„Todesbahn“ auf der Fahrt zum Weltkulturerbe

The River Kwai Bridge (Photo Faszination Fernost)

In Betrieb: Die Brücke am Kwai (Foto: Faszination Fernost/B. Linnhoff)

Mehr als 100 000 südostasiatische Zwangsarbeiter starben hier und mehr als 16 000 Kriegsgefangene der Alliierten. An Unterernährung, Entkräftung, tropischen Krankheiten, Folterungen. Die „Todesbahn“, in Thailand erbaut als japanisches Projekt im Zweiten Weltkrieg, verdient ihren Namen. Als Symbol für die „Death Railway“ steht noch heute die „Brücke am Kwai“ in Kanchanaburi, zwei Autostunden westlich von Bangkok. Zweimal verfilmt und beliebte Anlaufstelle für Touristen.

Nun hat Thailands Komitee zum Schutz von Kulturstätten eine Initiative gestartet, die der „Todesbahn“ das Prädikat  UNESCO-Weltkulturerbe eintragen soll. Als historisch bedeutendes Mahnmal des Grauens, wie es so schön heißt.

6982 Gräber (Foto: Walter Linnhoff/Faszination Fernost)

Wir sind mit dem Bus von Bangkok nach Kanchanburi gefahren. Auf dem Kriegsfriedhof an der Sangchuto Road nehmen wir die Parade ab. Hier ruhen die Überreste von 6 982 Briten, Australiern und Holländern. Oft herzzerreißend jung, 19 oder 20 Jahre, als sie beim Bau der Todesbahn ihr Leben ließen. „Hinter allen Schatten steht Gott“: Wen tröstet diese Inschrift auf dem Grab von R. E. Kirk, der am 20. September 1943 starb?

Foto: Britta Linnhoff/Faszination Fernost

Mit dem Longtailboot fahren wir weiter zur berühmten Brücke am Kwai.

Foto: Britta Linnhoff/Faszination Fernost

Er wurde getrommelt und gepfiffen: Der River-Kwai-Marsch. Ein Ohrwurm im Jahr 1957 und Titelsong des Films „Die Brücke am Kwai“. David Lean hieß der Regisseur; William Holden und Alec Guinness beeindruckten in den Hauptrollen. Sieben Oscars krönten ein Werk, das erstmals den Blick der Weltöffentlichkeit auf ein historisches Drama im Westen Thailands lenkte.

Foto: DVDcover

Zwei Schönheitsfehler hatte der großartige Film: Gedreht wurde er in Sri Lanka, und er ignorierte weitgehend die geschichtlichen Fakten.

Die sahen grob so aus: Das 1936 geschlossene Bündnis zwischen Japan und Hitler-Deutschland garantierte den Japanern freie Hand bei der „Neuordnung“ Asiens. 1942 gestartet, sollte der Bau der 415 km langen Strecke von Thailand nach Burma Japan helfen, sich in Thailand breitzumachen und Burma zu erobern, damals noch britische Kolonie.

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Die Arbeiter litten unter entsetzlichen Bedingungen und den Grausamkeiten der japanischen Aufseher. Als die Holzbrücke über den Fluss Kwaeh Yai fertig war, wurde etwa 100 m flussabwärts mit dem Bau einer zweiten, eisernen Brücke begonnen; der schwarze Stahl dafür kam von der indonesischen Insel Java.

Einschub: Den Namen River Kwai führten Ausländer ein – sie konnten ihn leichter aussprechen als Kwae Yai. Ausländer, die haute die Brücke besuchen, seien dennoch gewarnt. Thai ist eine tonale Sprache. Schon eine minimal verrutschte Betonung verändert den Sinn eines Wortes dramatisch. „Kwai“ bedeutet auf Thai auch Wasserbüffel, anders betont aber Penis. Daher spricht der Tourist am besten von the bridge.

Zurück zur Historie, ich zitiere aus einem Merian-Sonderheft über Thailand:

„Im Februar 1945 und Juni bombardierten Briten und Amerikaner beide Brücken; die hölzerne wurde zerstört, die eiserne schwer beschädigt. Ein großer Teil der Strecke wurde von den Briten noch nach Kriegsende unbrauchbar gemacht – und anschließend dem thailändischen Staat für 50 Millionen Baht verkauft.“

Während wir über die Kwai-Brücke wandern, ist die Stimmung heiter und gelöst. Nichts erinnert an das einstige Schreckensszenario. Nicht weit entfernt, im Sai Yok Nationalpark, sieht das schon anders aus. Dort finden wir in einem Waldstück Rudimente der Eisenbahnlinie und das „Hellfire Pass Memorial“, eine Gedenkstätte mit angeschlossenem Museum.

1946 mussten die Japaner die Brücke als Kriegsentschädigung wieder aufbauen, seit 1971 verkehrt wieder ein Zug. Der fährt nun mit uns, weiteren Touristen und vielen Thais am Kwai-Fluss entlang. Oft im schmalen Gleisbett, das einst asiatische Zwangsarbeiter und alliierte Kriegsgefangene ins bergige Gelände hackten und hämmerten.

Foto: Faszination Fernost/Britta Linnhoff

Death Railway – auch heute noch ein Abenteuer (Bauwens Video)

Starker Film mit verhunztem Titel

Eric Lomax war einer der Soldaten, die die Hölle schwer traumatisiert überlebten. Der schottische Eisenbahningenieuer wurde von den Japanern in Singapur gefangen genommen und nach Kanchanaburi transportiert. Auf Lomax` Memoriren basiert der Film „The Railway Man“ aus dem Jahr 2013, gedreht weitgehend an den Originalschauplätzen.

Foto: Britta Linnhoff/Faszination Fernost

Leider vertraute der deutsche Verleiher dem Thema nicht und dem Film auch nicht. In einer beeindruckenden   Mischung aus geschichtlicher Ignoranz, mangelndem Respekt, Unkenntnis des Inhalts und Missachtung herausragender schauspielerischer Leistungen von Colin Firth und Nicole Kidman lief die deutsche Fassung unter dem einfältigen Titel „Die Liebe seines Lebens“.

Damit sollte wohl, so vermutete das Medienportal „Quotenmeter“, das Rosamunde-Pilcher-Publikum angesprochen werden. Quotenmeter würdigte den Film mit einer ausführlichen Besprechung.

Ihre traumatischen Erfahrungen beim Bau der Eisenbahnlinie quälten die Überlebenden bis zum Tod. Täter und Opfer. Dank Lomax` Bestseller-Biografie erlangte auch der Japaner Nagase Takashi zweifelhaften Ruhm – er war der Mann, der Lomax während des Eisenbahnbaus folterte. Später fand Takashi seinen Lebenssinn darin, bei den Opfern um Vergebung zu suchen. „Dafür respektiere ich ihn“, sagte selbst Trevor Dakin. Der einstige britische Kriegsgefangene zog irgendwann wieder von England nach Thailand, um eben dort den Horror in seinem Inneren zu bekämpfen.

„Du kannst mit diesem Hass nicht leben. Es ist wie Krebs – er zerstört dich“, sagte Dakin. Er starb 1998.

Foto: Faszination Fernost/Bernd Linnhoff

Fotos: Britta Linnhoff (15), Bernd Linnhoff (4), Walter Linnhoff (1)

Als Unterkunft nahe der River Kwai Bridge empfehlen wir:

Tipp für Kanchanaburi: River Kwai Jungle Rafts