Bangkok, Chiang Mai, Phuket – vor 20 Jahren

Amanpuri – entspannt im Pool

Da war doch noch was: Die aktuelle Ausgabe des Reisemagazins „Travel and Leisure“ schickt mich auf eine ausgedehnte Zeitreise. In einer Umfrage wählten die T&L-Leser das „Amanpuri“ zum zweitbesten Resort-Hotel Südostasiens. Es ist fast auf den Tag genau zwanzig Jahre her, dass ich dort war, im Amanpuri auf Phuket.

In 20 Jahren kaum verändert: das Amanpuri-Resort liegt hoch auf einer Klippe und wurde daher vom Tsunami 2004 weitgehend verschont (Foto: Offizielle Homepage)

Schon damals warb das Luxusresort mit seiner Diskretion und berühmten Gästen: Harrison Ford war einer, Boris Becker ein anderer. Tiger Woods kam später dazu, Prince William vertrat den Adel und Kate Moss die dekorative Abteilung der Supermodels.

Aber auch ich befand mich im Mai/Juni 1998 in bester Gesellschaft. Rudi Völler war da, Christoph Daum, Reiner Calmund. Sie alle wollten die Welt für ein paar Tage hinter sich lassen. Denn die Woche an der Westküste Phukets beendete eine zweiwöchige Thailand-Reise des Fußball-Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen und zugleich eine lange Saison.

Bangkok 1998, National Stadium, Ehrentribüne

Das Team von Trainer Daum reiste auf Einladung von Bayer Thailand zu zwei Spielen ins Königreich, begleitet von treuen Fans und einigen Journalisten, darunter ich. Erste Station: Bangkok. Die Mannschaft kam ohne ihre Nationalspieler; Ulf Kirsten, Emerson, Zé Roberto (beide Brasilien) bereiteten sich gerade auf die anstehende WM in Frankreich vor.

Das störte die fußballverrückten Thais überhaupt nicht, denn ihr Idol war ja dabei: Rudi Völler. Bejubelt schon bei der Ankunft auf dem Flughafen Don Muang, von den Journalisten umlagert bei der Pressekonferenz. Deren wichtigste Frage war: „Rudi, spielst du gegen unsere Nationalmannschaft?“ Nun hatte Rudi seine Karriere 1996 beendet und seit anderthalb Jahren kein Spiel mehr bestritten. Doch gegen soviel Zuneigung war er wehrlos: Er sagte zu.

Prima Klima – für die Zuschauer

Es kam der Tag des Spiels. Geschätzte 38 Grad und 100 Prozent Luftfeuchtigkeit. Schon beim Abspielen der Nationalhymne stand Rudi im eigenen Schweiß. Doch wie die Mannschaft, so zeigte auch der Weltmeister von 1990 eine professionelle Einstellung. Genau 40 Minuten lang, dann ließ er sich auswechseln. Er wirkte wie ausgewrungen, und so sah er auch aus: „So etwas mache ich nicht nochmal.“ Fürs Protokoll: Bayer gewann die Partie mit 2:0.

Natürlich besuchten wir in Thailands Hauptstadt auch den Grand Palace und die umliegenden Tempel. Bangkoks Verkehr erschien uns schon damals chaotisch. Obwohl weniger Autos die Straßen verstopften, war die Luftqualität deutlich schlechter als heute. Viele Menschen liefen mit Masken gegen die Luftverschmutzung durch die Straßen.

Blick vom Shangri-La-Hotel auf den Chao Praya und das frisch eröffnete Hotel Peninsula

Zum ersten Mal in Chiang Mai

Regent-Hotel, Chiang Mai: Ganesha, der Gott mit dem Elefantenkopf

In Chiang Mai, der einstigen Hauptstadt des Lanna-Reiches im Norden Thailands, fand das zweite Spiel der Bayer-Mannschaft statt. Ohne Rudi Völler. Gegen die Mannschaft der Thai Farmer`s Bank gewannen die Daum-Schützlinge souverän, einmal mehr professionell und einsatzfreudig auftretend.

