Interview, Teil 1: Eine emotionale Debatte

Elephant Special Tours Thailand

Einmal auf einem Elefanten reiten: Davon träumen viele Thailand-Urlauber. Doch sie sind zunehmend verunsichert. „Meidet die Camps, die Elefantenreiten anbieten!“, fordern Tierschützer und Tierfreunde. Der Trip auf dem Rücken eines Elefanten ist umstrittener denn je. Und jede Meldung über einen Elefanten, der im touristischen Einsatz stirbt oder plötzlich „durchdreht“, Touristen verletzt oder gar tötet, intensiviert eine eh` schon emotionale Debatte.

Renommierte internationale Reiseunternehmen haben Elefantencamps aus ihren Programmen gestrichen, wenn sie bestimmte Standards nicht erfüllen. TUI verkündete gar, komplett auf Programme mit Elefanten zu verzichten. Und dennoch hat sich die Zahl der Elefantencamps im Norden Thailands fast verdreifacht, dank der ständig steigenden Zahl an chinesischen Touristen.

Schau ihm in die Augen, Kleiner

Bodo Jens Foerster

„Schau dem Elefanten in die Augen – den Augenblick wirst Du nicht vergessen“, sagte Bodo Jens Förster, als ich in seinem Camp zum dreitägigen „Education Trip“ antrat. Seither verfolge ich das Wirken dieses Mannes und die ständig hitziger werdende Diskussion um den Einsatz von Elefanten im Tourismus.

Mehr als 20 Jahre ist der Thüringer Förster in Thailand aktiv. Das Unternehmen Elephant Special Tours betreibt nahe Chiang Mai zwei Camps, die separate Stiftung Tong Bai eins. Förster gilt als einer der besten Elefantentrainer der Welt.

„Doch der beste Trainer des Elefanten ist nicht der Mensch“, sagt er selbst, „es ist der Elefant.“

Ein besonderer Tag

Bodo Jens Förster

Nach schwierigen Anfangsjahren geht es Förster und dem Unternehmen heute gut, trotz wachsender Konkurrenz in einer beinharten Branche. Das hat auch mit seiner Reputation zu tun. Auf der ITB in Berlin wurde der 52-Jährige im März 2016 von Thailands Prinzessin Ubol Ratana mit dem „Discover Amazing Stories Award“ ausgezeichnet.

“Kein anderer Mensch aus dem Westen”, so die Prinzessin, „hat die Verbindung zwischen Elefant und thailändischer Kultur und die Bedürfnisse der Elefanten besser verstanden als Bodo Jens Förster von Elephant Special Tours.”

Eine Auszeichnung, die Försters Kampf um den asiatischen Elefanten adelt. Doch deren Lage ist so prekär wie eh und je. Ihre Zahl sinkt kontinuierlich. Der Zucht in Thailand fehlen Organisation und Struktur. Die Tiere müssen immer mehr arbeiten. Tierschützer und Reiseveranstalter verschärfen eine Debatte, die nach Lösungen ruft.

Immer drängender stellt sich die Frage: Elefanten im Tourismus – ja oder nein?

Elephant emotion

Foto: Faszination Fernost/B. Linnhoff

Faszination Fernost: Herr Förster, die Menschen mögen Elefanten, sind ihnen emotional verbunden. Der afrikanische Tierschützer Ivan Carter aber sagt: Im Tierschutz ist nicht Emotion ist gefragt, sondern Pragmatismus. Stimmen Sie dem zu?

Bodo Jens Förster: Emotionen machen uns als Menschen aus, und als Elefantenschützer leben wir davon. Wären wir Schlangenschützer, bekämen wir nicht diese Unterstützung. Richtig ist: Die Debatte kann emotional sein, die Lösungen müssen pragmatisch sein. Es gibt Tierschützer, die sehen nur das Tier und seine Bedürfnisse. Aber so funktioniert die Welt ja nicht, da sind ja immer auch Menschen betroffen.

FF: Was entgegen Sie der Organisation PETA auf ihre Forderung, keine Unternehmen zu unterstützen, die von der Arbeit mit Elefanten profitieren?

Förster: Wissen diese Leute wirklich, wovon sie reden? Sollen wir jetzt 3000 Arbeitselefanten entlassen? Wo sollen die leben und wovon? Wie soll das gehen? Und was ist mit den Menschen, die mit und von den Elefanten leben? Die Touristen sind morgen wieder weg. Aber ich bin noch da, die Mahouts sind noch da, meine Angestellten sind noch da. Und hinter diesen Menschen stehen Familien.

Bodo Jens Foerster und Mahouts

FF: Es geht um Existenzen, das ist schon klar. Aber Sie sagen selbst, der Elefant ist nicht geboren, um dem Menschen zu dienen.

Förster: Das ist mein Credo, richtig. Aber ein Elefant, der in Menschenhand geboren wurde, findet sich in der Wildnis nicht mehr zurecht. Reden wir von der Rettung des asiatischen Elefanten, reden wir auch über zwei Szenarien. Da sind die Arbeitselefanten, deren Arbeitsbedingungen müssen wir verbessern. Den wild lebenden Elefanten müssen wir geschützten Lebensraum bieten, damit ihre Zahl wieder steigt.

FF: Wie steht es um die Population der wild lebenden Elefanten in Südostasien?

Elefanten in Laos

Elefantencamp in Laos (Foto: Faszination Fernost/B. Linnhoff)

Förster: Kambodscha, Vietnam und Laos sind verloren, das ist nur noch eine Frage der Zeit. Laos nannte sich einst Lane Xang – Land der eine Million Elefanten, heute gibt es noch 800. Ich habe dort mit meinem einheimischen Partner Kor versucht, Projekte auf die Beine zu stellen. Interessiert keinen. Aber einen Versuch starten wir noch.

FF: Wie sieht es in Myanmar aus nach der Öffnung des Landes?

Förster: Dort gibt es derzeit etwa 6000 Arbeitselefanten ohne Arbeit. Die letzten Konzessionen für Holzeinschlag endeten 2015. Jetzt muss man abwarten, was geschieht.

Khao Yai News

Wilde Elefanten im Khao Yai Nationalpark (Foto: Andy Merk/Khao Yai News)

FF: In Thailand?

Förster: Die Zahl der wilden Elefanten steigt. Aus meiner Sicht hat hier die oft kritisierte Nationalpark-Behörde in den letzten zwanzig Jahren keinen schlechten Job gemacht. Thailands Regierung auch nicht, sie verfolgt ein klares Konzept. Knapp 14 Prozent der thailändischen Fläche bestehen aus Nationalparks. Ich glaube nicht, dass Industrieländer wie etwa Deutschland diesen Wert erreichen.

FF: Es gibt also Hoffnung, zumindest in Thailand.

Förster: Ja. Aber wenn die Elefantenpopulation zu stark anwächst, droht das nächste Problem. Dann brauchen die Tiere mehr Raum und brechen aus den Parks aus. Stellen Sie sich vor, ein wilder Elefant stürmt in ein Dorf und tötet einen Menschen. Was sagen dann die Wissenschaftler, was die Tierschützer?

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