Von Luang Prabang nach Huay Xai

1. Tag (170 km): Übernachten in der Luang-Say-Lodge

5000 Budhhas sollen hier einst gestanden, gelegen oder im Lotus-Sitz gesessen haben, 25 km nordöstlich von Luang Prabang und direkt am Ufer des Mekong gelegen, in den Kalksteinhöhlen von Pak Ou. Wie viele mögen es heute noch sein? Manche zerbröselten, andere wurden geklaut. Die meisten Quellen sprechen von Hunderten, die übrig blieben, andere von 2 500, der Augenschein tendiert zur höheren Zahl – doch was sagen Zahlen schon aus über einen Ort, auf den der Satz zutrifft: Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.

Diese Höhlen haben früher dem Flußgeist (phi) als Quartier gedient? Auch Naga-König Chao Ulongkha, der Bewacher der Mündung des Flusses Ou, hat hier gewohnt? Hier wirken magische Kräfte? Aber ja!

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Weiter stromaufwärts besuchen wir ein Dorf, wie immer bei solchen Gelegenheiten vom Zwiespalt irritiert, in fremdes Leben einzudringen und doch bewusst hinzuschauen. Woher rührt dieser Wunsch, ein Leben zu beobachten, das wir selbst nicht mehr führen möchten? Warum reizt uns, was wir authentisch nennen oder ursprünglich? Was letztlich – gesehen durch unsere kulturell vorgeschliffenen Linsen – Armut ist oder Rückständigkeit.

Es ist sicherlich ein Unterschied, ob man sich dieses Leben in einem Dokumentarfilm ansieht oder live. Wir laufen durchs Dorf und denken: So schlecht geht es dieser Gemeinschaft nicht, der neue Tempel ist unser Zeuge. Die Vorderfront des Gebäudes kündet von der gar nicht so guten alten Zeit, als die Gesetze in Bildern festgehalten wurden und die drakonischen Strafen auch, weil die Adressaten nicht lesen konnten.

Wir sehen die freundlichen Erwachsenen, die fröhlichen Kinder und denken: Unglücklich scheinen sie nicht. Aber was heißt das schon? Vielleicht fällt uns auch ganz leise das Gefühl an, dass Tempo, Wettbewerb, Konsum, Wachstum nicht der seelischen Weisheit letzter Schluss sind. Aber so leben wie einst? Gilt es, immer wieder die Mitte zu finden?

Letztlich reduziert sich die gemeinsame Schnittmenge auf einen Deal. Die Lizenz zum digitalen Schuss gegen handgewebten Stoff, für ein paar Dollar. Entspanntes Lächeln hier, entspanntes Lächeln dort, der kommunikative Brückenschlag. Nicht alle Gäste kaufen etwas, da hat der Deal dann Schlagseite. Immerhin, so hoffen wir, bescheren die Besuche dem Dorf ein verlässliches Einkommen.

Den Widerspruch zwischen TV-Satellitenschüsseln und den nackten Kindern vom „Empfangskomitee“ am Fluss müssen wir nicht lösen, wenn es denn überhaupt einer ist. Dieses Dorf, das lesen wir erst zum Ende unseres Besuches auf einem Schild, ist ein Musterdorf: Bor Model Village.

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Wir fahren noch zwei Stunden flussaufwärts, dann stiefeln wir die Uferböschung hoch zum Abendessen und zur Übernachtung in der LuangSay Lodge. Der Wunsch nach Ursprünglichem weicht mühelos der Feude am Komfort, unaufdringlich gestaltet, aber eben doch: komfortabel.

Fotos: Linnhoff Britta, Walter, Bernd

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