Auch Chiang Mai ist prominent vertreten in der aktuellen Umfrage von „Travel and Leisure“: Platz 9 unter den beliebtesten Städten weltweit (!). Vor 20 Jahren war die Stadt von solchen Ehren so weit entfernt wie ich von dem Gedanken, dass ich hier einmal leben würde. Obwohl wir beim reichhaltigen Kulturprogramm damals enge Freundschaft schlossen mit Thailands vielfältiger Küche. Reiner Calmund genoss diese Beziehung schon länger.

Klaus Bockelkamp (BILD), Uli Dost, Medienchef Bayer 04

Regent-Resort 1998

Wir wohnten im Vorort Mae Rim, in der weitläufigen und wunderschönen Anlage des Regent-Hotels. Heute heißt das Resort „Four Seasons“ und wird ebenfalls gewürdigt von Travel and Leisure: Rang 5 bei den Top Resorts Südostasiens.

Die Mannschaft flog unmittelbar nach ihrem letzten Spiel zurück in die Heimat, der Tross blieb im Lande. Nahe Chiang Mai besuchten wir ein Elefantencamp, doch die Fotografen Andreas Pohl (BILD) und Axel „Schnecke“ Diedge (Express Köln) folgten lieber den Spuren von Bayer-Manager Reiner Calmund, der wie üblich für jeden Gag zu haben war.

Die Aufstellung von links nach rechts: Pohl, Diedge, Calmund

Regent-Resort 1998

Four Seasons 2018

Abschluss im Amanapuri

Privater Strand, weißer Sand, ein paar Bars und ein paar Felsen

Luxus muss weder langweilig sein noch aufdringlich. Edles Design ist mehr als Bling-Bling. Die Architektur des Amanpuri erfreut das Auge und respektiert die Natur. 40 Pavillons im Thai-Stil und 44 exklusive Villen verschwinden fast unter den Palmen einer früheren Kokosnuss-Plantage. Buggys bringen den Gast von den hoch gelegenen Unterkünften zur Rezeption, zum Hauptpool und den Restaurants. Denn die Wege sind weit hier.

Was blieb hängen von den sieben Tagen in luxuriöser Isolation 1998? Ein diffus-angenehmes Gefühl von Entspannung in Harmonie mit der Natur und den Mitreisenden. Die Zeugnisse südostasiatischer Kunst im Gelände und in den Pavillons. Attraktive Gäste. Und Anekdoten.

Den Ein- bzw. Ausgang der Rezeption säumten zwei kleine Teiche voller Lotusblumen, die das Wasser fast vollständig verdeckten. Bayer-Reisemanager Wolfgang Kellers hatte sich zum Dinner im Gourmet-Restaurant in einen brandneuen, blütenweißen Anzug geworfen. Rot- und Weißwein flossen reichlich. Auf dem Rückweg zu seiner Unterkunft marschierte „Kelli“ sicheren Schrittes durch die Rezeption geradewegs in einen der Teiche. Als er wieder hochkam, von Lotusblüten bedeckt, sah er aus wie Neptun, der Gott der fließenden Gewässer. Nur der Dreizack fehlte.

Seit Bestehen vor 29 Jahren hat das Amanpuri die höchsten Auszeichnungen der Hospitality-Branche abgeräumt. Die große alte Dame der thailändischen Resorts ist ein erfrischend junger Klassiker.

In der Gestaltung der Preise vermeidet das Resort jeden Anflug von Schüchternheit. Doch es sind nicht nur die Gutbetuchten, die hier aufschlagen. Auch Durchschnittsverdiener gönnen sich und ihrem Ersparten die Erfahrung „Einmal im Leben“. Denn der „Platz des Friedens“, so die Bedeutung des Wortes Amanpuri im Sanskrit, hält noch mehr, als er verspricht.

Ausflug: Mit einer Dschunke fuhren wir zum James-Bond-Felsen in der Andamanensee vor Phuket. Als der Bootsführer mich ans Steuer ließ, verriet er mir zuvor die beiden großen Geheimnisse aller Hochsee-Kapitäne:

BACKBORD LINKS, STEUERBORD RECHTS!

Fotos: Bernd Linnhoff, Homepage Amanpuri (1)