Interview, Teil 1: Eine emotionale Debatte

Einmal auf einem Elefanten reiten: Davon träumen viele Thailand-Urlauber. Doch sie sind zunehmend verunsichert. „Meidet die Camps, die Elefantenreiten anbieten!“, fordern einige Tierschutzorganisationen. Der Trip auf dem Rücken eines Elefanten ist umstrittener denn je, die Diskussion hoch emotional.

Obwohl einige internationale Reiseunternehmen Elefantencamps aus ihren Programmen gestrichen haben, wenn sie bestimmte Standards nicht erfüllen, hat sich die Zahl der Camps im Norden Thailands in den letzten Jahren fast verdreifacht. Vor allem wegen der ständig steigenden Zahl der chinesischen Touristen, für die ein – meist kurzer – Besuch bei den Elefanten auf der Bucketlist steht.

Schau ihm in die Augen, Kleiner

Bodo Jens Foerster

„Schau dem Elefanten in die Augen – den Moment wirst Du nie vergessen“, sagt Bodo Förster. Mit seinem Unternehmen „Elephant Special Tours“ bietet er nach wie vor das Reiten von Elefanten an. Bei ihm sitzen die Gäste nicht im Korb auf dem Rücken der Tiere, sondern im Nacken.

Mehr als 20 Jahre ist der Thüringer Förster mittlerweile in Thailand aktiv. Am 15. Oktober 2019 erscheint sein Buch „Ein Leben für die Elefanten – Wie ich mir meinen Traum in Thailand erfüllte“, an dem ich als Co-Autor mitwirken durfte. Schon vor drei Jahren führte ich mit Bodo Förster ein Interview zum Thema „Elefanten im Tourismus“, das ich aus Anlass der Buchveröffentlichung aktualisiert habe.

Bodo Förster hat mehr als 200 Elefanten ausgebildet und gilt als einer der besten Elefantentrainer der Welt. „Doch der beste Trainer des Elefanten ist der Elefant“, sagt er.

Ein besonderer Tag

Nach schwierigen Anfangsjahren geht es Förster und dem Unternehmen heute trotz wachsender Konkurrenz gut. Das hat auch mit seiner Reputation zu tun. Auf der ITB in Berlin wurde der 52-Jährige im März 2016 von Thailands Prinzessin Ubol Ratana mit dem „Discover Amazing Stories Award“ ausgezeichnet.

“Kein anderer Mensch aus dem Westen”, so die Prinzessin, „hat die Verbindung zwischen Elefant und thailändischer Kultur und die Bedürfnisse der Elefanten besser verstanden als Bodo Jens Förster von Elephant Special Tours.”

Doch die Lage der Elefanten in Asien ist so prekär wie eh und je. Ihre Zahl sinkt. Der Zucht in Thailand fehlen Organisation und Struktur. Die Tiere müssen immer mehr arbeiten. Tierschützer und Reiseveranstalter verschärfen eine Debatte, die nach Lösungen ruft.

Immer drängender stellt sich die Frage: Elefanten im Tourismus – ja oder nein?

Elephant emotion

Foto: Faszination Fernost/B. Linnhoff

Faszination Fernost: Herr Förster, die Menschen mögen Elefanten, sind ihnen emotional verbunden. Der afrikanische Tierschützer Ivan Carter aber sagt: Im Tierschutz ist nicht Emotion gefragt, sondern Pragmatismus. Stimmen Sie dem zu?

Bodo Jens Förster: Emotionen machen uns als Menschen aus, und als Elefantenschützer leben wir davon. Wären wir Schlangenschützer, bekämen wir nicht diese Unterstützung. Richtig ist: Die Debatte kann emotional sein, die Lösungen müssen pragmatisch sein. Manche Tierschützer sehen nur das Tier und seine Bedürfnisse. Aber so funktioniert die Welt ja nicht, da sind ja immer auch Menschen betroffen.

FF: Was entgegen Sie der Forderung von Tierschutzorganisationen, keine Unternehmen zu unterstützen, die von der Arbeit mit Elefanten profitieren?

Förster: Sollen wir jetzt 3000 Arbeitselefanten entlassen? Wo sollen die leben und wovon? Und was ist mit den Menschen, die mit und von den Elefanten leben? Die Touristen sind morgen wieder weg. Aber ich bin noch da, die Mahuts sind noch da, meine Angestellten sind noch da. Und hinter diesen Menschen stehen Familien.

Bodo Jens Foerster und Mahouts

FF: Es geht um Existenzen, das ist schon klar. Aber Sie sagen selbst, der Elefant ist nicht geboren, um dem Menschen zu dienen.

Förster: Das ist mein Credo, richtig. Aber ein Elefant, der in Menschenhand geboren wurde, findet sich in der Wildnis nicht mehr zurecht. Auswildern ist auch deshalb keine Lösung, weil der Platz fehlt. Reden wir von der Rettung des asiatischen Elefanten, reden wir über zwei Szenarien. Da sind die Arbeitselefanten, deren Arbeitsbedingungen müssen wir verbessern. Den wild lebenden Elefanten müssen wir geschützten Lebensraum bieten, damit ihre Zahl wieder steigt.

FF: Wie steht es um die Population der wild lebenden Elefanten in Südostasien?

Elefantencamp in Laos (Foto: Faszination Fernost/B. Linnhoff)

Förster: Vietnam gebe ich verloren, da ist das Verschwinden des Elefanten nur eine Frage der Zeit. In Kambodscha und Laos sieht es schlecht aus, aber es gibt erste Bemühungen, die Rettung anzugehen. Laos nannte sich einst Lane Xang – Land der eine Million Elefanten, heute gibt es noch 800.

FF: Wie sieht es in Myanmar aus?

Förster: Die letzten Konzessionen für Holzeinschlag endeten 2015. Mit einem Schlag waren etwa 6000 Arbeitselefanten ohne Job. 

Wilde Elefanten im Khao Yai Nationalpark (Foto: Andy Merk/Khao Yai News)

FF: In Thailand?

Förster: Die Zahl der wilden Elefanten steigt. Aus meiner Sicht hat hier die oft kritisierte Nationalpark-Behörde in den letzten zwanzig Jahren keinen schlechten Job gemacht. Thailands Regierung auch nicht, sie verfolgt ein klares Konzept. Knapp 14 Prozent der thailändischen Fläche bestehen aus Nationalparks. Ich glaube nicht, dass Industrieländer wie etwa Deutschland diesen Wert erreichen.

FF: Es gibt also Hoffnung, zumindest in Thailand.

Förster: Ja. Aber wenn die Elefantenpopulation wächst, droht das nächste Problem. Dann brauchen die Tiere mehr Raum und brechen aus den Parks aus. Stellen Sie sich vor, ein wilder Elefant stürmt, auf der Suche nach Futter, in Ihr Dorf und tötet einen Menschen. Was sagen Sie dann? Was sagen dann die Wissenschaftler, was die Tierschützer?

 

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