Die Zukunft ist offen

Es ist Tag 1 nach den Bombenanschlägen in Thailand. Ich habe erste Analysen gelesen, in thailändischen Medien, in deutschen. Politiker aller Länder sind in solchen Momenten überfordert. Zu schnellen Stellungnahmen gezwungen, retten sie sich in Beschwichtigungsformeln: „Keine Panik jetzt!“ Bei einer Militärregierung wie in Thailand rührt es zudem an die Identität, wenn ausgerechnet das Militär die Sicherheit des Landes nicht – wie beabsichtigt – garantieren kann und auch noch national und international kritisiert wird.

Ich lebe in diesem Land und kann inzwischen ermessen, welche Bedeutung „Face“ hier und in Asien generell hat: Gesicht wahren oder verlieren. Unter diesem Druck neigen Amtsträger zu schnellen Schlussfolgerungen und überhasteten Aktionen, um so etwas wie den Anschein zu vermitteln, die Angelegenheit im Griff zu haben. Hinter all dem steckt natürlich auch die Sorge, Thailands Tourismus als aktuell florierendster Wirtschaftszweig könnte einbrechen. So werden Tote und Verletzte in grimmiger Konsequenz bloße Chiffren ökonomischer Wertschöpfung – Zeichen unserer Zeit.

Seit meiner Übersiedlung 2008 habe ich die politische und soziale Spaltung meiner Wahlheimat intensiv verfolgt. Als externer, schweigender Beobachter – Kommentare von Ausländern werden von den Offiziellen hier weder gerne gesehen noch gehört. Das Argument: Fremde seinen nicht in der Lage, Thailand zu verstehen. Ein bequemes Argument.

Die Reisedestination Thailand ist bisher aus allen Krisen der letzten Jahre nicht nur unversehrt, sondern den reinen Zahlen nach gestärkt hervorgegangen. Die Zukunft hängt nun davon ab, ob Anschläge wie die gestrigen mit ausländischen Opfern eine Ausnahme bleiben oder nicht. Weltweit hat die Reiselust unter dem Terrorismus nicht gelitten; dereinst beliebte Ziele aber leiden durchaus.

Thailand hat sich in den letzten dreißig Jahren ein riesiges Vertrauenspotential bei Urlaubern erworben, die sich hier – wie ich als Dauergast – auch meist willkommen und frei fühlen konnten. Und viele Reisende akzeptieren inzwischen, dass sie inzwischen schneller als früher zur falschen Zeit am falschen Ort sein können. Es ist Tag eins nach den Anschlägen in Hua Hin, Phuket, Trang, Phang-Nga. Die Zukunft ist offen.