Ob Kirchen oder Tempel: Kinder fürchten Besuche heiliger Stätten, die von oben verordnete Langeweile. Nicht so im Wat Bupparam in Chiang Mai. Dort steht, gleich am Eingang, eine Figur, die im buddhistischen Universum bislang eher unterschätzt wurde: Donald Duck aus Disneyland. Wenn die Eltern den Teak-Buddha im Obergeschoss des Tempels ansteuern, bleibt der Nachwuchs bei der Ente.

Buddhismus steht für Toleranz. So findet ein recht dubioses Personal Asyl in Buddhas Garten. Einen Affengott sehen wir da, einen Akkordeonspieler und andere Zwerge; eine Gips-Frau im Kleid einer Tirolerin, einen ebenfalls in Gips gegossenen Hotelpagen und Elefanten natürlich.

Selbst Ganesha fühlt sich hier gut aufgehoben, der hinduistische Elefantengott, obwohl ihm in den unteren Gefilden eine Ratte in die Weichteile beißt. Ganesha fühle ich mich besonders verbunden: In manchen Quellen wird er als Patron der Reisenden und Schreiber genannt. Vor allem aber gilt er als Gott des Wissens und Aus-dem-Weg-Räumer-von-Hindernissen. Ihm eilt der Ruf voraus, ein begnadeter Tänzer zu sein, ein beweglicher Liebhaber und ein Schelm, der gerne Streiche spielt – Multitasking ist keine Erfindung der Moderne.

In vielen Tempeln Chiang Mais ist es möglich und erwünscht, mit den Mönchen über Buddha, Gott und die Welt zu diskutieren. Bisher habe ich diese Gelegenheit noch nicht wahrgenommen. Eine Frage der Zeit. Meine erste Frage steht schon fest: Wie kam Donald in Buddhas Garten?

Fotos: Faszination Fernost/B. Linnhoff