This is Thailand: Zwillinge heiraten einander

Hochzeit der Zwillingskinder in Thailand Faszination Fernost

Orr (links) und ihre Schwester On mit Arty und Ida

„Bitte noch einmal von vorne“, sagte ich zu meiner Freundin Toey, „wir sind eingeladen zu was?“ „Orrs Zwillinge heiraten“, antwortete sie. „Aber die sind doch nicht einmal zwei Jahre alt!“, rief ich. „Deswegen ja,“ meinte sie.

Orr ist unsere Freundin, liebevolle Mutter von sechs Kindern, eine temperamentvolle Frau  mit dem Hang zu 161108_ida_und_artyverrückten Dancemoves und schnellen Schwangerschaften. „Mich muss ein Mann nur schief angucken“, sagte sie mal zu mir, „dann ist es wieder so weit.“ Seither schaue ich angestrengt an ihr vorbei.

Ihre jüngsten Nachkommen sind Gabriel Tanchanit, genannt „Arty“, und Abrianna Tanita, genannt „Ida“. Zwillinge unterschiedlichen Geschlechts, womit in Thailand die Geister das Spielfeld des realen Lebens betreten. Kein ungewöhnlicher Vorgang – im ehemaligen Siam leben Buddhismus und Geisterglaube in friedlicher Koexistenz.

Die Thailänder glauben, dass Zwillinge (Bruder und Schwester) in früheren Leben einander tief in Liebe verbunden waren, diese Liebe jedoch aus unbekannten Gründen nicht als Paar ausleben konnten. Buddha oder Gott oder wer immer dafür zuständig ist, gibt den einst unerfüllt Verbundenen mit der Zwillingsgeburt eine neue Chance.

Das Ganze ist selbst für Thai-Standards eine ziemlich seltsame Nummer.

161108_idaartyWas nichts daran ändert, dass die Eltern den Göttern/Geistern für diese zweite Chance dadurch danken müssen, dass die Zwillinge einander im frühen Kindesalter heiraten. Tun sie dies nicht, droht dem Nachwuchs, so der Glaube, ein unglückliches Leben oder gar früher Tod. Natürlich ist die Zeremonie rechtlich völlig unverbindlich.

Die Feier in Orrs Haus war, mal abgesehen vom Anlass, ein durchaus bodenständiges Zusammensein von Freunden und Familie. Arty und Ida, in feines Tuch gewandet, wussten vermutlich nicht so genau, worum es ging, zeigten aber in ihrer kindlichen Freude am Rollenspiel keinerlei Zeichen von Irritation. Sie sind auch heute noch einander eng verbunden – wie bei Zwillingen so üblich.

Dreijähriger zahlt 77 000 Euro Mitgift

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Foto: Love Pattaya Thailand

Es ist nicht überliefert, wie dem dreijährigen Petai Angdechawat zumute war, als er bei seiner Zwillingsschester Pailin zur Hochzeitszeremonie mit drei Millionen Baht (ca. 77 000 Euro) Mitgift vorstellig wurde, in Cash und in Gold. Petais Küsse zumindest stifteten mehr Verwirrung als Vergnügen, wie auf diesem Facebook-Video zu sehen ist. So geschehen in der Provinz Nakhon Sawan.

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