Das Diktat der weißen Haut

Schönheit ist auch in Thailand zur Obsession geworden. Das Ideal orientiert sich an Korea und Japan: Porzellanweiße Haut, nur sie verspricht Chancen, Erfolg, Status. Es gibt viele hübsche Thailänderinnen; Nonthawan “Maeya” Thongleng ist die Schönste, ganz offiziell: Miss Thailand 2014.

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Maeyas Wahl im vergangenen Juli allerdings quittierten viele Landsleute mit hoch gezogenen Augenbrauen. Ihre Krönung war eine Sensation. Denn die 22-Jährige hat dunkle Haut, ein Makel, zumindest nach einheimischen Maßstäben. Olivfarbene oder gar noch dunklere Tönung verweist auf Menschen, die draußen arbeiten müssen, die Bauern, die Bauarbeiter, die Armen. Das war einst in Europa nicht anders. In gar nicht so ferner Vergangenheit konnte Schönheit auch in unseren Breiten nur weiß sein.

Heute brutzeln sonnensüchtige Westler an Thailands tropischen Stränden; braune Haut verheißt (so lange sie hält) Sozialprestige, wirkt gesünder, frischer und beweist: Toller Urlaub! Die Thais stehen derweil in langärmeligen Hemden im Schatten und wundern sich: Warum zerstören die Gäste mutwillig das Geschenk natürlich-weißer Haut?

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Frauen am Strand von Qingdao (Foto: German-China)

Immerhin hat die Angst der Siamesen vor dem Sonnenlicht noch nicht jene Stufe erreicht, die die Frauen im chinesischen Qingdao in einer Art Ganzkörperkondom an den Strand treibt. Gekrönt vom „face-kini“, der Skimaske mit Luftlöchern für Mund, Nase und Augen.

Thailands Supermarktregale biegen sich unter der Last der Bleichmittel aller Art, für die Zähne, für den Körper. Die einschlägige Industrie verdient Milliarden damit, Millionen weiszumachen, bestimmte Produkte könnten weiß machen – ein Versprechen, das selten eingelöst wird. Was der Nachfrage jedoch ebenso wenig schadet wie das Verbot mancher Wundermittel, die auch noch der Gesundheit schaden. Selbst populäre Entertainer, so heißt es, nutzen Produkte mit dem Wirkstoff Gluthation, der die Haut aufhellen soll.

So manche dunkelhäutige Thai-Lady – und manch dunkelhäutiger Thai-Mann – gestanden öffentlich, Maeyas Wahl zur Miss Thailand sei Balsam gewesen für oft verletzte Gefühle. Eine Atempause für ihre Minderwertigkeitskomplexe. Viele hofften auf den Beginn einer neuen Ära, mit einem weniger engen Schönheitsbegriff, der endlich dem Hautfarbenspektrum der Bevölkerung gerecht würde.

Schön wär`s.

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Dieser Tage übernahm Nonthawan „Maeya“ Thongleng eine Hauptrolle im TV-Drama Saonoi Roilan (Millionärsmädchen). Dafür bekam sie in den sozialen Medien umgehend eine verstörende Quittung. Wie die Bangkok Post berichtete, gehörte der Kommentar einer gewissen Dao Lanla noch zu den gemäßigten: „Sie ist nicht schön und zu dunkel.“ „Mit ihrer Haut“, so andere Kritiker, dürfe Maeya allenfalls Model sein, aber nicht Schauspielerin.

Der nächste Kommentator fragte Thailands amtierende Miss unverblümt, warum sie nicht gleich eine Rolle als Köhlerin übernommen hätte. Werde sie nicht ersetzt, so müsse das TV-Stück wohl ohne Zuschauer auskommen. Maeya reagierte betroffen.

Im Dezember 2014 vertrat Nonthawan „Maeya“ Thongleng ihr ThaiLand bei der Wahl zur Miss World in London. Sie gewann den Publikumspreis.

Fotos: Miss World, thaiw3, MThai