Der höchste Feiertag im buddhistischen Kalender erinnert an die Geburt, die Erleuchtung und den Tod Buddhas. Selbstverständlich ruhen auch die aktuellen politischen Auseinandersetzungen. Zumindest die, die auf der Straße ausgetragen werden. Doch eben nur für diesen Tag. Dann setzen sie wieder ein, die oft von Hass getränkten Reden und die teils gewalttätigen Aktionen der verfeindeten Fraktionen. Handlungen, die der buddhistischen Lehre Hohn sprechen.

140514_Visakha-Bucha-Der-hoechste Feiertag

So fragt sich Sanitsuda Ekachai in der „Bangkok Post“ am Morgen nach dem Feiertag: „Warum können wir als Buddhisten nicht in Frieden leben? In unserem so genannten buddhistischen Land scheinen die Menschen nun bereit, einander an die Gurgel zu gehen. Nur weil sie unterschiedliche politische Auffassungen haben.“

Fragen wie diese hört in Thailand keiner gerne. Denn nach populärer Auffassung entstehen Probleme erst dadurch,  dass man sie aus- bzw. anspricht. Khun Sanitsuda belegt ihre Bedenken mit dem Beispiel „vermeintlicher Friedensstifter in Safran-farbenen Roben“ und nennt den Mönch Luang Pu Buddha Isara: „Wenn seine Sicherheitskräfte unschuldige Menschen angreifen, verteidigt er die Gewalt. Am Visakha Bucha Day kehrt er in seinen Tempel zurück, um Almosen zu bekommen und Geld – zur Schlacht wieder bereit schon am nächsten Tag.“

Eine Atmosphäre reinen Friedens hingegen bereicherte den warmen Feier-Abend in Chiang Mai; die Ereignisse in Bangkok schienen in jeder Hinsicht noch weiter entfernt als die 700 km reale Distanz. Mehr als 300 Tempel warteten in Chiang Mai auf die Gläubigen und die Ungläubigen. Wir entschieden uns für den Wat Chedi Luang, einen der ältesten und schönsten der Stadt. Mit Tausenden umkreisten wir die große Stupa drei Mal und lauschten anschließend der frei fließenden Rede des Abtes, von der ich kein Wort verstand.