Wandmalereien im Zeichen der braunen Bohne

Foto Faszination Fernost/B. Linnhoff

Ein Piccolo Latte, ein kleiner Café Latte also, kostet 14000, so steht es in der Karte. Da kann man schon mal ins Grübeln kommen: Sollte es sich um flüssiges Gold handeln? Nur bedingt. Ich bin gerade in Vientiane, der Hauptstadt von Laos. Ein Land, das schon als Seele Asiens bezeichnet wurde und durch Großzügigkeit besticht – bei jedem Besuch werde ich zum Millionär. Für hundert Euro reicht mir die Dame in der Wechselstube 1000010 laotische Kip, die dank vieler kleiner Scheine gut in meine Tragetasche passen. Wie bitte? Nein, es ist eine Stofftasche, ich bin ja keine Umweltsau.

Nur die Ruhe (Foto Faszination Fernost/B. Linnhoff)

Mit dem Umrechnungskurs gerät auch der Piccolo Latte wieder in Reichweite: 1,39 Euro, für viele Einheimische immer noch zu teuer. Daher treffen wir im „Naked Espresso Misay“, so der Name des Cafés, überwiegend westliche Ausländer an und jüngere Laoten, Studenten vielleicht oder Start-up-Entrepreneurs. Für südostasiatische Verhältnisse ist es wohltuend ruhig hier; digitale Nomaden schätzen die entspannte Atmosphäre fürs Bloggen, fürs Designen von Internetseiten, für alles eben, was man von jedem Platz der Welt aus machen kann.

Fotos: Faszination Fernost/B. Linnhoff

Es sind die Wandmalereien, die mich in diesem Kaffee-Tempel besonders beeindrucken. Sie verweisen auf die Wahrzeichen der Stadt und des Landes. Auf den Patuxai-Triumphbogen, ins Zentrum von Vientiane gepflanzt nach dem Vorbild des Pariser Arc de Triomphe, auf den Wat Pha That Luang, den wichtigsten Tempel der Hauptstadt, auf das Elefantenfestival in der Provinz Sayabouri oder die Ebene der Tonkrüge nahe Phonsavan.

Kaffeehaus à la Moderne (Foto Faszination Fernost/B. Linnhoff)

Savoir vivre: Frankreichs Erbe

Ein Picasso-Schwan und sieben Rosetten: Die Kunst, einen Latte zu designen

Einladende Cafès mit dem braunen Gesöff sind keine Seltenheit in Vientiane, gerade auch in der Rue Setthathirat. Ihr Name gemahnt an die einstige Kolonialmacht Frankreich, zu deren Nachlass eben auch eine erlesene Kaffeekultur gehört: Savoir vivre.

Doch Pop, der Betreiber des Cafés, ist nicht in Frankreich auf den Geschmack gekommen, sondern während seines Studiums in Australien. „Wirklich guter Kaffee ist kein Zufall”, doziert Pop, „er entsteht nur, wenn die Kaffeebohnen mit Sorgfalt und Präzision behandelt werden, die ganze Kette entlang, vom Anbauer über den Röster bis zum Barista, der ihn für den Kunden zubereitet.“

Mancher Gast fühlt sich allerdings überfordert, wenn er zunächst die Stärke der Kaffeebohne bestimmen soll (vielleicht eher mild, 80 % Arabica Xienkhuang Washed, 20 % Arabica Paksong?) und dann eins von vier Aromen: Medium Body? Malty Chocolate? Hint of Tropical Fruit? Smooth Aftertaste?

Fotos: Faszination Fernost/B. Linnhoff

Obwohl mir der „Smooth Aftertaste“, der sanfte Abgang, durchaus zusagt, fehlen mir Geduld und Lust, um alle Varianten durchzuprobieren und dann mit Kennermiene zu sagen: „Nicht schlecht!“ Ich bestelle mir stets einen Capuccino und aus der reichhaltigen Speisekarte ein Sandwich mit frischem Lachs. „Perfekt!“, sage ich beim Bezahlen, noch bevor mich die freundliche Bedienung nach meinem Urteil fragen kann, und: „See you soon!“ 

Beim nächsten Mal vielleicht in einer der inzwischen vier oder fünf Filialen des Nackten Espresso, die man inzwischen in Vientiane findet. Und dann bestelle ich mir definitiv eine der extravaganten Spielarten: Die „Split Shots (Black and White)“ zum Beispiel. Kosten 28 000 Kip. Aber ich hab`s ja. In Laos.

 

Foto Faszination Fernost/B. Linnhoff