Der Taiwaner im DFB-Trikot

Immer wieder gerne kehre ich zurück nach Bangkok, ins pralle Leben. Für zwei, drei Tage. In Thailands Hauptstadt erwischte ich diesmal trotz Regenzeit eine kurze Trockenperiode und traf, wer hätte es gedacht, in meinem Hotelzimmer auf den allgegenwärtigen Chang. Er sah gut aus wie lange nicht und grinste verschmitzt – für einen Handtuchelefanten eine höchst offensive Gemütsäußerung, wahrscheinlich hat er sich einfach so gefreut.

Dreieinhalb Stunden benötigt der Airbus A 330 der Taiwan-Airline Eva Air vom Flughafen Suvarnabhumi bis zur Landung auf dem Taoyuan International Airport von Taipeh. Zeit genug, um mir die nötigsten Fakten anzulesen: Die Insel Taiwan, auch als Republik China bezeichnet, ist dem chinesischen Festland vorgelagert und flächenmäßig so groß wie Baden-Württemberg. Auf überschaubarer Fläche wuchs dieser geografische Kleindarsteller zum weltweit zweitgrößten Produzenten von Notebooks und WLAN-Komponenten sowie zu einem der führenden Hersteller von Fahrrädern.

Obwohl Provinz der Volksrepublik China, wird Taiwan doch von ihr unabhängig regiert – der politisch-rechtliche Status des Inselstaates ist weiterhin ungeklärt. Diese Irritation reicht bis in die Sprache hinein (60 Prozent sprechen Taiwanisch), wie Wikipedia weiß:

Taiwanisch ist eine Variante des südlichen Min-Dialekts (Min-nan)…und…wird oft als Dialekt innerhalb der chinesischen Sprache gesehen. Andererseits kann man es auch als eine eigene Sprache innerhalb der Sino-Tibetischen Sprachfamilie betrachten.

Ja, was denn nun? Achtung:

Die Unterscheidung, ob Taiwanisch ein Dialekt oder eine Einzelsprache ist, hängt nicht zuletzt von politischen Ansichten ab.

Auf Deutsch: Ob Bayrisch ein Dialekt ist oder eine eigene Sprache, hängt davon ab, ob ich CSU wähle oder die Grünen.

Die feuchten Fühler des Taifuns

50 Minuten dauerte die Taxifahrt bis zum Hotel im Zentrum der Hauptstadt, Preis: 1 200 Taiwan Dollar, ca. 35 Euro. Auch in Taipeh regierte der Monsun; der über Chinas Osten heranziehende Taifun Fitow streckte bereits seine feuchten Fühler aus. So begrüßten uns ergiebige und anhaltende Schauer.

Taipeh ist keine touristische Destination; die Taiwaner (offizielle Bezeichnung) bzw. Taiwanesen (umgangssprachlich) begegnen dem Fremden mit unaufdringlicher Freundlichkeit und meist ohne große Englisch-Kenntnisse.

Ein Riese unter vielen Zwergen

Mit dem Stadtplan in der Hand lief ich zunächst einmal ziellos durch die Straßen, im Nassen wie im Trockenen. Die Augen weit offen, mit der Nase schnuppernd, um einen sinnlichen Eindruck von der Millionenstadt zu bekommen.

Die zahlreichen gelben Taxis auf mehrspurigen Hauptverkehrsadern erinnerten, in Kombination mit den oft rotbraunen Häuserfassaden, ein wenig an New York. Allerdings bescheiden sich die Häuser hier mit geringeren Höhen und enden im 15. bis 20. Stockwerk. Fast absurd hoch wirkt daher der Taipei 101 Tower – bis 2007 das höchste Gebäude der Welt, ein Riese, umgeben von Zwergen.

131007_Bankok-DFB-DressAm Fuße des Towers sah ich einen Taiwanesen im Trikot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Warum gerade dieses Hemd? „Germany, my country!“ sagte ich, auf das DFB-Wappen zeigend. Er schaute fragend seine Frau an, sie schaute fragend zurück. So blieb es beim Foto.

Wer ein wenig mehr über Land und Leute erfahren will und das aktuell, ist mit diesem Blog gut bedient:

In TaiwanDer Hamburger Journalist Klaus Bardenhagen lebt seit 2009 auf der Insel und versucht, „Taiwan in der Welt ein wenig bekannter zu machen.“

Daten+Fakten meines Taiwan/Taipeh – Trips vom 2. bis 6. Oktober 2013:
Flug Bangkok – Taipeh mit EVA Air, der privaten taiwanischen Fluggesellschaft, Mitglied der Star Alliance.

Hotels:
Marriott Executive Apartments Sukhumvit Park in Bangkok/Dank an Alex Schöll;
Park Taipei Hotel und
Gloria Prince Hotel in Taipeh

Taiwan – Der Park des Helden
Taiwan – Der Himmel ist die Grenze
Taiwan – Kaffeeklatsch in Taipeh
Taiwan – Kölle alaaf in Taipeh