Die Seele baumelt im Osten

Amber Sands Beach Resort

Ich kam für drei Tage und blieb eine ganze Woche. Muss ich mehr sagen? Also dann.

Die Zeit im Amber Sands Beach Resort erinnerte mich an meinen ersten Thailand-Trip 1994 (Koh Samui, Koh Phangan, Koh Tao). Das Meer nur wenige Meter entfernt, Ruhe und Frieden, kaum Ablenkung von außen. Aktivität möglich, aber eher unwahrscheinlich. Dafür Erholung unumgänglich – wenn man Ruhe aushält.

Thailands zweitgrößte Insel Koh Chang im Golf von Siam ist umfangreich genug, um sich zwei völlig 150424_map-koh-changverschiedene Seiten zu leisten. Hier der Westen mit den weißen Traumstränden und einem durch alle Sterne deklinierten Hotelangebot, mit Bars, Restaurants, Discos, Supermärkten, Shopping. Im Osten geht die Sonne auf über nur wenigen Unterkünften. Bernsteinfarbener Sandstrand, naturbelassene Dörfer, Mangroven. Infrastruktur und Anmutung haben sich kaum geändert über die Jahre.

So bleibt die Wahl zwischen West und Ost eine Frage des Geschmacks und der persönlichen Prioritäten. Mein Programm: Seele baumeln lassen, lesen, schlafen, Massage. Letztere ist über das Resort zu buchen, und heran rauscht Tip, ambulante Masseurin mit umfassendem Wissen und Können, was jede Massage zur Therapie aufwertet. Die bei mir offensichtich nötig war. „Krank bist du nicht“, diagnostizierte sie, „aber dein Körper ist aus der Balance.“

Drückte sie einen Reflexpunkt am Fuß, antwortete das angesprochene Organ mit Schmerzen. Allein die Lunge schien in Ordnung. Was mich als (moderaten) Raucher natürlich freute. Aber nur nach innen. Eine Diskussion wollte ich mir ersparen. Die Argumente sind bekannt.

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Genügend Zeit und Raum bedeuten heute schon Luxus. So war ich im Amber Sands am richtigen Ort, zumal die Küche des Restaurants mehr als ausreichend kulinarische Reize bereit hielt, um mich in den ersten Tagen zumindest morgens und abends aus meinem „Superior Bungalow“, sprich: aus dem Bett zu locken. Das beruhigte Julian und Cheryl sehr, sie hätten sonst eine Vermisstenanzeige erwogen.

Amber Sands Beach Resort Koh Chang

Beide entdeckten den Spot im hohen Nordosten Koh Changs während eines Asien-Urlaubs 2008. Da hieß die Anlage noch „Funky Hut“ und ähnelte dem heutigen Anwesen nicht einmal entfernt. Und doch beschloss das Paar aus Südafrika: „Wir haben zwar keine Erfahrung in der Hotellerie, und wir sehen auch die Arbeit, die vor uns liegt. Trotzdem und dennoch: Hier lassen wir uns nieder.“

Was nach Schicksal klingt, war keine einfache Entscheidung. Cheryl und Julian lebten in London und genossen Stadt und Leben; er war Senior Manager eines weltweit tätigen Versicherungsunternehmens und kurz davor, sich mit den in 25 Jahren erworbenen Kenntnissen und Kontakten selbständig zu machen. In seiner Branche.

Entscheidung fürs Leben

Aber Julian ist es ernst mit seinem Motto: „Du lebst nur einmal!“ Die Investition in die Idee „Amber Sands“ versprach neben Arbeit vor allem Freude, „sonst hätten wir es ja nicht gemacht.“ Mittlerweile wurde das Beach Resort unter die „Top 25“ der „Smallest Hotels“ von ganz Thailand gewählt. Wegen seiner sehr persönlichen, von den Gastgebern gepflegten Atmosphäre. Vrbunden mit aufmerksamem Service, der auf Wunsch auch den Transport der Gäste vom Flughafen in Trat mit Van und Fähre bis vor die Haustür des Resorts organisiert.

Wohin reisen in ihren Ferien Menschen, die dort arbeiten, wo andere Urlaub machen? Für Julian und Cheryl bedeutet eine Auszeit logistische Herausforderung. Geografisches Patchwork, gelebte Globalisierung: Die beiden Südafrikaner aus London, die auf einer thailändischen Insel heimisch wurden, besuchen ihre drei erwachsene Sprösslinge, die mit ihren Partnern in England leben, in Neuseeland und im schönen Bayern.

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Auch er: Willkommen im Amber Sands

Fotos: Faszination Fernost/B. Linnhoff; Homepage des Amber Sands Beach Resort