bei unseren Nachbarn liegt, gar nicht weit jenseits unserer Grenzen; und obwohl wir kürzlich einige Schäden abbekommen haben, war das nichts im Vergleich zu den Katastrophen in China und vielen anderen Ländern. Auch liegen wir eher in der Auslaufzone der Taifune, die auf den Philippinen und in Ländern am Südchinesischen Meer verheerende Wirkung zeigten.

Dennoch weiß ich, dass wir über jeden der Punkte oben diskutieren könnten, bis die Kühe nach Hause kommen. Unsere natürlichen Ressourcen werden gewildert und zerstört; die Abwesenheit jedlicher Kolonialisierung ist einer Anbetung der westlichen und koreanischen Popkultur gewichen; in unseren buddhistischen Tempeln wimmelt es von Profanem. Es gibt also vieles, was zu verbessern wäre.

Es macht mich jedoch wütend, wenn Menschen ihre wache Zeit damit verbringen, im eigenen Land Fehler zu finden. Ich weiß, dass wir nicht perfekt sind – es gibt nur sehr wenige Länder, die auch nur in die Nähe von Perfektion kommen. (…) Nein, wir sind nicht perfekt, aber ehe ich mich beklage, bin ich lieber dankbar dafür, hier geboren zu sein und zu leben.

Unser Regierungssystem ist wackelig, um es vorsichtig auszudrücken. Wir durchschreiten eine Ära von Versuch und Irrtum, aber so, wie wir europäischer Kolonisierung und den Weltkriegen relativ unversehrt entkommen sind, so haben wir uns unseren Weg gebahnt durch die Höhen und Tiefen unseres poltischen Systems, durch Coups und all das, und dabei eher Samthandschuhe benutzt als Maschinengewehre. Das kann man nicht von vielen Ländern sagen.

Trotz all der Schlupflöcher in der Verwaltung der thailändischen Buddhistengemeinschaft eignet sich die Religion selbst für eine weltoffene und verschiedenste Spielarten umfassende Gesellschaft. Obwohl Buddhistin, bin ich sehr glücklich darüber, eine Kirche zu besuchen und die Bibel zu lesen. Diese Freiheit und Zwanglosigkeit hat, so denke ich, vielen Thais das Lächeln vermittelt, das so manche Werbekampagne an den Start gebracht hat.

Was die Temperaturen angeht, so liegen wir genau richtig – nicht zu heiß, nicht zu kalt -, verglichen mit vielen anderen Ländern. (…) Wir hatten unseren Anteil an Überschwemmungen und anderen Naturkatastrophen, aber immer dann können wir darauf zählen, dass alle Menschen im Land zusammenrücken und jeder bereit ist, Zeit und Geld in die Hilfe für andere zu investieren. Der Mangel an Verantwortung seitens der Behörden untergräbt nicht den Willen der Menschen, Gutes zu tun.

Bangkok Flut 2011

Bangkok: Die Flut von 2011

Und trotz der unansehnlichen Knäuel von überirdischen elektrischen Leitungen an jeder Straßenecke, trotz des Fehlens jeglicher Vorgaben bei Design oder Architektur von Gebäuden hat Bangkok, unsere Stadt der Engel, ihren ureigenen Charme – man muss nur genau hinschauen. Ich bin immer wieder verblüfft und überrascht angesichts der verborgenen Schönheit, wenn ich mein alltägliches Tempo mal reduziere.

(…)

Manche Leute glauben, Thailands Glück läge darin begründet, dass Phra Siam Devadhiraj, die Schutzgöttin des Landes, ein wachsames Auge auf uns hat. (…) Aber was auch immer die Gründe sein mögen für dieses Glück, es ist nicht denkbar ohne das Bemühen und den Einsatz seiner Bürger. (…)

Ich glaube, dass das Glas Thailand halbvoll ist und nicht halbleer. Es braucht unser aller kollektives positives Denken und nicht Gejammer und Geklage, um uns in die richtige Spur zu bringen.

Sawasdee